Osnabrück Treibhausgaskonzentration auf Rekordhoch: Jetzt bloß nicht den Kopf in den Sand stecken
Nationale Klimapläne werden ihrem Anspruch nicht gerecht, die Erderwärmung einzudämmen. Extremwetter und wirtschaftliche Einbußen drohen, während die CO₂-Werte steigen. Doch Aufgeben ist keine Option.
Bei der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre ist keine Trendwende in Sicht. Laut einem UN-Bericht ist der weitere Temperaturanstieg auf der Erde mit der rekordhohen Treibhausgaskonzentration für Jahrzehnte hinaus vorprogrammiert – und damit auch die Schäden, die der Klimawandel in Gestalt von Extremwetterereignissen nach sich ziehen wird.
Die Weltgemeinschaft ist trotz aller nationalen Klimapläne nicht mal mehr ansatzweise auf dem Weg, um die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad und möglichst bei 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau zu begrenzen, wie es die Pariser Klimakonferenz 2015 beschlossen hat.
Der jüngste UN-Bericht reiht sich ein in eine Folge anderer Negativnachrichten in diesem Jahr. So droht die Weltwirtschaft laut Berechnungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung durch die Folgen der Erderwärmung bis Mitte des Jahrhunderts um rund ein Fünftel zu schrumpfen; auch Deutschland dürfte das zu spüren bekommen. Und der aktuellen Bundeswaldinventur zufolge stoßen die Wälder hierzulande heute mehr Kohlenstoff aus, als sie als Helfer im Kampf gegen den Klimawandel noch speichern können.
All das legt wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku das ernüchternde Fazit nahe: Die Menschheit droht den Kampf gegen den Klimawandel nicht zu verlieren – wir haben ihn längst verloren.
Erliegen wir nun der Versuchung und folgen dem einfachen Motto: Ist der Planet sowieso ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert? Die Akzeptanz in der Bevölkerung für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik sinkt; die Bürger spüren die damit verbundenen Kosten immer stärker am eigenen Leib.
Und doch gibt es einen guten Grund, die Energiewende weg von der Verbrennung fossiler Energieträger weiter engagiert voranzutreiben: Zeitgewinn. Jede noch so bescheidene Verlangsamung der Erderwärmung macht es leichter, sich an die verändernden klimatischen Bedingungen so gut wie möglich anzupassen. Es wird höchste Zeit dafür.