Tourismus  Reizthema Ferienwohnungen – was in Greetsiel geplant ist

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 26.10.2024 15:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Greetsiel gibt es zu viele Ferienwohnungen, finden viele Einheimische. Foto: Wagenaar/Archiv
In Greetsiel gibt es zu viele Ferienwohnungen, finden viele Einheimische. Foto: Wagenaar/Archiv
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Die Gemeinde Krummhörn will den Bau von Ferienwohnungen in Greetsiel stärker steuern – und Rechtssicherheit schaffen. Ein Konzept soll die Richtung vorgeben. Jetzt wird der Entwurf vorgestellt.

Greetsiel - In Greetsiel soll ein Entwicklungskonzept dabei helfen, den Tourismus mit den Interessen der Einheimischen besser in Einklang zu bringen. Denn viele Einheimische finden: Es gibt zu viele Touristen in Greetsiel. Hauptthema sind dabei die vielen Ferienwohnungen in dem Fischerdorf. Mit einem Konzept, so hofft die Gemeindeverwaltung, soll es gelingen, diesen Wuchs an Ferienwohnungen besser zu steuern. Auch die Politik hatte eine bessere Steuerung von Ferienwohnungen im beliebten Ferienort gefordert. Am kommenden Mittwoch, 30. Oktober 2024, soll nun um 18 Uhr ein erster Entwurf dieses Konzeptes in der Greetsieler Grundschule vorgestellt werden.

Worum geht‘s?

In Greetsiel gibt es in einigen Straßenzügen mehr Ferienwohnungen als Wohnungen für Einheimische. Das hatte eine von der Gemeinde beauftragte Untersuchung des Oldenburger Planungsbüros NWP ergeben. Insgesamt entfielen in dem Ort rund 43 Prozent der Nutzungsanteile auf „Ferienwohnen“ (Hotels sind mit erfasst), die verbleibenden 57 Prozent auf „Dauerwohnen“ und sonstige Nutzungen. Hinzu kommt: Viele Ferienwohnungen sind baurechtlich wahrscheinlich gar nicht genehmigt. Das müssen sie spätestens seit 2017 aber sein.

Greetsiel ist ein beliebtes Ziel für Urlauber und Ostfriesen. Das Foto zeigt einen Freiluftgottesdienst. Foto: Wagenaar/Archiv
Greetsiel ist ein beliebtes Ziel für Urlauber und Ostfriesen. Das Foto zeigt einen Freiluftgottesdienst. Foto: Wagenaar/Archiv

Aus diesem Grund hatte sich die Gemeinde dazu entschlossen, das „Entwicklungskonzept Wohnen/Ferienwohnen in Greetsiel“ auf den Weg zu bringen. Dazu gab es am 28. November 2023 eine öffentliche Auftaktveranstaltung, in der auch die oben genannten Zahlen vorgestellt wurden. In der Zwischenzeit ist an dem Konzept weiter gearbeitet worden, bei der Veranstaltung am 30. Oktober soll nun ein Planungsentwurf präsentiert werden.

Was soll das Entwicklungskonzept bewirken?

„Ziel dieses Entwicklungskonzeptes ist es, zunächst mit einem ‚Generalplan‘ deutlich zu machen, in welchen Gebieten und mit welchem Anteil zukünftig Ferienwohnen und Dauerwohnen in unserer Gemeinde möglich sein soll. Im Anschluss daran werden dann sukzessive die Bebauungspläne angepasst“, schrieb Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) dazu kürzlich auf Nachfrage.

Das Konzept soll die Grundlage für handfeste Regelungen werden. Hauptaugenmerk wird dabei vor allem auf den älteren Bebauungsplänen liegen, hieß es im November 2023. Denn früher habe man die Bebauungspläne „sehr großzügig aufgestellt und viel erlaubt“. Dies gelte es jetzt möglichst schnell zu ändern. Über Bebauungspläne lasse es sich sehr genau steuern, was gebaut werden und was wie genutzt werden darf. Dabei müsse der Bedarf an Wohnraum für Einheimische mit dem ebenfalls unstrittigen Bedarf an Ferienwohnungen in Einklang gebracht werden, so Hilke Looden. Alle Beteiligten benötigten Planungssicherheit.

Wie nehmen Einheimische die Situation wahr?

Das war kürzlich im Rahmen einer Studie der Jade Hochschule Wilhelmshaven und der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel untersucht worden. Etwa 800 der knapp 12.000 Krummhörner hatten sich an der Umfrage beteiligt und ihre Meinung zu den Umgang mit Urlaubern in der Region geteilt. Dabei kam heraus: Rund 90 Prozent der Greetsieler Teilnehmer empfinden die Anzahl der Touristen als zu hoch und wünschen sich mehr Transparenz von der Gemeinde bei Themen der touristischen Entwicklung.

Wie nehmen Touristen die Situation wahr?

Einige Gäste fühlen sich zunehmend unerwünscht in Greetsiel, wie die Kommentare in den sozialen Netzwerken zeigen. Gleichzeitig fällt auch den Urlaubern auf, dass es zunehmend voll wird in Greetsiel. Er könne „das Ergebnis der Umfrage gut verstehen“, schreibt zum Beispiel ein Gast auf Facebook unter einem Beitrag zu der Menge der Touristen im Ort. Gleichzeitig dürften die Einheimischen nicht vergessen, dass sie auch von den vielen Gästen profitieren.

Die Informationsveranstaltung in der Aula der Greetsieler Grundschule findet statt am Mittwoch, 30. Oktober 2024, um 18 Uhr. Laut Tagesordnung gibt es nach der Vorstellung des Planungsentwurfes auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Auch das weitere Vorgehen soll besprochen werden. Die ausgearbeiteten Entwürfe können bereits vorab ab 17 Uhr in der Aula eingesehen werden.

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