Berlin Melatonin: Warum die Einschlafhilfe auch gefährlich werden kann
Melatoninhaltige Produkte füllen mittlerweile ganze Regale in Drogerien. Die Präparate versprechen beim Einschlafen zu helfen. Laut Experten ist die unkontrollierte Einnahme von Melatonin nicht ganz ungefährlich. Welche Gesundheitsrisiken es gibt.
Ob Sprays, Kapseln, Tropfen oder als Fruchtgummis – die Vielfalt an Melatoninprodukten ist groß. In den vergangenen Jahren sind sie immer beliebter geworden. Sie sollen bei Schlafproblemen helfen und gelten zudem als vermeintlich harmlose Nahrungsergänzungsmittel. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt aber nun davor, melatoninhaltiger Produkte nicht bedenkenlos einzunehmen. In einer Stellungnahme weist das Institut auf mögliche gesundheitliche Risiken hin.
Nach Angaben des BfR kommt Melatonin als Wirkstoff in Medikamenten zur zeitlich begrenzten Behandlung von Schlafstörungen zum Einsatz. Diese Medikamente müssen aber ärztlich verordnet werden. Da Melatonin in geringen Mengen in einigen Lebensmitteln vorkommt und daher als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich ist, geht das BfR davon aus, dass Menschen mit Einschlaf- und Durchschlafproblemen melatoninhaltige Produkte unkontrolliert einnehmen.
Zudem übersteige die empfohlene Tagesdosis bei einem Teil der auf dem Markt erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel die übliche Dosierung zugelassener melatoninhaltiger Arzneimittel.
Das BfR weist darauf hin, dass gesundheitliche Risiken im Zusammenhang mit der Einnahme von Melatonin bisher unzureichend erforscht worden sind. Die bisherige wissenschaftliche Datenlage würden aber gegen eine unkontrollierte Einnahme melatoninhaltiger Produkte sprechen – insbesondere über einen längeren Zeitraum.
Studien würden nahelegen, dass bereits geringe Dosierungen (ein Milligramm pro Tag und weniger) gesundheitliche Auswirkungen haben können. Dazu gehörten unter anderem Kopfschmerzen, verringerte Aufmerksamkeit und Blutdruckabfall. Aber auch Schläfrigkeit und eine verringerte Reaktionszeit können die Folge sein. Das könne beispielsweise auch am Tag nach der Einnahme die Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigen.
Weitere Untersuchungen würden außerdem Hinweise darauf geben, dass bei einer langfristigen Einnahme das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen erhöht wird. Menschen mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes empfiehlt das BfR eine ärztliche Beratung. Auch bei Kindern und Jugendlichen kann ein Einfluss auf das Wachstum und die hormonelle Entwicklung nicht ausgeschlossen werden, weshalb auch ihnen von einer unkontrollierten Einnahme abgeraten wird.
Weitere gefährdete Personengruppen sind Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch, Menschen mit beeinträchtigter Leber- oder Nierenfunktion sowie Betroffene von Autoimmunerkrankungen oder Epilepsie.
Generell empfiehlt das BfR aber auch gesunden Menschen, sich vor der Einnahme von Melatonin vom Arzt beraten zu lassen. „Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte die Ursache dafür ärztlich abklären lassen“, rät BfR-Präsident Professor Andreas Hensel.