Kolumne „Für die Ehre“ Eine völlig überflüssige Aussage
Ehrenamtliche kämpfen um das Leben eines Menschen – und Außenstehende beschweren sich über eine Straßensperrung, weil ihr Essen daheim kalt wird. Unser Kolumnist hat dazu eine klare Meinung.
Es beschäftigt mich immer noch, was mir ein Bekannter vor Monaten sagte, nachdem wir als Feuerwehr eine Straße nach einem schweren Verkehrsunfall über längere Zeit sperren mussten. Er sei in der Zeit nicht nach Hause gekommen, weil wir ihm den Weg versperrt hätten. Sein Abendessen habe er kalt zu sich nehmen müssen.
Ich ignorierte diese Aussage, da ich sie für völlig überflüssig hielt. Die Mutter des Unfallfahrers wartet heute noch darauf, dass ihr Sohn nach Hause kommt, doch das wird er nie wieder. Auch wenn wir alles gegeben haben und selbst auf unser Abendessen verzichteten. Uns war es egal, dass unser Abendessen zu Hause stehenblieb, denn unsere Hilfe wurde benötigt.
Für die Mutter, die mit dem Abendessen wartete, wird nie wieder ein Essen so sein wir vor einigen Monaten, als die freiwilligen Feuerwehren und der Rettungsdienst um das Leben ihres Kindes kämpften und Ersthelfer uneigennützig ihre Bekleidung beschmutzen und ihre gesamten Kräfte für einen Fremden gaben. Ist es da nicht schon eine Frechheit, sich über die Straßensperrung so auszulassen mit einer Begründung, die mit mehr als nichtig zu verbuchen ist? Schämt man sich nicht für eine solche Aussage?
Menschen haben Leid erlitten, sehen ihre Liebsten nie wieder und andere wiederum haben lebenslang schreckliche Bilder im Kopf und können nicht mehr richtig schlafen. Keiner hatte mehr an diesem Abend an sein Abendessen gedacht. Es interessierte auch niemanden vor Ort.
Die persönlichen Prioritäten liegen bei jedem Menschen in jeder Situation anderes. Auch die Betrachtung von Ereignissen und die persönlichen Belange zu dem Zeitpunkt sind unterschiedlich!
Doch eine Einsatzkraft förmlich so nach einem schrecklichen Ereignis anzupöbeln, scheint mir nicht richtig zu sein. Auch die einfachen Worte machen etwas mit einem Menschen, wenn diese an besondere Spitzen gesetzt werden. Ein bisschen mehr nachdenken hätte vielleicht nicht geschadet.
Kontakt: kolumne@zgo.de