Gefahren im Herbst Was Ostfriesen jetzt beim Autofahren wissen müssen
Die dunkle Jahreszeit ist da und mit ihr kommen rutschige Straßen und unvorhersehbare Wildwechsel. Wir erklären, worauf Autofahrer jetzt achten müssen.
Landkreis Leer - Bunte Blätter, dampfender Tee und wärmende Suppe: Der Herbst in Ostfriesland hat zwar viele schöne Seiten, doch der Beginn der dunklen Jahreszeit bringt auch Gefahren mit sich. Nebel, nasse Straßen und feuchtes Laub zum Beispiel. Für Autofahrer ist jetzt besondere Vorsicht geboten. Neben schlechter Sicht, veränderten Fahrbedingungen und erhöhter Rutschgefahr steigt auch die Gefahr von Wildwechsel. Wir haben uns beim Kreisjägermeister in Leer und beim ADAC Weser-Ems erkundigt, wie man möglichst sicher unterwegs ist und worauf geachtet werden sollte.
Vorsicht, Unfallgefahr: Wildwechsel auf den Straßen im Kreis Leer
Es wird wieder später hell und früher dunkel. Wildtiere wie Rehe sind vor allem in der Dämmerung unterwegs, sagt der Leeraner Kreisjägermeister Heinrich Rauert. Derzeit steige die Wahrscheinlichkeit, dass sich Tier und Auto auf den Straßen begegnen und es zu Wildunfällen kommt. Denn: „Im Herbst überschneidet sich die Dämmerung wieder vermehrt mit den Zeiten, in denen viele Menschen zur Arbeit fahren“, sagt Rauert. Gerade morgens von Viertel vor 7 bis 8 Uhr sollten Autofahrer mit Tieren auf der Straße rechnen.
Die Reflektoren an den Leitpfosten, die nicht nur auf die Straßenbegrenzung hinweisen, sondern auch das Wild abschrecken sollen, helfen seiner Meinung nach nur bedingt. „In der Dämmerung reflektieren sie nicht so stark“, so der Jäger. Wer am Steuer sitzt, sollte deshalb unbedingt verstärkt auf die Wildwechselschilder achten und bremsbereit sein. Bemerkt ein Autofahrer in der Dunkelheit ein Tier auf der Straße, sollte er auch das Fernlicht ausschalten, rät Rauert. Der Lichtwechsel könne helfen, das Tier aus der Schockstarre zu holen. Außerdem sollte man deutlich langsamer fahren oder ganz bremsen und hupen, um das Tier zu verscheuchen, rät Nils Linge, Sprecher des ADAC Weser-Ems.
Wichtig: Wildtiere sind oft nicht allein unterwegs. Man müsse damit rechnen, dass einem Tier weitere folgen, warnt Linge. Lässt sich ein Zusammenstoß nicht mehr vermeiden, solle der Autofahrer auf keinen Fall versuchen auszuweichen, sondern eine Vollbremsung einleiten und die Spur halten. Denn: „Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver kann schnell am nächsten Baum oder im Gegenverkehr enden.“
Das Auto fit machen für Herbst und Winter: Achtung neue Reifenverordnung
Besonders im Herbst kann die Sicht durch Nebel, Regen oder tiefstehende Sonne eingeschränkt sein. Darauf sollten Autos vorbereitet werden, rät der Sprecher des ADAC. Für eine möglichst klare Sicht sei es wichtig, die Scheiben vor Fahrtantritt regelmäßig von innen und außen zu reinigen. Auch der Wasserstand der Scheibenwischer sollte regelmäßig kontrolliert werden. Um gegen mögliche Minustemperaturen gewappnet zu sein, sollte zusätzlich Frostschutz aufgetragen werden, so Linge. Zudem empfiehlt er, Scheinwerfer und Rücklichter vorab auf ihre Funktionstüchtigkeit und richtige Einstellung zu überprüfen.
Außerdem sei es ratsam, rechtzeitig auf Winterreifen umzurüsten. Als Faustregel gilt: von Oktober bis Ostern. Das Profil der Reifen sollte laut Nils Linge mindestens vier Millimeter tief sein. Nach sechs Jahren sei es zudem sinnvoll, die Winterreifen auszutauschen. Denn mit zunehmendem Alter härte das Gummi aus und verliere an Haftung auf der Straße. Der ADAC-Sprecher weist außerdem darauf hin, dass ab dem 1. Oktober 2024 nur noch Winterreifen mit dem Alpine-Symbol – einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke – zugelassen sind. Die bis dahin noch erlaubten Reifen mit M+S-Kennzeichnung „gelten dann nicht mehr als Winterreifen im Sinne der witterungsbedingten Winterreifenpflicht“.
Tempolimit bei Nebel: Autofahren im Herbst hat viele Tücken
Ist das Auto vorbereitet, gilt es auch hinter dem Steuer einiges zu beachten: „Abstand halten, Geschwindigkeit reduzieren und Licht an“, sagt Linge. Bei rutschigem Laub auf der Fahrbahn sollte der Fahrer möglichst vorsichtig lenken und Gas geben.
Was nach Erfahrung des ADAC-Sprechers viele nicht wüssten: Tagfahrlicht reicht in der Dämmerung nicht aus und leuchtet zudem nicht hinten am Heck. Die Lichtautomatik funktioniere meist nur bei Dunkelheit, deshalb müsse das Abblendlicht manuell eingeschaltet werden – auch bei Nebel. Die Nebelschlussleuchte wiederum dürfe nur bei Sichtweiten unter 50 Metern eingesetzt werden, so der ADAC-Sprecher. Bei derart schlechten Sichtverhältnissen gelte gleichzeitig ein Tempolimit von maximal 50 Stundenkilometern.
Bei schönem Wetter wiederum könne die Kombination aus tief stehender Sonne und nasser Fahrbahn blenden. Hier helfe eine saubere Windschutzscheibe, um den Effekt zu verringern. Nils Linge erklärt: „Eventuelle Schlieren streuen das einfallende Licht.“