850 Zuschauer in der B-Klasse Was den Hype um SuS Steenfelde ausmacht
Die Zuschauer kommen von weit – vor allem für Wilke und Udo. Doch SuS Steenfelde ist weitaus mehr als das Spaß-Duo. Wie groß der Hype wirklich ist und was dahinter steckt.
Steenfelde - Manch ein Fußballer nimmt eine Stunde Fahrt auf sich, um zum Training eines Teams aus der 2. Kreisklasse zu kommen. Manch ein Fan fühlt sich bei SuS Steenfelde und dem Ort so wohl, dass er dorthin zieht. Um den SV SuS Steenfelde ist ein Hype entstanden. Ausgelöst wurde er von den beiden Internet-Stars Wilke Zierden und Udo Tesch – spätestens mit dem Gewinn der Goldenen Henne 2019. Doch längst sind auch andere Gesichter von SuS Steenfelde bekannt, beispielsweise Fußballobmann Dietmar Woortmann oder Erste-Herren-Torjäger Jan-Oliver Straßer. „Letztens bin auch ich auf einer Tagung im Kreis Rotenburg angesprochen worden, ob ich nicht irgendwas mit Wilke und Udo zu tun hätte“, sagt die SuS-Vereinsvorsitzende Ulrike Wucherpfenning.
Das fand die Papenburgerin ebenso interessant wie die Gespräche mit Zuschauern rund um das Fußballspiel der 1. Herren am vergangenen Sonnabend. „Ein Vater war mit seinem Sohn aus Hannover angereist. Ein Ehepaar aus Kiel verbrachte sogar mehrere Tage hier“, erzählt Ulrike Wucherpfenning. Sage und schreibe 850 Zuschauer waren zum Spitzenspiel der B-Klasse (Staffel 4), das der Gast Viktoria Flachsmeer mit 3:1 gewann, gekommen. „In dieser Saison dürfte das unser Zuschauer-Rekord sein. Bei Aktionen oder besonderen Gästen erreichen wir diese Zahl das ein oder andere Mal“, sagt Wucherpfenning. Meistens kommen aber um die 400 Interessierte zu den Steenfelder Erste-Herren-Spielen. Damit hat SuS nach Regionalligist Kickers Emden wohl den zweithöchsten Zuschauerschnitt aller Fußballvereine in Ostfriesland.
SuS hat Sticker-Wand aufgestellt
Auf Youtube und Instagram haben die Accounts von Wilke Zierden fast eine halbe Millionen Follower – was etwa die Anzahl aller in Ostfriesland lebender Menschen ist. Die Instagram-Seite von SuS Steenfelde (Name: eindorfeinverein) kommt auf eine für einen Kreisklassenklub beachtliche Followerzahl von 46.200.
Fans von Wilke und Udo reisen aus verschiedensten Teilen Deutschlands an, um Mal – oder wieder – SuS spielen zu sehen und mit den beidem Internet-Stars vor Ort zu plaudern. Eine etwa 1 x 2,5 Meter große Sticker-Wand verrät, von wo schon Fans angereist sind. Dort kleben beispielsweise Sticker vom Halleschen FC (Sachsen-Anhalt), von BW Königsdorf (Oberbayern), vom VfR Wilsche-Neubokel (bei Gifhorn) und vom SC Parchim (Mecklenburg-Vorpommern). „Wir haben die Wand im Sommer angeschafft, weil davor an viele andere Stellen auf dem Sportgelände Sticker geklebt wurden – auf Banden oder an die Flutlichtmasten zum Beispiel. So ist es nun schöner“, sagt Ulrike Wucherpfenning. Mittlerweile ist kaum noch eine freie Stelle auf der Sticker-Wand zu finden.
Täglich kommen Fans zum Sportplatz
Doch nicht nur zu Fußballspielen kommen Fans zum Steenfelder Sportgelände. „Eigentlich kommen täglich Fans vorbei. Dann haben Wilke und Udo auch mehr Zeit zum Quatschen“, weiß die Vereinsvorsitzende. „Udo ist in der Regel jeden Tag vor Ort und macht Arbeiten – wann, das kommt auf seine Schicht an. Auch Wilke ist sehr oft da.“
Das sympathisch-humorvoll-verrückte Duo ist praktisch ein Magnet, der Fans nach Steenfelde lockt. Viele kommen wieder – oder ziehen sogar nach Steenfelde. Da gäbe es schon mehrere Beispielfälle, so Wucherpfenning. „Die Leute merken, dass nicht nur die beiden gut drauf sind, sondern auch alle anderen hier nett sind. Sie mögen das Vereinsleben, sie mögen das Dorfleben“, führt die SuS-Vorsitzende aus. „Das ist nicht nur auf eine Alters- oder Bevölkerungsgruppe zu beschränken, das ist ganz unterschiedlich.“
Was mit den vielen Einnahmen passiert
Der Trubel und die Aufmerksamkeit locken nicht nur Zuschauer nach Steenfelde, auch für die Gewinnung neuer Spieler ist das förderlich. So kommen die Spieler von SuS Steenfelde nicht nur aus Westoverledingen. Auch in Wiesmoor und Friedeburg wohnen unter anderem Steenfelder Erste-Herren-Spieler.
Sportlich läuft es gut für SuS in dieser Saison. Mit einem Sieg gegen Flachsmeer II wäre Steenfelde sogar an die Tabellenspitze gesprungen. Die vielen Zuschauer hatten trotz des 1:3 ihren Spaß. Das B-Klassen-Spiel mit den Spaßvögeln Udo und Wilke drumherum ist für viele eine Art Event.
Wo viele Zuschauer kommen, wird auch viel Geld eingenommen. Darum macht die Klubvorsitzende auch keinen Hehl. „Deshalb sind wir – im Vergleich zu vielen anderen kleinen Vereinen – auch umsatzsteuer- und gewerbesteuerpflichtig“, sagt Ulrike Wucherpfenning. Sie ist als selbstständige Lohn- und Finanzbuchhalterin tätig. Auch ihre Expertise mit Finanzen machte sie 2021 zur Wunsch-Kandidatin für den Chefposten im Verein. „Von dem eingenommenen Geld profitieren die Jugend und die Mannschaften. Aber auch unser Gelände wird sehr gepflegt. Unsere Gäste sollen es ja auch schön haben bei uns.“