SOS gefunkt  Katzenkrise bringt Tierheime und Vereine ans Limit

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 15.10.2024 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vereine und Tierheime können Katzen nicht mehr helfen. Symbolfoto: Pixabay
Vereine und Tierheime können Katzen nicht mehr helfen. Symbolfoto: Pixabay
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Nichts geht mehr: Vor einigen Wochen berichteten wir über eine Katzenschwemme. Nicht nur Vereine, auch Tierheime müssen sich geschlagen geben. Sie funken SOS.

Stapelmoor/Jübberde - Nichts geht mehr: Das Tierheim in Stapelmoor hat einen sofortigen Aufnahmestopp von Katzen verhängt. Derzeit befänden sich 140 Katzen im Tierheim Stapelmoor. Zudem werden etwa 50 Katzen in externen Pflegestellen betreut, schreiben die Verantwortlichen. „Das Katzenhaus platzt aus allen Nähten, eine artgerechte Haltung der uns anvertrauten Tiere ist kaum noch möglich. Wir können bis auf Weiteres leider keine Katzen mehr im Tierheim aufnehmen“, wird Mara Schwartz, die am 1. Oktober die Leitung des Tierheims in Stapelmoor übernommen hat, zitiert. Die Unterbringung von Fundkatzen werde durch die zuständigen Ordnungsämter geregelt.

Wer Katzen aufnehmen möchte, kann sich unter anderem bei den Verantwortlichen des Tierheims Stapelmoor melden. Symbolfoto: Pixabay
Wer Katzen aufnehmen möchte, kann sich unter anderem bei den Verantwortlichen des Tierheims Stapelmoor melden. Symbolfoto: Pixabay

Aufnahmestopps für Katzen auch in Jübberde

Das Tierheim Stapelmoor ist für die Fundtiere aus Bunde, Weener und Jemgum sowie Papenburg zuständig. Das weitere Tierheim im Kreis Leer in Jübberde musste ebenfalls einen Aufnahmestopp verhängen. Pro Jahr nehme das Tierheim rund 240 bis 260 Katzen auf, von denen die meisten im Anschluss weitervermittelt werden, schreiben die Verantwortlichen. Wegen eines Ausbruchs von feliner Parvovirose – eine Infektionskrankheit – auf der Quarantänestation, „haben wir bis einschließlich 27. Oktober einen vollständigen Aufnahmestopp für Katzen“, wird auf der Internetseite mitgeteilt.

Aufpäppeln, retten, vermitteln: Vereine und Tierheime geraten an ihre Grenzen. Symbolfoto: Pixabay
Aufpäppeln, retten, vermitteln: Vereine und Tierheime geraten an ihre Grenzen. Symbolfoto: Pixabay

„Um eine Ausbreitung dieser hoch ansteckenden und vor allem für Kitten und geschwächte Katzen gefährlichen Erkrankung zu verhindern, bleibt unsere Quarantäne geschlossen und wir können entsprechend erstmal keine weiteren Katzen aufnehmen.“ Die Vermittlung aus dem Katzenhaus laufe weiter, „bitte drückt uns und vor allem unseren Katzen die Daumen“, heißt es.

Verein zieht die Reißleine – erster Aufnahmestopp seit zehn Jahren

Eindeutige Worte müssen nicht nur die Verantwortlichen bei Tierheimen finden. Auch Tierschutzvereine kommen an ihre Grenzen. „Wir ziehen die Reißleine. Das erste Mal in fast 10 Jahren müssen wir nun sagen: ‚Stopp!‘ Es geht nichts mehr“, heißt es beispielsweise vom Verein Streunerkatzen Rheiderland. „Die Pflegestellen sind voll, es gibt kaum Anfragen, die Tierarztkosten und Futterkosten explodieren und alle sind einfach nur noch müde“, teilen die Tierschützer mit.

Junge Katzen müssen häufig mit der Flasche aufgezogen werden. Symbolfoto: Pixabay
Junge Katzen müssen häufig mit der Flasche aufgezogen werden. Symbolfoto: Pixabay
„Die Tierheime nehmen nicht mehr auf, andere Vereine schon längst nicht mehr. Wir haben uns lange gewehrt und auch Kitten aus Moormerland oder dem Emsland aufgenommen, um zu helfen, aber nun geht gar nichts mehr“, sagt Andrea Pastoor, Vorsitzende des Vereins. Sie hätten noch etliche Tiere in der Vermittlung. „Leider können die meisten erst in einigen Wochen vermittelt werden, da sie noch nicht gesund oder noch zu klein sind.“ Man könne nicht mehr helfen. „Es tut uns leid, vor allem wegen der vielen kleinen Herbstkitten.“

SOS gefunkt – Streuner und unkastrierte Katzen

„Wir haben etliche Streuner gesichert, kastriert, versorgt und auch verloren. Wir haben telefoniert, Emails geschrieben, unkastrierte Katzen gemeldet. Doch was hat sich effektiv seit letztem Jahr geändert?“, fragt Agnes Wiesenhütter, erste Vorsitzende des Vereins Pfötchennotdienst Ostfriesland/Emsland bei Facebook. „Die Pflegestellen werden voller, die Vermittlungsanfragen viel weniger, Plätze für Streuner werden eigentlich gar nicht mehr angeboten, egal wie sehr man bettelt“, schreibt sie.

Die Plätze sind in vielen Tierheimen besetzt. Symbolfoto: Pixabay
Die Plätze sind in vielen Tierheimen besetzt. Symbolfoto: Pixabay

Es sei ausgeschlossen, dass der Verein noch mehr Tiere aufnehmen könne. Es seien „mehr als letztes Jahr, mehr als vorletztes.“ Besonders bei den Tieren, die draußen leben möchten, sei es schwierig. Sie bräuchten Plätze auf Höfen, Ställen oder Ähnlichem. „Nicht selten darf man sich aufgebracht anmeckern lassen am Telefon, weil man eben nichts mehr aufnehmen kann, nicht mehr helfen kann“, so Wiesenhütter. Sie und auch Pastoor sind sich einig: Nur, wenn die geltende Kastrationspflicht im Kreis Leer konsequent durchgesetzt werde, könne sich etwas ändern. „Es ist eigentlich alles nur noch ein Trauerspiel“, schreibt Wiesenhütter abschließend.

Was kann man tun?

Neben Stellen für scheue Tiere brauche der Pfötchennotdienst derzeit vor allem Sachspenden. „SOS. Leider müssen wir wieder betteln“, schreiben die Verantwortlichen.

Viele Katzen suchen derzeit im Kreis Leer ein neues Zuhause. Symbolfoto: Pixabay
Viele Katzen suchen derzeit im Kreis Leer ein neues Zuhause. Symbolfoto: Pixabay

Pflegestellen werden ebenso gesucht: Interessierte könnten sich beispielsweise beim Tierheim in Stapelmoor melden, schreibt Xenia Nording von der Stadt Weener. Mit Matthias Heyen von der Stadt Papenburg ist sie für die Liquidation des Tierschutzvereines Rheiderland zuständig. Wer als Katzenfreund eine Pflegestelle einrichten kann, möge sich direkt beim Tierheim unter der Telefonnummer 04951/2459 oder per Mail an tierheimstapelmoor@gmail.com melden. Auch beim Tierheim Jübberde können sich Tierfreunde melden, die eine Pflegestelle anbieten möchten, unter Tel. 04956/2324 oder über das Kontaktformular.

Weil der Tierschutzverein Rheiderland aufgelöst wird, ist in Stapelmoor noch weiterer Redebedarf. „Uns erreichen derzeit viele Nachfragen, wie es mit dem Tierheimbetrieb weitergeht und ob es künftig möglich sein wird, sich ehrenamtlich einzubringen. Diese Frage können wir schon jetzt mit einem klaren ‚Ja’ beantworten“, schreiben Heyen und Nording. Gerne wolle man mit all denen ins Gespräch kommen, die das Tierheim Stapelmoor – in welcher Form auch immer – künftig unterstützen möchten. Ein Treffen gebe es am Montag, 21. Oktober 2024 um 18.30 Uhr in der Aula der Grundschule Stapelmoor.

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