Bissendorf Diesen Risiken begegnen Bissendorfer Grundschüler im Internet
Die Schattenseiten des Internets werden unterschätzt – von Kindern und Eltern. Das ist die Erfahrung von Sozialarbeiterin Tina Hoppe und Leiter Björn Windmann der Schule am Berg in Bissendorf. So wappnen sie die Grundschüler.
Kinder, die im Klassenchat ausgeschlossen oder beleidigt werden. Grundschüler, die fremde Erwachsene im Internet kennenlernen und sich mit ihnen treffen wollen. Beides haben Schulsozialarbeiterin Tina Hoppe und Leiter Björn Windmann an der Schule am Berg in Schledehausen schon erlebt. Sie wollen gegensteuern.
Hoppe ist über die Volkshochschule Osnabrücker Land an der Grundschule angestellt, die fachlich-inhaltliche Leitung hat der Landkreis Osnabrück. Sie gibt in den vierten Klassen Mediensozialtrainings und wurde dort auf Fälle von Cybergrooming aufmerksam.
Dabei sprechen Erwachsene Kinder im Internet an, um sexuelle Kontakte anzubahnen, oft unter einer anderen Identität. „Kinder denken in ihrer Naivität, derjenige ist wirklich acht Jahre alt und auf der Nachbarschule“, sagt Hoppe. Sie habe mitbekommen, wie Schüler kurz davor waren, sich mit solchen Fremden zu treffen. Hoppe informierte sofort die Eltern: „Da habe ich das Telefon schneller in der Hand, als man bis drei zählen kann.“
Hoppe griff rechtzeitig ein, die Fälle gingen gut aus. Die Voraussetzung dafür, dass sie davon erfahre, sei gute Beziehungsarbeit und eine offene Grundhaltung. „Ich kann die Kinder alles darüber fragen“, sagt Hoppe. Sie vertrauen ihr.
98 Prozent der Viertklässler an der Schule am Berg haben ein Smartphone, schätzen Windmann und Hoppe. Zwar müssen Handys während des Unterrichts in der Tasche bleiben. „Aber sobald sie im Bus sitzen, holen sie die Smartphones heraus“, sagt Windmann.
Lern-Apps seien auf den Smartphones der Schüler selten zu finden. Häufig seien dagegen Messenger-Dienste, Tiktok, Snapchat, Youtube und Spiele-Apps installiert – auch solche, über die Kinder mit fremden Mitspielern Kontakt aufnehmen können.
Während der Mediensozialtrainings thematisiert sie in den Klassen auch Datenschutz und vermittelt Kommunikationsregeln für Chats. „Ohne Schulsozialarbeit wäre das nicht möglich. Wir sind sehr dankbar, dass Frau Hoppe hier ist“, betont Windmann.
Die Schule am Berg arbeitet zudem mit außerschulischen Partnern zusammen. So informiert die Polizei die Kinder in einer Doppelstunde über Medien- und Datenschutz und eine Medienanwältin schult die Kinder im Rahmen des Projekts „Law for school“. Außerdem nimmt die Schule am Theaterprojekt „Mein Körper gehört mir“ teil, in dem kindgerecht über sexualisierte Gewalt aufgeklärt wird.
Die Eltern sehen die Probleme nach Windmanns und Hoppes Wahrnehmung häufig nicht. Sie wollten zwar immer wissen, wo ihre Kinder sich aufhalten, sagt Windmann. „Aber wenn das Kind die Welt in der Hand hat“, sagt er und deutet ein Smartphone an, „dann sieht es alles.“ Dafür seien Eltern oft nicht sensibilisiert.
Deshalb informiert die Schule sie bei Elternabenden. Über die Schul-Homepage werden Trainings angekündigt, Hoppe verschickt zusätzlich Infopost zu Veranstaltungen. Sie hoffen, dass sie die Eltern so erreichen und für das Thema sensibilisieren können. Denn: „Aufpassen ist die Devise“, sagt Windmann.