So wohnt Ostfriesland Emder Influencerin über das Leben auf der Baustelle
Janine Krause und ihr Mann haben ein 100 Jahre altes Haus in Emden gekauft und verwirklichen sich ihren Wohntraum. Drei Monate nach dem Umzug haben wir uns dort nun noch einmal umgesehen.
Emden - Der Umzug von Janine Krause ist mittlerweile drei Monate her. Seit Ende Juni 2024 wohnt sie mit ihrem Mann Fabian und ihren beiden Kindern in einem knapp 100 Jahre alten Haus im Emder Herrentorviertel. Als sie uns an diesem Tag die Tür öffnet, sieht es im Eingangsbereich noch immer nach Baustelle aus. Der Dielenboden ist mit einer Plane bedeckt. Darauf stehen Baustellenstrahler und Trittleiter. Gerade haben die Wände im Flur einen frischen Anstrich bekommen.
Im Wohn- und Essbereich sieht es deutlich fertiger aus. Aus den einst drei kleineren Zimmern ist durch große Durchbrüche ein heller, offener Raum entstanden, in dem es richtig wohnlich geworden ist. Dafür sorgen der alte Dielenboden, den das Paar wieder freigelegt und aufgearbeitet hat, die kräftigen, warmen Farben im Essbereich und die Vintage-Möbel, die bereits in ihrer vorherigen Wohnung richtige Hingucker waren. Hinzu kommen das gemütliche Cord-Sofa, ein großes Bücherregal, der Esstisch, Zimmerpflanzen, Lampen und Deko-Gegenstände.
Umzug war Chaos
Janine Krause ist Einrichtungs-Expertin und verdient ihr Geld als Content-Creatorin bei Instagram. Ihrem Account „ninivinterior“ folgen fast 100.000 Menschen. Nachdem sie dort bisher vor allem Fotos und Videos aus ihrer damaligen Wohnung geteilt hatte, nimmt sie ihre Follower jetzt beim Umbau ihres neuen Hauses mit. Als sie und ihr Mann ihr Haus Anfang Mai dieses Jahres kauften, befand es sich in einem ziemlich renovierungsbedürftigen Zustand – die beiden sahen aber Potenzial und begannen mit dem Umbau. Ende Juni kündigten sie ihre bisherige Wohnung und zogen mit ihren Kindern auf die Baustelle.
„Der Umzug war ziemlich Chaos“, sagt Janine Krause. „Es war alles nur halb fertig.“ Hinzu kam, dass eines der Kinder mitten im Umzug krank wurde. „Da war ich schon ziemlich an meiner Grenze“, sagt die Wahl-Emderin. Den oberen Teil des Hauses hatten sie erst einmal provisorisch hergerichtet. Dort befinden sich die Schlafzimmer, ein Ankleidezimmer sowie das Bad. Unten gibt es ein Arbeitszimmer, das mit einer Flügeltür mit dem Ess- und Wohnbereich verbunden ist, sowie eine zum Essbereich hin offene Küche, deren Endmontage vermutlich diesen Monat stattfinden soll.
Kosten unterschätzt
Viele der Möbel findet Janine Krause auf Flohmärkten, auf Verkaufsplattformen wie Kleinanzeigen (vormals Ebay-Kleinanzeigen) oder Etsy oder in sozialen Kaufhäusern. Dabei hatte sie auch kürzlich wieder Glück: „Hier in Ostfriesland kann man richtig gute Sachen finden“, sagt sie. So hatte sie bei Kleinanzeigen für 40 Euro Barhocker für die Küche gekauft und erst zu Hause entdeckt, dass es sich dabei um Modelle der Designermarke Thonet handelt – die Hocker werden für mehrere Hundert Euro gehandelt. Aktuell bereitet sie zudem einen alten Schrank für den Flur auf, den sie sogar kostenlos bei Kleinanzeigen gefunden hat.
Auch, wenn die Familie mittlerweile das Gröbste hinter sich hat, gibt es noch viele offene Baustellen. Im Gäste-WC im Erdgeschoss hat sich bis auf den Abriss noch gar nichts getan. Fast alle Türen müssen noch abgeschliffen und neu gestrichen werden. Die Heizungsinstallation ist noch nicht ganz abgeschlossen und der Boden im Obergeschoss wurde bisher nur provisorisch bearbeitet. „Da sind wir am Überlegen, ob wir den doch noch neu machen müssen“, sagt Janine Krause. An einigen Stellen platzt der Lack ab, es gibt größere Löcher im Holz und die Leisten fehlen. Auch im Garten, der Garage und im Keller ist bisher kaum etwas passiert. „Das werden wir alles nach und nach machen müssen“, sagt Janine Krause. Das habe letztlich auch etwas mit den Kosten zu tun. „Wir haben unterschätzt, wie viele Kosten auf uns zukommen werden, und zu wenig Kredit aufgenommen“, sagt sie.
Leben auf der Baustelle ist Balanceakt
Der Alltag auf der Baustelle ist für die Familie ein Balanceakt. Die Kinder sind vormittags in der Kita und nachmittags zu Hause, Fabian Krause arbeitet Vollzeit. Entsprechend bleiben nur die Abende oder das Wochenende, um etwas im oder an dem Haus zu schaffen. „Die Renovierung ist gefühlt ein zusätzlicher Job, den wir jetzt haben.“ Dabei gilt es nicht nur die Kosten, sondern auch den Zeitplan im Blick zu haben. „Handwerker sind super teuer, aber Selbermachen dauert länger. Da diskutieren mein Mann und ich regelmäßig, was der richtige Weg ist.“ Schließlich braucht es ab und an auch mal eine Pause von dem Baustellen-Stress.
Trotz alldem: „Der Stress lohnt sich. Es macht total Spaß, sich sein eigenes Zuhause einzurichten. Je mehr Fortschritt man sieht, desto wohler fühlen wir uns“, sagt Janine Krause. Bis alles fertig ist, werden aber vermutlich noch einige Monate vergehen.