Wohnen in Ditzum und Jemgum Baugebiete mit Kalter Nahwärme – was Bauherren wissen müssen
In Ditzum wird gerade das erste Haus im neuen Baugebiet gebaut. Mit „Kalter Nahwärme“ wird es versorgt. Was bedeutet das für Bauherren?
Ditzum/Jemgum - Die ersten Häuser entstehen gerade im neuen Baugebiet im Fischerort Ditzum. Parallel passiert noch etwas: Die Firma Erdbohrtechnik Brüntjen bohrt rund 280 Meter tief, um an die Wärme für die Häuser zu kommen. Diese werden alle durch sogenannte Kalte Nahwärme versorgt. Was hat es damit auf sich, wo liegen Vor- und Nachteile, was bedeutet das alles für angehende Häuslebauer? Wir fassen zusammen.
Was ist Kalte Nahwärme?
„Nahwärme“ bedeutet: Wie in herkömmlichen Wärmenetzen zirkuliert temperiertes Wasser in Rohren von einer Quelle zu den Abnehmern. In diesem Fall geht es um Wärme aus der Erde. Durch die Tiefenbohrung und durch unisolierte Rohre wird Wärme aufgenommen. „Wir können ganz normale PE-Leitungen nutzen“, erklärt Hermann Warnders, Geschäftsführer der InQ-Tech GmbH bei einem Vor-Ort-Termin in der vergangenen Woche. Seine Firma übernimmt die Umsetzung und Wartung des Wärmenetzes.
„Kalt“ bedeutet in diesem Zusammenhang eher weniger heiß. „Im Gegensatz zu konventionellen (heißen) Wärmenetzen, die bei über 70 Grad Celsius – teils sogar bei über 100 Grad – betrieben werden, ist das Temperaturniveau bei kalten Nahwärmenetzen sehr viel geringer: Die meisten kalten Netze werden in einem Temperaturbereich von rund -5 bis 20 Grad betrieben (je nach genutzter Wärmequelle)“, erklärt dazu die Stiftung Energie und Klimaschutz. Also: Durch die Bohrung und den Transport durch die Rohre wird Wärme aufgenommen.
Was brauchen die Häuser?
Bei dieser Art der Wärmeversorgung braucht jedes Haus eine eigene Wärmepumpe. In diesem Falle sind es Sole-Wasser-Wärmepumpen der Firma Qvantum. Diese arbeiteten mit dem „klimafreundlichen Kältemittel R290 – also Propan“, erklärt Thomas Troschitz, Leiter des Technischen Vertriebs der Qvantum Energietechnik GmbH. Dadurch, dass man mit diesem Kältemittel arbeite, gebe es einen Vorteil: „Im Sommer kann man sein Haus damit auch kühlen“, so Troschitz.
Wie weit ist das Netz denn ausgebaut?
Zunächst einmal gilt: Wer in den neuen Baugebieten in Ditzum und Jemgum bauen möchte, wird – wie einst bei Gas üblich – an das Netz angeschlossen. Aber: „Das Netz muss nicht sofort komplett ausgebaut sein“, erklärt Warnders, „es kann, wenn mehr Abnehmer hinzukommen, angepasst werden.“
Wie steht die Gemeinde zur Wärmeversorgung?
Gasanschlüsse bekomme man dort ohnehin nicht mehr, erklärt Jemgums Bürgermeister Hans-Peter Heikens. „Als die Planungen für die Baugebiete auf der Zielgeraden waren, teilte die EWE mit, keine Erdgasversorgung mehr anzubieten.“ Er sei der GPL, der Grundstücks- und Projektmanagement-Gesellschaft, einer Tochter der Sparkasse, dankbar, „dass sie dennoch an den Baugebieten festgehalten haben“, so Heikens. Es habe aber eine Alternative her gemusst. Diese habe man mit dem Kalten-Nahwärme-Netz gefunden.
„Es handelt sich dabei um eine sichere Versorgung mit einer Verlässlichkeit, was die Preise angeht“, so Heikens. Der Bausektor habe mit der Corona-Krise und dem Ukraine-Krieg und deren Folgen einige Preissteigerungen und Tiefschläge hinnehmen müssen. „Das hat sich mittlerweile wieder etwas abgefedert.“ Aber für Bauherren sei es sicherlich wichtig, in Sachen Nebenkosten eine Berechenbarkeit im Gegensatz zu beispielsweise möglichen stark schwankenden Gaspreisen zu haben.
Können auch andere Bürger ans Netz?
In den kommenden Monaten befasse man sich mit der kommunalen Wärmeplanung in der Gemeinde Jemgum, so Heikens. Die ersten Nachfragen aus der Nachbarschaft der beiden Baugebiete gebe es schon. „Dabei kommt es allerdings unter anderem darauf an, welchen Energiestandard die Häuser haben. Relativ unproblematisch ließen sich perspektivisch jüngere Häuser anschließen“, so der Bürgermeister.
Wie laufen die Grundstücksverkäufe?
In Ditzum nehme der Verkauf der Grundstücke Fahrt auf, sagt Janna Wolters, die Ansprechpartnerin für die Grundstücke bei der GPL. In Ditzum seien acht verkauft und 14 reserviert, in Jemgum fünf verkauft und sechs reserviert. „Jetzt, da es auch in Sachen Wärmeversorgung konkret sichtbar wird, was passiert und er Verkauf in Ditzum in Schwung kommt, wird sich das erfahrungsgemäß auch in Jemgum so entwickeln“, sagt Henning Tammen, Geschäftsführer der GPL.
Das Baugebiet am Schöpfwerkstief in Ditzum umfasst 44 Grundstücke mit Größen zwischen 574 und 800 Quadratmetern, das Baugebiet am Toten Weg in Jemgum umfasst 48 Grundstücke mit Größen zwischen 506 und 740 Quadratmetern.