Gärtnern in Ostfriesland Ein tierfreundlicher Garten im Winter – so geht‘s
Im Herbst heißt es für viele Ostfriesen: Alles Verblühte wird abgeschnitten. Amanda Peters vom „Spetzer Tuun“ und Malte Schoon vom „Landidyll“ in Friedeburg erzählen, warum sie gerade das nicht tun.
Friedeburg - Am Wochenende des 5. und 6. Oktober 2024 waren im Rahmen des Herbst-Gartenmarathons der Stiftung „Het Tuinpad Op – In Nachbars Garten“ wieder viele Gärten in Nordwest-Deutschland und in den niederländischen Provinzen Groningen und Drenthe für Interessierte geöffnet. Zu besichtigen war zum letzten Mal in diesem Jahr auch das „Landidyll“ in Friedeburg-Heselerfeld.
Auf 2500 Quadratmetern haben Malte Schoon und Lebensgefährte Torsten Tjarks sowie dessen Eltern Hedwig und Hans-Günter Tjarks einen Staudengarten angelegt – naturnah und bienenfreundlich, wie sie selbst sagen. Mit Erfolg: Für den Einsatz für mehr Artenvielfalt erhielt der Garten 2022 die Plakette des Vereins „Natur im Garten Niedersachsen“.
Ein Mix aus Wild- und Zierpflanzen sorgt für breites Nektarangebot
Dabei hilft ihnen sicher auch die Expertise. Torsten Tjarks betreibt in Wiesmoor einen Blumenladen, Malte Schoon ist seit bald 24 Jahren Zierpflanzengärtner von Beruf und heute selbst Zertifizierer bei „Natur im Garten“. Bei Facebook postet er regelmäßig Bilder von Pflanzen und dem „Landidyll“.
Üppig und mannshoch blühen diverse Astern-Arten in den Beeten, viele Sorten Phlox, Sonnenhut und auch Wildpflanzen wie die Flockenblume sind hier zu finden. „Wir haben eine Mischung aus Zier- und Wildpflanzen, damit es ein großes Nahrungsangebot für Insekten gibt“, sagt Malte Schoon.
Insekten sind Nahrung für Nützlinge im Garten
Viele Insekten bedeuten auch: Nahrung für Vögel und andere kleine Tiere, die nützlich im Garten sind. „Wir wollen, dass es im Garten das ganze Jahr über blüht“, sagen Torsten Tjarks und Malte Schoon. Das ganze Jahr über heißt: bis zum Frost. Besonders freut sich das Paar deshalb über die Artenvielfalt im Garten.
„Wir haben seit ein paar Jahren ein Dompfaffen-Pärchen“, erzählt Schon gegenüber der Redaktion. „Grünfinken haben wir auch – und in diesem Jahr auch sehr viele Schmetterlinge“, sagt er und zählt auf: „Zitronenfalter, Kohlweißling, Kleiner Feuerfalter, Aurorafalter, Waldbrettspiel, Kleiner Fuchs, C-Falter, Bläulinge, Perlfalter, Landkärtchen.“ Trotz des fortgeschrittenen Jahres flattern noch immer zahlreiche Tagpfauenaugen und Admirale über die Beete.
Warum bleiben verblühte Pflanzen stehen?
Zwischen den bunten Blüten stehen auch schon viele trockene, verblühte Staudenreste. Abgeschnitten werden die jedoch nicht. Das hat laut Malte Schoon zwei Gründe: Zum einen sollen sich die Pflanzen eigenständig über Samen verbreiten, zum anderen bieten die verblühten Stauden Nahrung und Schutz für zahlreiche Tiere. „Die Dompfaffen und Grünfinken picken aus den Stauden die Samen raus“, sagt Malte Schoon. „Im Winter lassen wir alles stehen, auch wenn es erst mal schäbig aussieht. Viele Insekten überwintern in den abgestorbenen Teilen der Stauden, auch verpuppte Raupen“, sagt der 42-Jährige.
Im Garten „Spetzer Tuun“ von Amanda Peters hat schon die Ruhezeit begonnen. „Ab September brauche ich die Ruhephase“, sagt sie. Seit 13 Jahren öffnet auch sie regelmäßig die Pforten ihres 3600 Quadratmeter großen Gartens in Spetzerfehn, den sie gemeinsam mit ihrem Mann hegt und pflegt. Besonders liebt die 67-Jährige die vielen Stauden, die sie ab 2007 in ihren Garten einbrachte.
Sind die Stauden im Herbst verblüht, schneidet auch sie die trockenen, braunen Blütenstände nicht ab. „Die Stauden bleiben stehen, für die Insekten“, sagt sie. Nur vorne vor dem Haus kürze sie die Stengel. Beetpflege betreibe sie im Winter mit dem Laub, das im Garten anfalle. „Die Blätter kommen aufs Beet“, sagt sie. Erst im März beginne sie mit dem Abräumen der Beete.
„Man muss es aushalten können“
Alles wird verwertet – das ist auch das Motto im „Landidyll“. „Wenn man alles abschneidet, kann eine Pflanze erfrieren im Winter. Pflanzen brauchen Zeit, sich vernünftig im Winter zurückzuziehen“, sagt Malte Schoon. Lasse man die Pflanzenreste auf den Beeten liegen, entstehe eine natürliche Humusschicht, die wieder für Nährstoffe sorge, erklärt er.
Dass das für ostfriesische Gartenfreunde, für die ein Garten „schier“ sein muss, erst einmal befremdlich klingen könnte, ist ihm bewusst. „Man muss es aushalten können“, gibt er zu. Dafür genießen er und Torsten Tjarks den fühlbaren Wechsel der Jahreszeiten. „Wir finden, man muss in einem Garten die Jahreszeit sehen können“, sind sich beide einig.
Laubhaufen in versteckten Ecken bieten Schutz
Herabgefallene Blätter sind nicht nur Nährstofflieferanten und Schutz für die Beete, sondern kommen im „Spetzer Tuun“ auch den Igeln zugute. „Die Igel haben Laubhaufen in dunklen Ecken“, sagt Amanda Peters. Igel bevorzugen geschützte Stellen und wärmendes Laub, in dem sie sich für die Zeit des Winterschlafs verstecken können. Auch Kröten in Überwinterungsstimmung habe sie viele gefunden, erzählt die Gartenfreundin. „Die Kröten buddeln sich schon ein für den Winter, unter Steinen oder auch am Komposthaufen“, sagt sie.
Einer Vielfalt von Tieren im Garten ein Zuhause zu geben ist also schon mit kleinen Mitteln möglich. Allgemein empfiehlt Malte Schoon: „Nicht zu dolle aufräumen. Für die Insekten und Vögel ist das uninteressant, da ist ja dann nichts mehr“, sagt er. Den Rasen müsse man nicht immer ganz kurz schneiden, sondern könne auch mal ein paar Gänseblümchen stehen lassen. Teiche sollte man nicht abpumpen und reinigen. „Darin verstecken sich viele Larven fürs nächste Jahr“, weiß Malte Schoon. „Wir nehmen nur die Seerosenblätter ab, damit sich im Teich nicht zu viel Stickstoff bildet“, erzählt er.
Mauern aus Dachpfannen und Totholzhecken sind gute Verstecke
Auch gestalterisch kann man viel für mehr Artenvielfalt im Garten tun, wie Schoon zeigt. „Wir haben ein Dachpfannenbeet angelegt, darin stecken überall Hohlräume, in denen sich zum Beispiel Erdkröten verstecken können“, so Schoon.
Einfach anzulegen sei eine Hecke aus abgeschnittenen Zweigen, die Totholz- oder Benjeshecke. „Darin können sich Igel und Insekten verkriechen und Vögel können Schutz darin suchen“, so Schoon. Die verlassenen Nistkästen können Vögeln vor kalten Winterstürmen Schutz bieten. Dafür werden die Kästen im „Landidyll“ von alten Nestresten befreit. Der Winter kann kommen.