München  Studie sagt Kostenschock voraus: So teuer wird das Heizen mit Öl und Gas ab 2027

Eva Dorothée Schmid
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Von Eva Dorothée Schmid
| 03.10.2024 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Heizen kann ziemlich teuer werden ab 2027 - vor allem im Einfamilienhaus, wenn man eine Öl- oder Gasheizung hat. Foto: Imago/Jochen Tack
Heizen kann ziemlich teuer werden ab 2027 - vor allem im Einfamilienhaus, wenn man eine Öl- oder Gasheizung hat. Foto: Imago/Jochen Tack
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Das Heizen mit Öl und Gas wird ab 2027 deutlich teurer. Davon geht das Münchner Forschungsinstitut für Wärmeschutz aus. Der Grund: die Einführung eines europäischen Emissionshandels für Brennstoffe.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr noch rund 72 Prozent der Heizungen mit fossilen Brennstoffen betrieben. Doch alle, die noch mit Öl oder Gas heizen, müssen ab 2027 damit rechnen, dass ihre Heizkosten sehr stark steigen. Besonders betroffen ist, wer in schlecht sanierten Häusern wohnt.

Diese Statista-Grafik zeigt, wie stark Öl- und Gasheizungen noch verbreitet sind:

Der Grund sind Pläne der Europäischen Union, den Emissionshandel noch stärker auf die ehrgeizigen Klimaziele auszurichten. Wer die Atmos­phäre mit Treib­haus­gasen belastet, zahlt für jede Tonne CO2 einen Preis, indem er dafür Zertifikate erwirbt. Es wird nur eine bestimmte Gesamtmenge an Zerti­fi­katen ausgegeben – und diese sinkt jedes Jahr.

Bisher wurde politisch festgelegt, wie hoch der Preis für eine Tonne ausgestoßenes CO2 sein soll. Das ändert sich 2027. Dann wird sich der Preis am Markt orientieren.

Andreas Holm vom Münchner Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) sagt, bereits heute sei absehbar, dass der europäische Emissionshandel nicht genug Emissionszertifikate für den Gebäudebereich zur Verfügung stelle. Deshalb seien hohe CO2-Preise zu erwarten.

Berechnungen, wie teuer das Heizen ab 2027 wird, sind schwierig, weil niemand die genaue Höhe des CO2-Preises ab 2027 genau vorhersehen kann. Dennoch hat das FIW anhand aktueller Daten einen Versuch gestartet, die Kosten für Eigentümer und Mieter zu beziffern.

Studienautor Andreas Holm spricht von einem „unkalkulierbaren Kostenrisiko“ für Bewohner und Eigentümer. „Kurzfristig werden große Teile der Betroffenen – der Energiekrise ab 2022 vergleichbar – nur durch den Verzicht auf Heizen und Mobilität mit fossilen Energieträgern reagieren können“, heißt es in der Studie, die vom Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) in Auftrag gegeben wurde.

Je schlechter die Effizienzklasse eines Gebäudes, desto höher wird die Belastung – und das vor allem im Einfamilienhaus. Angenommen, der CO2-Preis läge bei 150 Euro pro Tonne (einige Studien halten auch noch höhere Preise für möglich), dann könnte für ein 150 Quadratmeter großes Einfamilienhaus der Effizienzklasse G, das mit Gas beheizt wird, laut FIW-Studie das Heizen im Jahr im Vergleich zu heute 1815 Euro teurer werden. Mit einer Ölheizung müssen Eigentümer sogar mit 2407 Euro mehr rechnen.

Für eine Wohnung im Mehrfamilienhaus mit 70 Quadratmetern Wohnfläche und einer schlechten Energieeffizienzklasse (G) steigen die zusätzlichen jährlichen Heizkosten ebenfalls an: Um 753 Euro bei einer Gasheizung und 999 Euro bei einer Ölheizung.

Nicht ganz so teuer wird es für Eigentümer von Häusern, die schon eine gute Energieeffizienz haben und bis zu 75 Kilowattstunden Heizenergie pro Quadratmeter Nutzfläche verbrauchen. Aber auch dann betragen die Mehrkosten einer Gasheizung bei einem CO2-Preis von 150 Euro immer noch 545 Euro jährlich. Wird mit Öl geheizt, belaufen sie sich auf 722 Euro.

Bei einer Wohnung im Mehrfamilienhaus der Effizienzklasse B betragen die zusätzlichen jährlichen Kosten 266 Euro bei einer Gasheizung und 300 Euro bei einer Ölheizung.

Wer ein Gebäude mit hohem Verbrauch vermietet, könnte einen großen Teil seiner Mieteinnahmen verlieren. Denn es gilt: Je schlechter die Energieeffizienz des Gebäudes, desto höher ist der Anteil an den CO2-Kosten, die der Vermieter tragen muss.

Die Lösung liegt in der energetischen Sanierung. Doch die ist teuer. Der Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle fordert daher von der Politik eine Sanierungsoffensive, um die Mehrkosten abzufedern. Bisher seien die Sanierungsraten in Deutschland viel zu niedrig.

Mit Material der dpa

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