Verkehrsüberwachung bis 2029 Emden will knapp eine Million Euro in Blitzer investieren
Auch bei klammer Kasse investiert die Stadt Emden viel Geld in Blitzer. Die Verkehrsüberwachung soll sich lohnen, so oder so.
Emden - Dass die Blitz-Anlagen in Emden in die Jahre gekommen sind, ist bekannt. Einzelne wurden peu à peu modernisiert. Doch jetzt packt die Stadt die Sache grundlegend an. Bis ins Jahr 2029 werden fast eine Million Euro in den Austausch der Messanlagen gesteckt. Jedenfalls wenn der Rat den Budgetplanungen des Kämmerers zustimmt, die vergangene Woche vorgestellt wurden.
Nächstes Jahr stehen für die Erneuerung von Messanlagen zur Verkehrsüberwachung 325.000 Euro auf dem Budget-Plan, ab 2026 jährlich 150.000 Euro, insgesamt sind das 925.000 Euro. Summen, die sich anders als manch andere Investition in der Stadt aber auch finanziell amortisieren, wie Stadtkämmerer Horst Jahnke einräumte.
Bis zu 600.000 Euro Einnahmen jährlich
Wer innerorts bis zu zehn Kilometer pro Stunde zu schnell fährt, zahlt ein Bußgeld von 58,50 Euro inklusive Bearbeitungsgebühr. Ab 21 km/h zu viel sind 143,50 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig, ab 31 km/h zu viel 288,50 Euro, zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot. Das summiert sich. Nach aktueller Grobschätzung der Stadt allein für das laufende Jahr auf 550.000 bis 600.000 Euro Euro Einnahmen durch Verkehrsverstöße in Emden.
Und betrachtet man den Sicherheitsaspekt, lohnt es sich wohl ohnehin. „Verkehrssicherheit muss sich nicht vorrangig rechnen“, findet Hinrich Post, Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr. Würde man allerdings keine Geschwindigkeitskontrollen vornehmen, fielen auch die Einnahmen durch die Verkehrsverstöße weg, und die Verkehrsverstöße würden noch weiter zunehmen, so seine Einschätzung.
Austausch an Larrelter Straße
Um die Verkehrssicherheit also zu erhöhen, sollen alle stationären Blitzer in Emden ausgetauscht beziehungsweise auf Lasertechnik umgestellt werden. Die ersten stationären Blitzer waren 2006 an der Auricher Straße aufgestellt worden und wurden inzwischen erneuert. Die Anlagen an der Petkumer Straße im Stadtteil Friesland folgten 2009. Mit dem Austausch soll es aber zunächst an der VW-Kreuzung an der Larrelter Straße weitergehen.
Stadteinwärts sollen die Türme, die je 90.000 Euro kosten, noch in diesem Jahr an der Larrelter Straße ausgetauscht werden. Stadtauswärts hat es gerade an diesem Dienstag, 1. Oktober 2024, einen schweren Unfall gegeben, bei dem ein Autofahrer tödlich verunglückt ist. Er war mit seinem Auto gegen die Messanlage gefahren, die dabei zerstört wurde. Diese Messanlage gehörte zu den veralteten Geräten, die aber jüngst geeicht wurde und somit noch diensttauglich war, sagte Post. Sie müsse natürlich jetzt auch komplett ersetzt werden.
Alles auf Laser umstellen
Dabei setzt die Stadt auch auf den neuesten Stand der Technik. Heißt: Es sollen laserbasierte Messanlagen angeschafft werden, womit die Messung nicht mehr von in der Fahrbahn verbauten Messschleifen abhängig ist. Dass Letzteres problematisch sei, hätten nicht zuletzt die regelmäßigen Eich-Messungen bestätigt. Auf vielbefahrenen Straßen – und dort stehen die festen Blitzer in der Regel – „nudeln“ die Schleifen aus, die Messung wird ungenau.
Post beschreibt es so: Es bestehen erhöhte Investitionsbedarfe, weil teilweise Technik „abgekündigt“ worden sei und die seit 2006 im Einsatz befindlichen Anlagen, die noch mit in der Fahrbahn eingelassener Sensorik arbeiten, auf laserbasierte Messung umgestellt werden müssen.
Auch neue Blitzer-Standorte im Gespräch
Auf seiner Agenda hat der Verkehrsspezialist ein außerdem „Repowering“ der Blitzer an der Petkumer Straße und an der Bahnhofsbrücke. Die Reihenfolge der Sanierung und der Einsatz der Haushaltsmittel hänge aber immer vom Ergebnis der jährlichen Eichung der Anlagen ab. Darüber hinaus würden einzelne Investitionsentscheidungen in neue Messtellen oder -anlagen nach Unfallschwerpunkten und Einsatzbedarfen mit der Polizei abgestimmt. „Es könnten auch ganz neue Messtellen in Emden dazukommen“, sagte Post.
Neben den aktuell zehn stationären Messanlagen setzt die Stadt Emden mit dem „Engelke“ eine teilmobile Anlage ein. Im September 2022 war das Engelke vor der Grundschule Wolthusen erstmals in den Einsatz gebracht worden. Seither wird die Anlage regelmäßig bevorzugt vor Schulen und in Tempo-30-Zonen zur Überwachung des Geschwindigkeitslimits eingesetzt. Die rund 260.000 Euro für die Anschaffung des laserbasierten Systems Traffi Star S350 des Herstellers Jenoptik habe sich schon im vergangenen Jahr amortisiert, hieß es.
Zuletzt hat die Stadt dann noch eine mobiles Blitzgerät mit gleicher Technik des Engelkes angeschafft. Im Gegensatz zum Engelke, das meist nicht zu übersehen ist, kann das mobile Messgerät teilweise auch versteckt aufgestellt werden. Nachteil des mobilen Blitzers ist der höhere Personalbedarf. Lohnen soll es sich trotzdem. Im Einsatz ist die mobile Anlage seit Herbst vergangenen Jahres.