Binz Rassismusvorwürfe auf Rügen: Restaurant wirbt mit umstrittenen Begriffen
Ein Restaurant auf der Ostseeinsel Rügen gerät wegen eines Werbeschildes mit diskriminierenden Begriffen in die Kritik – doch die Inhaberin hält an ihrer Wortwahl fest.
Ein Restaurant auf der Ostseeinsel Rügen sorgt mit einem umstrittenen Werbeschild bundesweit für Schlagzeilen. Mit den Worten „Omas Zigeunerschnitzel mit Bratkartoffeln... danach gibt es einen Negerkuss“ will die Geschäftsführung von „Oma`s Küche und Quartier“ Gäste ins Lokal locken. Doch der Versuch kommt nicht bei allen gut an.
Ein empörter Urlauber meldete sich bei der Lokalzeitung. „Es ist wohl unschwer zu erkennen, dass mit diesem Schild, das öffentlich sichtbar zu Werbezwecken ausgestellt ist, eine bestimmte Gesinnung zum Ausdruck gebracht wird. Eine Gesinnung, die sich den aktuellen Diskussionen über eine rassismusfreie, würdige Sprache widersetzt“, wird der Mann in der „Ostsee-Zeitung“ zitiert. Auch in den sozialen Medien wird das Werbeschild diskutiert. Zustimmende und kritische Stimmen halten sich die Waage.
Auch die Betreiberin meldete sich auf Anfrage der „Ostsee-Zeitung“ zu Wort: „,Zigeunerschnitzel‘ und ‚Negerkuss‘ sind legitimierte Worte“, sagte Sigrun Gonischur. Einen Grund, das Schild abzunehmen, sehe sie also nicht. Die 68-Jährige wolle sich nicht vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen habe. „Wir haben eine eigene Sicht auf die Dinge.“
Verboten sind die beiden Begriffe tatsächlich nicht, doch sie sind hochumstritten: Während es die einen nicht wagen würden, die Bezeichnungen überhaupt auszusprechen, stört sich manch anderer nicht daran oder verwendet die Begriffe vielleicht sogar ganz bewusst.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes stuft den Begriff „Zigeuner“ eindeutig als diskriminierend ein. „Hier handelt es sich nicht um eine Eigenbezeichnung der Roma und Sinti, sondern um eine abwertende Fremdbezeichnung, mit der Sinti und Roma ausgegrenzt werden“, heißt es dort. Auch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma schreibt:„,Zigeuner‘ ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird.“ Der Begriff „Neger“ wird sogar vom Duden als „stark diskriminierend“ eingestuft.
Und auch die Hersteller haben ihre Produktnamen bereits angepasst. So stehen mittlerweile „Schokoküsse“ und „Paprikasauce Ungarische Art“ in den Supermarktregalen.
Aufgrund zahlreicher Beschwerden sei in „Oma‘s Küche“ bereits die Polizei zu Gast gewesen, doch es sei bei einem Gespräch mit den Ordnungsbehörden geblieben, sagte die Restaurant-Betreiberin der „Ostsee-Zeitung“.