Berlin Grüne: Ist auch Annalena Baerbock schon ausgetreten?
Robert Habeck will die Grünen zum Wahlverein für Robert Habeck machen. Das ist nachvollziehbar. Was Annalena Baerbock wirklich davon hält, kann nur gemutmaßt werden.
Erinnern Sie sich noch an Annalena Baerbock? Genau, die Ex-Kanzlerkandidatin der Grünen. Vor der Bundestagswahl vor drei Jahren wurde sie als „Angela Merkel in grün“ gefeiert. Wegen ihrer bombigen Umfragewerte wurde das traditionelle TV-Kanzler-Duell zum Triell: Armin Laschet gegen Olaf Scholz gegen Annalena Baerbock. Da mischte sie ganz vorne mit.
Für die grüne Kanzlerschaft reichte es nicht, aber immerhin für die Ampel-Regierung und den Job der Außenministerin. Allerdings ist Baerbock, seit sie in diesem Sommer selbstlos und ungefragt den Verzicht auf eine erneute Grünen-Spitzenkandidatur erklärte, völlig in der Versenkung verschwunden.
Natürlich nicht physisch. Nach der Wahl in Brandenburg stand die Potsdamerin tapfer in der Nähe von Ricarda Lang, als das schlimme Ergebnis verkündet wurde. Vor der UN-Vollversammlung in New York hielt sie eine schneidige Rede, in der sie Putin vorwarf, sich hinter Kindern zu verstecken. Auch bei Sandra Maischberger war sie kurz zu sehen. Verschwunden ist Baerbock aber als grüne Powerfrau.
Und es ist ja nicht so, dass in ihrer Partei nichts los wäre. Der Parteinachwuchs trat aus. Boris Palmer will wieder eintreten. Und die Doppelspitze Ricarda Lang und Omid Nouripour wurde von Robert Habeck zurückgetreten. Für die Nachfolge kandidiert die Habeck-Vertraute Franziska Brantner. Der „Spiegel“ schreibt von „Habecks Coup“ und dichtet die Grünen schon zum BRH um, zum Bündnis Robert Habeck, Sahra Wagenknecht lässt grüßen.
2018 hatten Baerbock und Habeck die Grünen als frisches, fesches Duo an der Parteispitze gemeinsam aus der Krise geführt und auf Realitätskurs gebracht. Sie galt lange Zeit als die Stärkere, weil sie auch organisatorisch schwer auf Zack war. Und heute? In zwei ausufernden Analysen, die „Spiegel“ und „Zeit“ den Grünen aktuell widmen, taucht der Name Baerbock nicht auf. Der Name Habeck dafür in jedem zweiten Satz.
Was steckt hinter dem grünen Verschwinden von Annalena Baerbock? Ist sie auch schon klammheimlich ausgetreten? Bereitet sie ihren „Coup“ für den Parteitag im November vor? Oder wartet sie Habecks Bruchlandung bei der Bundestagswahl in einem Jahr ab, um dann wieder aufzusteigen wie Phönix aus der Asche? Wir halten Sie auf dem Laufenden!