Osnabrück Matthias Brandt sorgt für furioses Finale im „Tatort: Es grünt so grün, wenn Frankfurts Berge blüh‘n“
Zum letzten Mal ermitteln Margarita Broich und Wolfram Koch im Frankfurter „Tatort“. Matthias Brandt und eine Verkettung unheilvoller Umstände sorgen für ein furioses Finale in der Episode mit dem seltsamen Titel „Es grünt so grün, wenn Frankfurts Berge blüh‘n“.
Tristan Grünfels (Matthias Brandt) geht es nicht gut. Gar nicht gut. In seiner Praxis muss sich der Psychologe und einstige Opferbetreuer die Probleme wildfremder Menschen anhören. Zu Hause erwartet ihn dann seine durch und durch dysfunktionale Familie. Der Sohn kifft, lässt sich den Hals tätowieren und schwänzt die Schule. Die Tochter hat ihren Freund, einen Digitalkünstler, im Hause einquartiert. Und seine Frau (Patrycja Ziółkowska) beachtet ihn kaum noch, seit sie eine Affäre mit ihrem Masseur hat.
Ruhe findet er nur noch in jenen seltenen Momenten, in denen er meditativ in seine Traumwelten abtauchen kann. Dann fühlt er sich wie der Protagonist in einem romantischen Gemälde. Genießt den Blick von einem Berg mit einer blühenden Wiese, auf der er nicht steht, sondern über der er anmutig schwebt und die in einen tiefen Abgrund mündet. Leider entgleitet ihm immer mehr die Wirklichkeit. Er hört Stimmen, hat Aussetzer, und dann liegt plötzlich eine tote Ordnungsbeamtin vor ihm auf der Straße. Ja, es wird wohl so sein, dass er sie gerade mit dem Gemälde vom Sperrmüll, das er in seinen Händen hält und von dem noch Blut tropft, erschlagen hat.
Eigentlich möchte er sich ja als Täter stellen. Doch nachdem er bei Kriminalhauptkommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) im Büro erscheint, kommt es zu einem Missverständnis, in dessen Folge er als Opferbetreuer mit Janneke und ihrem Kollegen Paul Brix (Wolfram Koch) zum Vater und Sohn der von ihm getöteten Frau geführt wird. Aber dies ist nur der Anfang einer durch und durch tragischen Geschichte, in deren Verlauf noch viele weitere Figuren in einen unheilvollen Strudel unvorhersehbarer Ereignisse gezogen werden sollen, die hier nicht weiter verraten werden.
Seit beinahe zehn Jahren stehen Broich und Koch als Ermittler-Duo für den Frankfurter „Tatort“ vor der Kamera. Dieser 19. Fall mit dem seltsam anmutenden Titel „Es grünt so grün, wenn Frankfurts Berge blüh‘n“ soll ihr letzter sein. Und soviel sei nun doch verraten – Drehbuchautor Michael Proehl (gemeinsam mit Dirk Morgenstern), auf dessen Konto auch die erste Episode für dieses Ermittler-Duo geht, hat zum Abschluss ein fantastisch-furioses Finale geschrieben, das von Regisseur Till Endemann grandios in Szene gesetzt wurde und reich an Überraschungen ist.
Das Ergebnis ist ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnlicher Krimi, den man so schnell nicht vergisst. Das gilt nicht nur für die Handlung, sondern vor allen Dingen auch für die bildgewaltige Umsetzung. Die bricht nicht nur mit allerlei Sehgewohnheiten, sondern vermischt ganz nebenbei auch mit spielerischer Leichtigkeit klassische Werke aller Kunstgattungen zu etwas völlig Neuem.
Caspar David Friedrichs Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ spielt hier visuell eine ganz und gar entscheidende Rolle, was vielleicht auch dem 250. Geburtstag des Meisters geschuldet ist. Und musikalisch entfacht die zumeist düster dräuende Hintergrundmusik, frei nach Motiven von Richard Wagner und extra vom hr-Sinfonieorchester eingespielt, ihre Wirkung. Aber auch Fußballfans kommen auf ihre Kosten. Ja, es ist tatsächlich Frankfurts Fußballlegende Timothy Chandler, der hier durch die Wohnung des Psychologen fegt.
Auch wenn dies der letzte „Tatort“ mit Broich und Koch ist, geht es in der Mainmetropole weiter. Noch in diesem Herbst starten die Dreharbeiten für den neuen Frankfurter „Tatort“ mit dem Schauspielerduo Melika Foroutan und Edin Hasanović. Als Cold-Case-Ermittler, die alte, ungelöste Fälle neu bearbeiten, betreten die beiden dann tatsächlich einen neuen Einsatzbereich im „Tatort“.
„Tatort: Es grünt so grün, wenn Frankfurts Berge blüh‘n“. Das Erste, Sonntag, 29. September, 20.15 Uhr und in der ARD Mediathek.