Köln Drama, Ruhm und Musik: Der Aufstieg der berühmtesten Musiker-Familien
Ob harmonischer Zusammenhalt oder trennende Konflikte – musikalische Familien wie die Jackson Five, die Bee Gees oder die Kelly Family prägen die Musikgeschichte bis heute. Axel Hill hat musikalische Ahnenforschung betrieben.
Familien: Vater, Mutter und Kinder, die gemeinsam auf der Bühne stehen – die „Mutter“ solcher musikalischen Familienbetriebe ist sicher die Trapp-Familie. Seit Mitte der 1930er Jahre traten sie als Chor auf, mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland emigrierten sie in die USA.
Mutter Maria schrieb die Lebensgeschichte der Sippe auf, die mit Ruth Leuwerik in der Hauptrolle ein Kino-Hit wurde. Noch erfolgreicher war das Musical „The Sound of Music“ und vor allem die Verfilmung mit Julie Andrews in der Titelpartie.
Auch bei der Kelly Family durfte oder musste jeder und jede mitmachen, auch wenn nicht alle gleichermaßen mit Talent gesegnet waren. Und während ein Teil der Geschwister heute noch unter diesem Namen unterwegs ist, hat sich Nesthaken Angelo mit seiner eigenen Familie mittlerweile selbstständig gemacht.
Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Fernsehen zu sehen, wie bei der Serie „Die Partridge Family“ erzählte diese zu Beginn der 1970er Jahre von einer alleinerziehenden Mutter (Shirley Jones), die mit ihren Kindern als Band auftritt. Deren Platten stürmten auch im wahren Leben die Charts, nicht zuletzt dank der Tatsache, dass das damalige Teenager-Idol David Cassidy die tragende Stimme war.
Der wohl berühmteste Bruderzwist ist momentan beigelegt: Just verkündeten Noel und Liam Gallagher, das Kriegsbeil begraben zu haben, um mit ihrer Band Oasis im nächsten Jahr wieder aufzutreten. Warten wir es ab.
Auch bei den Bee Gees war nicht immer Friede, Freude und Falsettgesang. Nach ersten Erfolgen Ende der 60er stieg Robin eine Zeit lang aus, um dann reumütig zu Barry und Maurice zurückzukehren. Der Rest ist ein Stück Popgeschichte.
Bei den Jacksons stand der kleine Michael von Anfang an im Fokus, die Solokarriere, die ab Ende der 70er Jahre ungeahnte Maße annahm, war programmiert. Hin und wieder kehrte er zurück, aber die Jacksons, wie sie sich seit Mitte der 1970er nannten, spielten keine Rolle mehr. Spätere Enthüllungen zeigten, welch üble Rolle in solchen Konstellationen oft die Väter hatten.
Als Gegenentwurf zu den Jacksons kann man die Osmonds betrachten. Von den neun Kindern des Ehepaares George und Olive Osmond, ihres Zeichens Mormonen, sangen die Jungs in unterschiedlicher Mannschaftsstärke gemeinsam. Der Zweitjüngste, Donny, mutierte zum Teenieschwarm, zeitweilig sang er sich zusammen mit Schwester Marie an die Spitze der US-Charts.
Die Band startete etwa zeitgleich wie die Jacksons zu Beginn der 60er Jahre, die Jungs aus Utah konnten aber selbst mit ihren größten Erfolgen („Crazy Horses“ etwa) nicht an die Brüder aus Indiana heranreichen. Aktuell bieten die Jonas Brothers das Modell „Boyband mit DNA-Verbindung“.
Setze ein „Sisters“ hinter den Familiennamen, und fertig ist die Band: die drei swingenden Andrews Sisters, die drei bis vier soul-röhrigen Pointer Sisters oder die Barry Sisters, ein US-Duo, das von den 50er bis 70er Jahren Popsongs auf Jiddisch sang. Nicht zu vergessen das sächsische Pendant: die Jacob Sisters, bei denen man sich fragen könnte, ob nicht sogar ihre Pudel aus demselben Wurf stammten.
Die französischen Pianistinnen Katia und Marielle Labèque wurden Anfang der 80er Jahre durch ihre Interpretation von Gershwins „Rhapsodie in Blue“ bekannt. Schon seit die Schwestern 1968 das Konservatorium in Paris absolvierten, traten sie zusammen auf.
Zu den Corrs aus Irland gehören die drei Schwestern Andrea, Caroline und Sharon. Bruder Jim ist der Hahn im Korb der Geschwisterrunde. Sie hatten ihre größten Erfolge um die Jahrtausendwende. Die gerade verstorbene Caterina Valente trat sehr oft mit ihrem Bruder Silvio Francesco auf und veröffentlichte auch eine ganze Reihe von Platten mit ihm.
Zwei Schwestern und zwei Brüder bilden, die noch junge US-Band Infinity Song, die gerade dabei ist, durchzustarten.
Ach, das mit den musizierenden Ehepaaren geht meist nicht gut aus: Esther und Abi Ofarim, Sonny und Cher, Ike und Tina Turner — bei allen dreien trennten sich die Wege mit dem Umweg über das Scheidungsgericht. In Deutschland ereilte auch Cindy und Bert ein ähnliches Schicksal, man trat aber nach einer Auszeit auch wieder gemeinsam auf – bis zum Tod von Bert im Juli 2012. Nina und Mike hingegen waren bis zu Ninas Tod im Jahr 2005 auch privat ein Paar.
Und die wohl berühmteste Pärchen-Band der Popgeschichte, ABBA, bestand zunächst aus zwei Eheleuten (Agnetha und Björn) und einem Mann und einer Frau, die in sogenannter wilder Ehe lebten (Frida und Benny). Erst ließ sich das eine Doppel scheiden, dann heirateten die anderen beiden, um sich kurz darauf auch scheiden zu lassen.
Dass es auch anders geht, zeigen Tracey Thorn und Ben Watt, besser bekannt als Everything But The Girl („Missing“). Sie ließen die Arbeit als Duo lange Jahre ruhen, was nicht zuletzt Ben Watts schwerer Autoimmunerkrankung geschuldet war. Doch die beiden blieben ein Paar, zogen die gemeinsamen Kinder groß und veröffentlichten eine Reihe von Soloplatten. Im letzten Jahr brachten sie mit „Fuse“ das erste gemeinsame Album seit 24 Jahren heraus. Und wenn man sie gemeinsam erlebt, spürt man: Hier gehören zwei Menschen zusammen.
In den 1990er Jahren machte das Trio Wilson Philipps mit seinem Harmoniegesang Furore. Kein Wunder, denn das Unisono ist Teil ihrer DNA. Carnie und Wendy Wilson sind die Töchter von „Beach Boy“ Brian Wilson, Chynna Phillips‘ Eltern sind Michelle und John Philipps, die Hälfte des Quartetts The Mamas and The Papas.
Als Lindsay Buckingham zur Band geholt wurde, brachte er seine damalige Freundin Stevie Nicks gleich mit. Schon dabei war das Ehepaar John und Christine McVie, das sich aber 1976 scheiden ließ und fortan nur noch miteinander sprach, wenn es um die Musik ging. Buckingham und Nicks stritten sich häufig, trennten sich 1977, im Anschluss war Nicks eine Zeit lang mit Mick Fleetwood zusammen. Christine McVie hatte kurzzeitig eine Affäre mit dem Lichtdesigner der Band.
All diese Liebesquerelen inspirierte die Band jedoch auch zu einigen ihrer besten Songs und zu ihrer erfolgreichsten Platte: „Rumours“ aus dem Jahr 1977.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Kölnischen Rundschau.