Nach Kritik aus der Politik  Hat der Rat die Lidl-Pläne in Wolthusen madig gemacht?

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 24.09.2024 13:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zu klein für den Discounter: Die Filiale in der Folkmar-Allena-Straße soll abgerissen werden. Foto: Schuurman
Zu klein für den Discounter: Die Filiale in der Folkmar-Allena-Straße soll abgerissen werden. Foto: Schuurman
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Die Neubaupläne von Lidl in Emden-Wolthusen ruhen. Ist die Politik schuld, weil sie die Sache kritisch sieht? Lidl reagiert auch nicht auf einen städtischen Vermittlungsversuch.

Emden - Platzen die Pläne für einen Neubau der Lidl-Filiale in Emden? Diese Frage stellen sich inzwischen nicht nur Bewohner des betroffenen Stadtteils Wolthusen, sondern offenbar auch die mit der Bauabsicht befasste Stadtverwaltung. „Wir wissen nicht, ob das Thema noch eine Priorität beim Investor hat, zumal es grundsätzlich eher ablehnende Stimmen aus der Politik gab“, antwortete Stadtsprecher Eduard Dinkela jetzt auf Anfrage dieser Zeitung. Anfang September 2024 habe die Verwaltung Lidl angeboten, ein Gespräch mit der Politik zu vermitteln. „Lidl ist noch nicht darauf eingegangen.“

Es ist tatsächlich ruhig geworden um die Neubaupläne des Investors. Nachdem 2021 bei der Erstvorstellung der Pläne eine erste wichtige Hürde im Rat der Stadt Emden für einen Neubau auf der grünen Wiese zwischen Uphuser Straße und Ems-Jade-Kanal genommen worden war, seien noch keine „konkretisierenden Unterlagen“ bei der Stadt eingegangen, sagte Stadtbaurätin Irina Krantz zuletzt im Stadtentwicklungsausschuss des Rats Ende Mai 2024. Daraus resultiert womöglich nun auch das bislang verschmähte Vermittlungsangebot.

Lidl-Mitarbeiter im Vorgarten

Einzig eine ungewöhnliche Beobachtung, die Anwohner im Mai dieses Jahres gemacht hatten, deutet auf weitere Planungen von Lidl-Immobilien hin. Mitarbeiter von Lidl, die an ihrer Kleidung zu erkennen gewesen waren, seien auf der Wiese und an oder sogar in Vorgärten herumgegangen und hätten einander Anweisungen dazu gegeben, was wo wegmüsse, hieß es. Lidl erklärte seinerzeit auf Nachfrage dieser Zeitung: „Ende Mai fand eine Ortsbegehung des Baugrundstücks lediglich für Planungszwecke des Gebäudes statt.“

Noch immer im Dornröschenschlaf: die grüne Wiese in Wolthusen, wo Lidl neu bauen wollte. Foto: Schuurman
Noch immer im Dornröschenschlaf: die grüne Wiese in Wolthusen, wo Lidl neu bauen wollte. Foto: Schuurman

Und in dieser Presseantwort bekräftigte das Unternehmen auch noch das Festhalten an der Bauabsicht. Im Lidl-Sprech klingt das so: „Lidl in Deutschland entwickelt das gesamte Filialportfolio kontinuierlich qualitativ und quantitativ weiter. Auch in Emden-Wolthusen möchte der Lebensmitteleinzelhändler den Kunden eine neue, moderne Filiale mit attraktiven Einkaufsbedingungen bieten“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der Presse. „In den kommenden Monaten werden alle baurechtlichen Schritte von uns vorbereitet. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir darüber hinaus aktuell noch keine weiteren Angaben machen möchten.“ Exakt dieselbe Antwort erhielten wir jetzt nach aktueller Nachfrage noch einmal.

Heftiger Widerstand aus der Politik

So gesehen sind die Pläne für die neue Filiale also doch noch nicht vom Tisch. Möglicherweise zeigt man sich in der Konzernleitung auch unbeeindruckt von politischen Querelen und Unstimmigkeiten in einer Stadt. Dabei hatte sich im Laufe der Zeit teils heftiger Widerstand gegen die Pläne formiert.

Grüne und CDU hatten sogleich ihre Bedenken angemeldet, sie zwischenzeitlich auch noch bestärkt. Auch die Wählergemeinschaft GfE hat sich gegen den Umzug der Filiale in dem Stadtteil auf die bis dato unberührte grüne Wiese ausgesprochen. Tenor der Kritik: neue Flächenversiegelung, kein ausreichender Schutz der Wiesenweidenfläche und der in der Nähe beheimateten Wasserschildkröten und Eisvögel. Unisono sehen die ablehnenden Parteien außerdem keine Mehrheit in der Bevölkerung für die Lidl-Pläne und sorgen deshalb für Gegenwind.

Liberale und Stadt warnten vor Rückzug

Nur die Liberalen im Rat der Stadt Emden warnten vor diesem Widerstand. Sie hatten sogar geunkt, dass mit dem politischen Gegenwind nicht nur die Neubaupläne von Lidl in Emden platzen könnten, sondern sich der Discounter womöglich ganz aus dem Stadtteil Wolthusen zurückziehen könnte. Dann, so hatte es FDP-Ratsherr Alexander von Glisczynski beschrieben, sei weder den Menschen im Stadtteil, die mit den Dingen des Alltags versorgt werden müssen, noch dem Ansehen der Stadt Emden bei potenziellen Investoren gedient.

Der mögliche Rückzug war im Übrigen eine drohende Konsequenz, die auch die Stadtverwaltung bei der Erstvorstellung der Lidl-Pläne im Dezember 2021 formuliert hatte. Lidl selbst sehe keine Erweiterungsoption auf dem bestehenden Gelände an der Folkmar-Allena-Straße, hieß es. Lidl-Immobilien hatte deshalb das 2,7 Hektar große Gelände an der Uphuser Straße bereits erworben. Schließlich gab es grünes Licht für weitere Planungsschritte. Geschehen ist bisher nichts.

Der alte Lidl-Markt soll nach den einstigen Plänen zugunsten von Wohnbebauung abgerissen werden. Auf dem neuen Areal sollen neben einer moderneren und größeren Lidl-Filiale auch Wohnhäuser entstehen. Dem Naturschutz soll Rechnung getragen werden, indem ein Grünstreifen für das Biotop entlang des Ems-Jade-Kanals unberührt bleibt. Die entsprechenden Umweltverträglichkeitsstudien und weitere Verfahrensschritte stehen offenbar noch aus. Lidl hat drei weitere Standorte in Emden: Harsweg, Constantia und Borssum.

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