Essengehen in Aurich Auricher Wirte nutzen Instagram und Co. nur zögerlich
Die sozialen Medien können ein gutes Marketinginstrument sein. Das behauptet Restaurantfachmann Christian Rach. Doch wie sieht die Situation auf dem Land aus?
Aurich - Der Fernsehkoch Christian Rach hat acht Jahre lang in der RTL-Sendung „Rach, der Restaurant-Tester“ wirtschaftlich schwächelnden Restaurants Tipps gegeben, wie sie ihr Konzept umstellen und erfolgreicher werden können. Vor wenigen Wochen hat sich der 67-Jährige in dem Genuss-Podcast „Einmal alles“ zu der Frage geäußert, wie ein Wirt sich gut am Markt platzieren kann. Die Antwort war radikal: „Ich würde Gastronomen sagen, du brauchst nicht nur ein, zwei Köche, du brauchst auch einen Social-Media-Beauftragten. Das ist heute das A und O. Und das darf nicht nur einmal im Monat bedient werden, sondern jeden Tag.“ Man müsse den sozialen Medien genau so einen Stellenwert beimessen wie den Produkten selbst. Die könne man dabei offensiv anpreisen. So nach dem Motto: He, schaut mal, ich habe heute ein geiles Fischbrötchen am Start oder aber tolle Tomaten, die direkt aus Sizilien kommen. Seine Warnung: Jemand, der die sozialen Medien missachte, erreiche kein Publikum mehr.
Die Redaktion wollte wissen, wie Auricher Gastronomen Instagram und Co. nutzen. Wir haben die jeweiligen Accounts gecheckt, aber auch in den Betrieben nachgefragt. Das Ergebnis: Kein einziges der rund 15 Lokale in der Innenstadt bestückt die Social-Media-Kanäle täglich. Die Regel ist, dass die Wirte zwischen den einzelnen Postings im Schnitt mehrere Wochen lang Pause machen, bevor sie wieder auf diese Weise an die Öffentlichkeit gehen. Insta und Co. werden nur dann mit Reels versorgt, wenn es wichtige Bekanntmachungen gibt, für die man vor Jahrzehnten vielleicht eine Anzeige in der Zeitung geschaltet hätte, etwa dann wenn man die Öffnungszeiten dauerhaft ändert und neue Schließtage einführt. Richtig offensiv als Marketing-Instrument setzt kein Restaurant nach den Recherchen der Redaktion die sozialen Medien ein. Noch krasser: Es gibt sogar einige Restaurants, die gar keinen Account haben. Die Redaktion hat eine Auslese der prägnantesten Recherche-Ergebnisse zusammengestellt, verbunden mit einer Art Hitliste derjenigen, die sehr social-media-affin sind.
Es sollen mehr Reels werden
Einen der führenden Plätze nimmt das „The Don a Roma“ an der Emder Straße ein. Das vor sechs Jahren eröffnete Lokal postet sowohl gut fotografiere Gerichte, aber auch Informationen zu Konzerten, Verlosungen oder besonderen Events. Die Videos legen ein Augenmerk darauf, dass der Gast bei einem Besuch eine kleine Show erwarten kann. Derzeit hat das Lokal 3534 Follower, 181 Beiträge wurden gepostet. Inhaber Beyhani Gür sagte auf Anfrage der Redaktion, dass er den sozialen Medien marketingtechnisch für sein Restaurant eine große Bedeutung beimesse: „Deshalb habe ich eigens einen Mitarbeiter ausgewählt, der sich nur um diese Aufgabe kümmert.“ Sein Ziel sei es, die Zahl der Reels und Postings künftig noch zu erhöhen. Das einzig Nachteilige bei dem Instagram-Account: Er ist gekoppelt mit dem des „The Don a Roma“ in Blankenese. Man muss Obacht geben, das man die beiden Restaurants nicht verwechselt.
Mareike Zägel legt ebenfalls viel Sorgfalt in die Bestückung der Accounts für ihr Restaurant Tom Brook im Hotel Stadt Aurich: „Ich setze mich mit meiner Mitarbeiterin zusammen und wir planen im Vorfeld, was wann gepostet wird. Entsprechend bereitet sie das dann vor.“ Instagram und Co. seien für sie ein Werbeinstrument, um neue Gäste zu erreichen. Dabei müsse man beachten, dass die Zielgruppen bei Facebook und Instagram unterschiedlich seien. Zum anderen nutze sie die sozialen Medien, um den Kontakt zu den Stammgästen zu erhalten. Das Restaurant firmiert unter dem Account des Hotels Hotelstadtaurich. Dieser hat 701 Follower, gepostet wurden 338 Beiträge. Zu sehen sind vornehmlich Speisen, es gibt Hinweise auf Burger- und Grillabende. Ein Fokus wird auf saisonale Gerichte wie etwa auf Maischolle oder Spargel gelegt. Die Entwicklung? Es kämen immer wieder mal Follower dazu. „Wir arbeiten damit organisch und verzichten auf bezahlte Reichweite oder Werbung“, sagt Mareike Zägel. Wenn man das machen würde, sei der Algorithmus so konfiguriert, dass die Postings auch Nicht-Followern angezeigt werden.
Wirt sieht Bewertungen kritisch
Ähnlich gut geführt wie der Account von Tom Brook ist der des Restaurants Stadtperle an der Kirchdorfer Straße. Die Zahl der Follower ist auf Instagram mit 2109 recht hoch. 312 Beiträge wurden bisher gepostet. Im Mittelpunkt stehen neue Speisen, etwa „Der Pate“, ein Burger mit Trüffel-Mayo, Beef Patty und Scarmorzo-Käse. Es gibt aber auch etliche Gaststätten in Aurich, die ganz auf Online-Präsenz bei sozialen Medien verzichten oder diese doch sehr gering halten. Das indische Restaurant Taj an der Großen Mühlenwallstraße etwa spart diesen Bereich für sich ebenso aus wie das Restaurant Romantico in der Fockenbollwerkstraße. Doch dort soll sich unter Umständen in Zukunft etwas ändern: „Mein Chef Ali Mosalanezhad überlegt noch, ob er in dieser Richtung aktiv wird“, sagt Iryna Marmusevych. Sie selbst würde das für sehr wichtig erachten. Und: „Wenn es eine Entscheidung für einen Account gibt, würden die Angestellten den anlegen.“
Sehr viel verhaltener im Umgang mit sozialen Medien ist Charalampot Kapnotzis. Der Inhaber des griechischen Restaurants Akropolis an der Fockenbollwerkstraße sagt, dass er für solche Postings nicht der Typ sei. In seiner 2001 eröffneten Gaststätte habe er mittlerweile so viele Stammgäste, dass er nicht auf exponierte Werbung angewiesen sei. Im Übrigen müsse man die Online-Bewertungen generell kritisch sehen. „Ich habe allerdings vorwiegend gute Bewertungen auf Google“, sagt er. In der Tat werden dort sowohl Speisen als auch Ambiente und Service sehr gelobt.