Kölln-Reisiek „Nur noch meine Narbe erinnert mich“: So gut geht es Marianne Freitag (62) mit ihrer neuen Hüfte
Ihren Traumjob OP-Krankenschwester konnte sie nicht mehr ausführen. Ihr Hobby Wandern war nicht mehr möglich. Jeder Schritt bedeutete Schmerzen. Seit zwei Jahren hat Marianne Freitag aber eine neue Hüfte und kann ihr Leben wieder leben. Unserer Redaktion hat sie ihre Geschichte erzählt.
Marianne Freitag ist fit unterwegs: Die 62-Jährige aus Kölln-Reisiek fährt gerne Fahrrad, geht Wandern und hat bis vor Kurzem als Krankenschwester bei OPs assistiert. Stundenlang. Dass das ohne Schmerzen geht, ist für Marianne Freitag nicht selbstverständlich. Sie hat eine Hüft-Krankheit, wusste jahrelang nichts davon und hatte immer wieder Schmerzen. Seit zwei Jahren hat sie eine neue Hüfte und fühlt sich seitdem „wie neu geboren“.
Marianne Freitags Krankheit ist angeboren. Schon in ihrer Kindheit und Jugend hatte sie beim Leichtathletik-Leistungssport die Auswirkungen gespürt. Ohne zu wissen, woher die Probleme kamen. Sie konnte nie Langstrecken laufen und hatte sich gefragt „warum kann ich das eigentlich nicht?“. Ihre Hüftdysplasie ist die Antwort. Das ist eine angeborene Fehlform der Hüftpfanne, wodurch die Hüfte nicht normal belastet wird. So erklärt es Dr. Nils Künne. Er ist Facharzt für Chirurgie der Regio Kliniken und Spezialist für diese Erkrankung.
Künne ist einer der beiden Ärzte, die Marianne Freitag operiert haben. Sie kannten sich schon vorher: Denn Marianne Freitag arbeitete als OP-Schwester beim selben Arbeitgeber. Als feststand, dass sie eine neue Hüfte braucht, hatte sie mit ihrem Chef, Professor Dr. Justus Gille, besprochen, wo das wohl am besten möglich sei. Marianne Freitag entschied sich für die OP „im eigenen Haus“ mit Gille als einen der beiden behandelnden Ärzte. Die richtige Entscheidung, wie sie betont:
Die weiteren Details ihrer OP hat sie dann mitgeplant. Durch Ihre 42-jährige Tätigkeit als OP-Schwester – inzwischen arbeitet sie in Altersteilzeit – ist sie immerhin selbst vom Fach. Daher auch der Schock, als sie nach ersten Tests das Röntgenbild ihrer eigenen Hüfte sah und ihre Frage: „Ist das wirklich von mir?“. Ihre Hüfte war stark abgenutzt, fast kein Knorpel mehr zu sehen. Künne erklärt, dass das die üblichen Folgen einer Hüftdysplasie sind. Der Knochen reibt sich auf, die Hüfte verschleißt und verformt sich, starke Schmerzen sind die Folge, sagt der Facharzt.
Bei Marianne Freitag äußerte sich die Hüftdysplasie nicht nur in Hüftschmerzen, sondern auch in starken Knieschmerzen. Für diese hatte sie sich mit 56 Jahren überhaupt erst untersuchen lassen. Dafür war eine Hüftübersicht inklusive Röntgenbild veranlasst worden. „Der Schmerz bei Verschleiß der Hüfte strahlt häufig in den Oberschenkel und bis zum Kniegelenk aus“, sagt Facharzt Künne. Wenn bei Knieproblemen im Bereich des Knies also nichts Auffälliges gefunden wird, sollten auch Hüftprobleme als Ursache mit in Betracht gezogen werden.
Erst vier Jahre nach der Diagnose, mit 60 Jahren, hat Marianne Freitag dann ihre neue Hüfte bekommen. In Absprache mit dem Arzt hatte sie mit Krankengymnastik zunächst etwas Abhilfe schaffen können. Die Schmerzen waren eine Weile auszuhalten. Sie wurden aber stärker, langes Stehen bei der Arbeit im OP schmerzhaft. Teilweise konnte sie nur im Sitzen arbeiten. „Und dann konnte ich überhaupt gar nichts mehr“, blickt Marianne Freitag zurück. Ihren Traumjob OP-Schwester, der ihr „alles bedeutet“, konnte sie nicht mehr ausführen:
Und jetzt?
Dafür hat Marianne Freitag selber viel getan: Drei Wochen intensive Reha, erstmal wieder laufen lernen, auch danach tägliche Übungen: „Ich bin Zuhause viel gelaufen. Erstmal mit meinem Mann so ganz kleine Strecken – und es war super. Ich habe mich zurückgekämpft“. Sie macht weiterhin regelmäßig Sport. Manchmal mit ihrem Mann zusammen, oft im Fitnessstudio ihres Sohnes in Kölln-Reisiek. Mann Thomas Freitag und Sohn Dominik Freitag sind froh, dass es Marianne Freitag wieder gut geht. Sie haben sie auf ihrem Weg zur Genesung begleitet, Thomas Freitag betont aber:
Der 60-Jährige freut sich, dass er mit seiner Frau nun ganz ungehindert aktiv sein kann und sie zum Beispiel beim gemeinsamen Wandern keine Rücksicht mehr auf Einschränkungen wegen ihrer Schmerzen hinnehmen müssen. Darüber ist Marianne Freitag selber auch sehr glücklich:
Das liegt nicht nur daran, dass Marianne Freitag selber so viel für ihre Genesung getan hat: Die OP und die Zeit danach verliefen ohne Komplikationen. Ihre Sorgen vor einer Entzündung oder Infektion blieben unbegründet. Nach nur drei Monaten mit der neuen Hüfte das erste Highlight für sie: Ein lange geplanter Urlaub in Namibia. „Ich war zu der Zeit wieder komplett hergestellt“.
Schmerzen bei Belastung, wie sie Marianne Freitag auch aus „guten“ Zeiten vor der neuen Hüfte kannte, hatte sie nicht mehr. „Ich wusste vorher ja nicht genau, ob ich den Urlaub so machen kann. Das war für mich ein Ansporn, dass ich für die Zeit fit sein will.“ Insgesamt gehe es ihr nicht so, wie vor den starken Schmerzen in der letzten Zeit vor der neuen Hüfte, sondern „noch besser“. Ihr Fazit: