Osnabrück  Eine Giraffe auf dem Pausenhof! Osnabrücker Grundschüler gehen auf digitale Safari

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 20.09.2024 12:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Im Rahmen der Digitalen Woche können Osnabrücker Grundschulkinder auf eine sogenannte Schulhofsafari gehen. Sie sollen lernen, die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt besser zu verstehen. Foto: Swaantje Hehmann
Im Rahmen der Digitalen Woche können Osnabrücker Grundschulkinder auf eine sogenannte Schulhofsafari gehen. Sie sollen lernen, die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt besser zu verstehen. Foto: Swaantje Hehmann
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Im Rahmen der Digitalen Woche in Osnabrück erleben Schüler der Grundschule Hellern eine außergewöhnliche Unterrichtsstunde: Während einer „Schulhofsafari“ lernen sie den bewussten Umgang mit digitalen Medien.

Es ist 10 Uhr morgens, als der Gong durch die Gänge der Grundschule Hellern schallt und das Ende der Pause markiert. Eine Klasse darf dennoch draußen bleiben: Die 4b geht jetzt auf „Schulhofsafari“. Das Angebot der Stadt im Rahmen der Digitalen Woche richtet sich speziell an Kitas und Grundschulen und ist für diese kostenlos.

Geleitet wird die ungewöhnliche Schulstunde von Lena Otte von Time-2-Explore. Die Münsteraner Firma hat sich auf digitale Bildungsangebote für Kinder spezialisiert. Doch müssen schon Grundschulkinder mit digitalen Inhalten und Smartphones umgehen können? „Mit dem Handy lässt man Kinder auf etwas los, das sie kognitiv noch nicht einschätzen können“, erklärt Otte. Gerade deswegen sei es wichtig, sie frühzeitig zu begleiten. „Die Kinder müssen lernen, dass ein Handy zwar cool ist, aber dass man es auch wieder weglegen können muss.“

Um das Verständnis für die echte Realität und die digitale Welt zu fördern, bringt Otte beispielsweise zu jedem Termin ein Smartphone mit, das nicht geladen ist – schon kann man damit nichts mehr anfangen, es ist ein lebloser Gegenstand. „Zu Kita-Kindern sage ich, sie sollen mal ins Papier reinzoomen. Das klappt nicht“, berichtet sie und schmunzelt.

Nun steht Otte mit etlichen, über die Schulter gehängten Smartphones vor der aufgeregten Kinderschar und führt die Schüler an die gleich folgende Aufgabe heran. „Wir gehen heute auf eine digitale Safari – oder eine virtuelle? Wer kennt den Unterschied? “, fragt sie in die Runde.

„Ich würde sagen, virtuell ist halt im echten Leben. Das andere ist halt in Spielen“, setzt ein Mädchen an. „Fast! Jetzt drehen wir die Begriffe einmal um. Digital ist im echten Leben, virtuell ist nicht im echten Leben“, erklärt Otte und nimmt das Thema Whatsapp als Beispiel: „Wenn wir zwei auf dem Handy eine Nachricht schreiben, dann gibt es dich und dann gibt es mich. Und wir benutzen ein digitales Hilfsmittel.“ Die bei den Kindern beliebten Handyspiele seien dagegen virtuell.

Geschickt leitet Otte zur Schulhofsafari über, während die Schüler immer wieder auf all die klappernden Smartphones schielen. „Wenn wir nun hier auf dem Schulhof eine Giraffe sehen wollen, wie machen wir das? Wir können ja nicht in den Zoo fahren und eine klauen!“ Die Kinder lachen, dann endlich geht es los: Otte verteilt die Handys an Dreiergruppen und zeigt ihnen, wie sie mithilfe einer App virtuelle Tiere auf dem Schulhof erscheinen lassen können.

Das sieht so aus: Die App greift auf die Smartphone-Kamera zu und projiziert das ausgewählte Tier in das Kamerabild. Bevor es richtig losgeht, folgt jedoch noch eine weitere kurze Lehreinheit: „Was macht ihr bevor ihr ein Foto von jemandem macht?“, fragt Otte. Nach ein paar Momenten der Ratlosigkeit begreifen die Schüler: Sie müssen erst fragen, ob ein Foto für den anderen auch in Ordnung ist.

Endlich können die Kinder ausschwärmen. Von allen Seiten sind verzückte und aufgeregte Rufe zu hören: „Nikolas, da steht ein Panda neben dir!“ schreit ein Junge mit Smartphone in der Hand. Ein paar Meter weiter stehen drei Mädchen und schauen gebannt zu, wie eine Giraffe mitten aus dem Schulgebäude zu laufen scheint.

Mit Buttons auf dem Bildschirm können die Kinder die Tiere steuern, füttern, streicheln, putzen – und umbringen, wie ein paar Mädchen feststellen, als das virtuelle Pferd auf Knopfdruck einfach umfällt. „Irgendjemand findet diesen Button immer“, sagt Otte und schmunzelt, während sich die Neuigkeit über den Schulhof ausbreitet.

Eine halbe Stunde lang treiben die Kinder Horden von virtuellen Tieren über den Schulhof, fotografieren sich beim Streicheln und Turnen mit Pixel-Pumas und Byte-Tigern. Für die Schule sind Veranstaltungen wie diese ein echter Gewinn, wie Schulleiterin Cora Stöhr findet. „Es ist toll, dass einfach auch mal Raum für diese Themen ist, die haben wir im normalen Alltag nicht.“

Zwar gehört das Thema Medienbildung auch schon auf den Grundschullehrplan, doch wie man es im Unterricht unterbringt, müssen die Schulen und Lehrkräfte selbst entscheiden und organisieren. „Viele Eltern bitten uns, noch mehr in Sachen digitale Bildung zu machen“, erzählt Stöhr, doch es sei „sehr schwierig, im normalen Alltag alles mit unterzubringen und zu leisten.“

Schon im letzten Jahr gab es im Rahmen der Digitalen Woche Angebote für Kinder und Familien. „In diesem Jahr ist unser Ansatz, in die Einrichtungen zu gehen und wirklich alle Kinder zu erreichen“, erklärt Magdalena Knappik vom Smart City-Team der Stadt. Deswegen laufen die Angebote auch schon vor und nach der eigentlichen Veranstaltungswoche, die vom 23. bis zum 27. September stattfindet. Mehr als 500 Schul- und Kita-Kinder können so an der Digitalen Woche teilnehmen.

Darüber hinaus gibt es auch in diesem Jahr wieder einige kostenlose Workshops und Termine für Kinder, Jugendliche und Eltern, beispielsweise am Museum für Industriekultur oder an der Hochschule. Das Programm zu Digitalen Woche finden Sie hier.

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