Osnabrück  Osnabrücks dritte IGS: Freie Montessori-Gesamtschule startet mit 15 Kindern

Cornelia Achenbach
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Von Cornelia Achenbach
| 23.09.2024 13:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Seit vier Jahren gibt es im Landwehrviertel die Freie Montessori-Schule Osnabrück. Nach dem Start der Grundschule hat nun auch die Gesamtschule geöffnet. Foto: Freie Montessori-Schule Osnabrück
Seit vier Jahren gibt es im Landwehrviertel die Freie Montessori-Schule Osnabrück. Nach dem Start der Grundschule hat nun auch die Gesamtschule geöffnet. Foto: Freie Montessori-Schule Osnabrück
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Osnabrück hat eine neue weiterführende Schule: Nach drei Jahren Konzeptplanung und einem Jahr Bauzeit werden an der Freien Montessori-Gesamtschule erstmals Schüler unterrichtet.

Seit Jahren diskutiert die Osnabrücker Politik darüber, ob die Stadt neben der IGS in Eversburg und der Gesamtschule Schinkel nicht noch eine dritte Gesamtschule braucht. Dabei ist im August im Landwehrviertel bereits eine dritte Gesamtschule an den Start gegangen – allerdings keine städtische. Und auch die Schülerzahl ist überschaubar.

Gerade einmal 15 Kinder zählt der erste Jahrgang der Freien Montessori-Gesamtschule – und mehr sollen pro Jahr auch gar nicht aufgenommen werden. „90 Kinder sollen es am Ende maximal sein“, sagt Thomas Kortmann, kommissarischer Schulleiter der Integrierten Gesamtschule. Schulleiterin Anne Leisering befindet sich derzeit in Elternzeit.

Und wenn wir schon über Schule berichten: Wenn eine Schule von 90 Kindern besucht wird und jeder Jahrgang aus 15 Kindern besteht, wie viele Jahrgänge sind es dann? Wir überspringen den Rechenweg und präsentieren direkt die Lösung: Sechs Jahrgänge, nämlich die Klassen fünf bis zehn, sollen hier allmählich aufgebaut werden.

Das ist der bisherige Plan, doch im Montessori-Bildungshaus denkt man schon ein Stück weiter: Vielleicht wird es eines Tages möglich sein, hier auch sein Abitur zu machen, meint Gabriele Sonsmann.

Sie ist erst seit wenigen Wochen zum Montessori-Bildungshaus dazugestoßen und übernimmt hier den Posten der Verwaltungsleiterin. Denn was einmal als Idee von Eltern auf dem Osnabrücker Katharinenspielplatz begann, ist mittlerweile ziemlich groß geworden und professionalisiert sich zunehmend. Fünf Jahre lang hatte der Verein „Lebendig Lernen e.V.“ an einem Konzept gefeilt, ehe 2020 die Freie Montessori-Grundschule im ehemaligen Offizierskasino im Landwehrviertel an den Start ging.

Da sich eine Schule in freier Trägerschaft erst behaupten muss, gab es für die Grundschule erst nach drei Jahren Fördermittel vom Land Niedersachsen, und auch die Gesamtschule muss sich erst ein Jahr lang bewähren – weil sie an eine bereits bestehende Bildungseinrichtung angedockt ist, verkürzt sich hier die Wartezeit auf finanzielle Unterstützung.

Um über die Runden zu kommen, müssen Eltern für den Schulbesuch ihrer Kinder bezahlen. Doch eines wolle man auf gar keinen Fall sein, betonen Gabriele Sonsmann und Thomas Kortmann: eine Eliteschule. „Wir wünschen uns eine heterogene Schulgemeinschaft“, sagt Gabriele Sonsmann.

Daher werde vor jedem Schuljahr ein Haushaltsplan aufgestellt und der Schulgemeinschaft dargelegt. Über ein Bieterverfahren können alle Eltern ein Gebot abgeben, um einen ausgeglichenen Schulhaushalt sicherzustellen. „Im Durchschnitt liegt das Schulgeld bei etwa 245 Euro pro Monat und Kind“, sagt die Verwaltungsleiterin.

Dieses Geld deckt aber nur Kosten für den Schulalltag ab; für die neben dem ehemaligen Offizierskasino gelegene Offiziersunterkunft, in der die Gesamtschule untergebracht ist, mussten 2,1 Millionen Euro berappt werden. Geld von der Stadt oder dem Land gibt es hierfür nicht. „Den größten Teil der Baukosten haben wir über einen Kredit der GLS Treuhand finanziert“, sagt Gabriele Sonsmann. Über Spenden oder Sponsoren würde man sich entsprechend sehr freuen.

Dass es überhaupt geklappt hat, pünktlich zum neuen Schuljahr an den Start zu gehen, war eine knappe Kiste. Grünes Licht seitens des Regionalen Landesamts für Schule und Bildung erfolgte erst am letzten Ferientag, und auch die Bauabnahme für das Erdgeschoss erfolgte erst drei Tage vor Unterrichtsbeginn. Tatsächlich sind in großen Teilen des Gebäudes noch Handwerker unterwegs, auch der Schulhof ist noch in der Planung. Doch derzeit fahren noch Bagger durchs gesamte Landwehrviertel, viel ist hier noch im Entstehen, und rund um den zukünftigen Pausenhof steht derzeit noch ein Bauzaun. Der erste Jahrgang konnte allerdings bereits einen Lernraum im Erdgeschoss der Gesamtschule beziehen.

Lernräume statt Klassenzimmer, Lernbegleiter statt Lehrer, ein Denken in Jahrgängen statt in Klassen und ein jahrgangsübergreifendes Unterrichten – eine Montessori-Schule unterscheidet sich nicht nur verbal, sondern pädagogisch in vielen Punkten von einer Regelschule. Thomas Kortmann kennt beide Seiten. „Ich habe früher im Kreis Gütersloh an einer klassischen Regelschule gearbeitet“, sagt der 40-Jährige. Vor zwei Jahren sei sie zum Montessori-Bildungshaus gestoßen und habe hier zunächst an der Grundschule unterrichtet. „Die Kluft zwischen den eigenen pädagogischen Vorstellungen und der Realität wurden mit der Zeit immer größer“, antwortet er auf die Frage, warum er sich für das Montessori-Bildungshaus entschieden habe.

Sehr verknappt zusammengefasst steckt hinter den Montessori-Schulen die Idee, dass Kinder die Quelle der eigenen Entwicklung sind: Sie bestimmen ihr Lerntempo und ihre Lerninhalte. Das heißt aber nicht, dass hier jeder machen kann, was er will: Auch Montessori-Schulen müssen sich an die vom Land Niedersachsen vorgegebenen Lehrpläne halten. Nur wann sich die Kinder mit welchem Unterrichtsstoff beschäftigen, das können sie zum großen Teil selbst festlegen.

Von den 15 neuen Gesamtschülern sind 12 „Eigengewächse“ aus der Montessori-Grundschule. Drei sind von anderen Osnabrücker Grundschulen dazugestoßen. Generell sei das Einzugsgebiet groß, sagt Gabriele Sonsmann. Einige Schüler kämen aus dem Landkreis Osnabrück oder Ostwestfalen-Lippe: „Manche Eltern und Kinder nehmen Anfahrtszeiten von rund 45 Minuten in Kauf, um hier die Schule zu besuchen.“ Unterrichtet wird von 8.15 Uhr bis 13.15 Uhr. Es schließt sich ein offener Ganztag mit Mittagessen an; die Betreuungszeit endet um 16 Uhr.

Während für dieses Jahr die Kapazitäten von Grundschule und IGS schnell erschöpft waren, gebe es für das kommende Schuljahr noch freie Plätze, sagt Gabriele Sonsmann. Am Samstag, 28. September, gibt es von 14 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür, der sich insbesondere an Eltern richtet, deren Kinder im nächsten Jahr eingeschult werden. Einen Tag der offenen Tür speziell für die Gesamtschule soll es Anfang 2025 geben.

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