Osnabrück  Gibt es ab 2030 in Osnabrücker Kitas nur noch vegetarische Kost?

Cornelia Achenbach
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Von Cornelia Achenbach
| 18.09.2024 14:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gibt es in Osnabrücker Kitas oder Schulen in wenigen Jahren nur noch oder überwiegend fleischlose Kost? Darüber wurde in den vergangenen Tagen in zwei Ausschüssen diskutiert. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Gibt es in Osnabrücker Kitas oder Schulen in wenigen Jahren nur noch oder überwiegend fleischlose Kost? Darüber wurde in den vergangenen Tagen in zwei Ausschüssen diskutiert. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
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In der jüngsten Sitzung des Osnabrücker Schulausschusses brachte die CDU-Politikerin Brigitte Neumann ein kontroverses Thema aufs Tapet: Sollen alle städtischen Kitas ab 2030 rein vegetarisch verpflegt werden?

Es stand nicht auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Osnabrücker Schulausschusses, Brigitte Neumann von der CDU machte es dennoch zum Thema: die Umstellung aller Osnabrücker Kitas auf eine rein vegetarische Kost bis 2030. Und: Alle kommunalen Einrichtungen, darunter Schulen, sollten zu 70 Prozent fleischlos versorgt werden. So sieht es ein Punkt aus dem rund 285 Seiten starken „Endbericht Vorreiterkonzept Klimaschutz Stadt Osnabrück“ vor, der im Stadtentwicklungsausschuss behandelt wurde.

In dem Konzept steht allerdings nicht das Kita- und Schulessen im Fokus. Aufgeführt sind vielmehr Punkte wie eine klimafreundliche Straßenbeleuchtung oder Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Gebäuden.

Dennoch fühlte sich Brigitte Neumann, die seit Jahren Mitglied des Arbeitskreises Mittagsverpflegung ist, überrumpelt von dem Konzept, das rund 120 Maßnahmen aufführt; darunter eben auch das Thema Mittagessen: „Ich finde, dass wir da schon genau hinsehen sollte“, sagt die CDU-Politikerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Dass immer mehr vegetarisches und veganes Essen angeboten werde, dagegen sei sie gar nicht, räumt Neumann ein. „Ich bin nur der Meinung, dass wir auch die Eltern ernst nehmen und sie fragen müssen, welche Ernährung eigentlich sie für ihre Kinder wollen“, sagt sie.

Allerdings habe sie in der Vergangenheit viel über das Thema Ernährung in Fachzeitschriften gelesen, und immer wieder hätten Experten davon abgeraten, insbesondere kleine Kinder vegan zu ernähren. Oft seien dann Zusatzpräparate nötig, damit es nicht zu einem Nährstoffmangel käme, meint Neumann. Allerdings: Ein rein veganes Essensangebot an den Kitas sieht das Konzept gar nicht vor.

„Die üblichen Vorurteile“, seufzt Professorin Melanie Speck, als sie von der Diskussion hört. Melanie Speck hat eine Professur für Sozioökonomie in Haushalt und Betrieb an der Hochschule Osnabrück inne, ihr Forschungsbereich ist das sogenannte Versorgungsmanagement, worunter auch Großküchen und Mensen fallen. Zudem war sie Mitglied des ersten Bürgerrats des Deutschen Bundestags, der sich mit dem Thema „Ernährung im Wandel“ beschäftigte.

Würden wir hier über eine Rund-um-Verpflegung sprechen, müssten wir etwas tiefer einsteigen, meint die Professorin. Aber darum geht es ja nicht: „Wir sprechen hier über eine Mittagsverpflegung an fünf Tagen in der Woche.“ Sprich: Das Wurstbrot zum Frühstück und das Schnitzel am Sonntag stehen hier gar nicht zur Debatte.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) habe ihre Empfehlungen immer mehr in Richtung fleischlose Ernährung für Kindergarten- und Schulkinder verschoben. „Mittlerweile empfiehlt die DGE einmal pro Woche Fleisch und einmal pro Woche Fisch“, sagt Melanie Speck. Doch auch eine rein vegetarische Kost würde die DGE mittlerweile nicht mehr generell ausschließen. Wobei ein Verzicht auf Fisch und Fleisch noch lange keine gesunde Ernährung bedeute: „Typische Kindergerichte sind dann Pfannkuchen oder Kaiserschmarrn. Dabei wäre es wichtig, dass auch mal Linsen, also Hülsenfrüchte, auf die Teller kommen“, meint die Ökotrophologin.

Auch die Osnabrücker Stadtverwaltung orientiert sich an den Leitlinien der DGE, die unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse regelmäßig fortgeschrieben werden. „Die Entwicklung geht hier in den vergangenen Jahren vermehrt in Richtung vegetarische Ernährung“, sagt Stadtsprecher Constantin Binder.

Der Maßnahmenkatalog des Vorreiterkonzepts Klimaschutz sei letztlich dynamisch und werde immer wieder inhaltlich angepasst. Da in dem Katalog Maßnahmen aufgeführt würden, die bis 2040 umgesetzt werden sollen, könne sich bis dahin prinzipiell noch „eine Vereinbarkeit mit der DGE-Richtlinie“ ergeben. Sollte es anders kommen, würde die Maßnahme in der Beschlussfassung angepasst und umgeschrieben werden.

Generell gilt, dass die Maßnahmen im „Vorreiterkonzept Klimaschutz“ lediglich gutachterliche Empfehlungen seien. „Dementsprechend ist nicht jede Maßnahme zum jetzigen Zeitpunkt für die Stadt Osnabrück direkt umsetzbar oder auch eins zu eins so gewollt“, so Binder.

Sicher ist, dass über das sensible Thema Kita- und Schulessen noch diskutiert werden wird. Städte wie Freiburg haben den Schritt zu einer vegetarischen Ernährung bereits vollzogen. Dass in Osnabrück überhaupt über das Thema diskutiert wird, findet Melanie Speck spannend und gut: „Damit ist Osnabrück schon einen großen Schritt weiter als viele andere Städte.“

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