Energieversorgung in Emden  Stadtwerke wollen Kunden mit günstigem Tarif zurückholen

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 18.09.2024 12:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auch die Stadtwerke Emden hatten zuletzt mit stark steigenden Strompreisen zu kämpfen. Symbolfoto: Pleul/dpa
Auch die Stadtwerke Emden hatten zuletzt mit stark steigenden Strompreisen zu kämpfen. Symbolfoto: Pleul/dpa
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Rückholaktion in Emden: Die Stadtwerke bieten abtrünnigen Kunden einen günstigen Tarif an. Auch Bestandskunden sollen profitieren.

Emden - Die Austrittswelle Ende 2023 war schon erheblich. Im immerhin vierstelligen Bereich (wenn auch niedrig) schätzt der Leiter für Marketing und Vertrieb der Stadtwerke Emden (SWE), Philipp Schild, die Zahl der Kundinnen und Kunden, die aufgrund der seinerzeit vergleichsweise hohen Energiepreise den städtischen Versorger verlassen haben. Für sie haben die Stadtwerke jetzt eine Rückholaktion mit reduzierten Tarifen, geltend ab dem nächsten Jahr, gestartet. Auch Bestandskunden sollen profitieren, denn die Preise werden eh gesenkt.

Lockt abtrünnige Kunden zurück: der Stadtwerke-Leiter für Marketing und Vertrieb, Philipp Schild. Foto: SWE
Lockt abtrünnige Kunden zurück: der Stadtwerke-Leiter für Marketing und Vertrieb, Philipp Schild. Foto: SWE

Seit etwa einer Woche sind die Angebotsschreiben mit dem neuen Emder Tarif an die Abtrünnigen raus. Bewusst habe man frühzeitig vor dem Jahreswechsel mit dieser Aktion begonnen, um das Zeitfenster für den Rückwechsel zu nutzen, heißt es. Den Pik der Austritte gab es im November 2023 nach der Preiserhöhung zu den aktuellen Tarifen. Wer gewechselt ist, hat sich gewöhnlich für mindestens ein Jahr an seinen neuen Anbieter gebunden, ab dann kann monatlich gekündigt werden.

Preise sinken generell

Erste Rückmeldungen haben die Stadtwerke Emden auch schon registriert, wie Schild sagte. „Wir erleben erste Abschlüsse, online und auch im Kundencenter.“ Rund zehn Cent günstiger fällt der Preis im Schnitt zu den aktuellen Stromtarifen der Stadtwerke aus. Auch beim Gas ist der Preis deutlich gesenkt. „Das Angebot bildet unsere Möglichkeiten durch den Beschaffungspreis ab“, sagte Schild. „Dank der positiven Marktentwicklung konnten wir wieder besser einkaufen.“ Man fühle sich außerdem verpflichtet, die ehemaligen Kunden über die neuen Konditionen zu informieren. Mancher Kunde habe schließlich mit Bedauern gekündigt und dem Verweis, wenn es wieder günstiger werde in Emden, zurückzukehren.

Das Angebot für die Rückkehrer werfe im Übrigen „seine Schatten für die allgemeine Preissenkung voraus“, so Schild. Wie angekündigt sollen im kommenden Jahr alle SWE-Tarife an die gesunkenen Preise auf dem Strom- und Gasmarkt angepasst werden, konkrete Zahlen sollen im November 2024 bekannt gegeben werden. „Unsere Prämisse ist es, die Preise für Bestandskunden mindestens auf gleiches Niveau zu senken“, sagte Schild. Er sprach allerdings auch noch von einem „Spagat“, weil immer Unwägbarkeiten durch neue Steuern oder Umlagen on top kommen könnten. Die würden dann aber gleichermaßen für Neu- wie Bestandskunden gelten.

Im Vergleich noch teurer

Mit der Gleichbehandlung verfolgen die Stadtwerke eine andere Strategie als jene Energieverorgungs-Unternehmen, die zunächst mit günstigen Tarifen Neukunden locken. Es kann passieren, dass diese nach einem Jahr – dann als Bestandskunden – in teurere Tarife rutschen. Lockangebote wie Neukundenboni oder Rabatte müssen Kunden schon sehr im Auge behalten, um langfristig zu profitieren, etwa wenn im Kleingedruckten nur noch von einer Ein-Monatspreisgarantie die Rede ist. „Da werden oft Äpfel mit Birnen verglichen“, sagte Schild.

Trotz der schon einmal für Rückkehrer genau definierten Preisansage räumt aber auch Schild ein, im Durchschnitt noch teurer als so mancher Internetanbieter zu sein. Geht man über die einschlägigen Vergleichsportale, sind es bei den Stadtwerken Emden etwa bei Strom für einen Zwei-Personen-Haushalt mit 2500 Kilowattstunden Jahresverbrauch für Arbeitspreis und Grundpreis gut zehn Euro Mehrkosten im Monat im Vergleich zum aktuell günstigsten Anbieter. Beim Gas differieren die Angebote noch stärker.

Bescheidener Bonus

Für diese Mehrkosten werben die SWE aber mit einem Mehrwert für ihre Kundinnen und Kunden aus „direkter Beratung, Ökoqualität und lokalem Engagement“, so Schild. Heißt: Aus Überschüssen werden beispielsweise Defizite des ÖPNV und der Friesentherme in Emden ausgeglichen. Für den Besuch Letzterer bekommen Rückkehrer auch noch ein Gutschein on top. „Wir werben nur mit Mehrleistung aus unserem Kosmos und nicht mit einem angeblichen Sofortbonus“, betonte Schild.

Das Kundencenter der Stadtwerke Emden in der Pottgießerstraße: So mancher Kunde kehrt in diesen Tagen hierher zurück, heißt es. Foto: Schuurman
Das Kundencenter der Stadtwerke Emden in der Pottgießerstraße: So mancher Kunde kehrt in diesen Tagen hierher zurück, heißt es. Foto: Schuurman

Tatsächlich können städtische Energieunternehmen mit ihrer Versorgungspflicht auch kaum große Werbesprünge machen. Auch beim Energie-Einkauf verfolgen die SWE den risikoscheuen Einkauf. Das heißt: Statt an einem Stichtag Ende des Jahres oder irgendwann im Laufe eines Jahres die gesamte Menge an Gas und Strom für das kommende Jahr einzukaufen, kaufen die Emder Stadtwerke innerhalb von zwei Jahren kontinuierlich jeden Tag ein bisschen für ein Belieferungsjahr ein. Dazu noch Tranchen. Damit soll verhindert werden, dass man an einem einzigen Einkaufstag einen sehr hohen Energiepreis haben könnte. Verteilt man den Kauf über zwei Jahre, so der Plan, hat man am Ende eine stabile Durchschnittssumme beziehungsweise einen durchschnittlichen Marktpreis.

Entspannter Energiemarkt

Das hat aber auch dafür gesorgt, dass für das Jahr 2024 die Energiepreise deutlich gestiegen sind und dass Kunden eben im vierstelligen Bereich zum Jahresende 2023 in Emden gekündigt haben. Ausschlaggabend war der Einkauf aus den Jahren 2022 und 2023, die den aktuellen Preis bestimmen. In diesen zwei Jahren gab es am Energiemarkt große Schwankungen und Unsicherheiten durch politische Krisen wie den Krieg in der Ukraine, den Nahost-Konflikt, schwierige Gas-Lieferungen durchs Rote Meer oder Reaktionen aus China. Insbesondere zum Jahreswechsel 2022/2023 war der Preis am Markt enorm gestiegen. Zahlreiche Energieversorger mit anderem Beschaffungsmodell, die dann ihre Jahresmenge Energie en gros einkaufen wollten, gingen pleite.

Mit solchen erheblichen Schwankungen sei nun zunächst nicht mehr zu rechnen, sagte Schild, der Energiemarkt habe sich beruhigt. „Dieses Jahr sind die Preise nochmals deutlich günstiger, voraussichtlich auch für die nächsten Jahre“, hofft Schild. So gesehen könnte die Zahl der Kunden-Verträge beim Energieversorger Stadtwerke auch wieder steigen. Zuletzt gaben die Stadtwerke Emden die Anzahl mit im Schnitt 25.000 Strom- und 15.000 Gaskunden an.

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