Kanzlerkandidatur Sozialdemokraten aus Ostfriesland freuen sich auf Wahlkampf gegen Merz
Für Gitta Connemann ist der Kanzlerkandidat der CDU „unsere unumstrittene Nummer eins“. Ostfrieslands Genossen hingegen sind überzeugt: Mit Merz sendet die CDU kein Aufbruchsignal aus.
Leer/Berlin - Die Union will mit dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2025 gehen und die Ampel-Koalition ablösen. „Die K-Frage ist entschieden. Friedrich Merz macht’s“, sagte CSU-Chef Markus Söder am Dienstag in Berlin. Merz habe seine „volle Rückendeckung.“
Auch für die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (Hesel) ist Merz „unsere unumstrittene Nummer eins“, teilt sie auf Nachfrage mit. „Als er den Vorsitz übernahm, lag die CDU am Boden. Heute sind wir stärker als alle Ampel-Parteien zusammen. Er hat uns geeint und vereint, inhaltlich profiliert und öffentlich wieder nach vorne gebracht.“ Der gemeinsame Auftritt mit Söder habe gezeigt: „Die Union ist geschlossen und entschlossen. Wir werden alles daransetzen, den Niedergang des Landes zu beenden“, so Connemann.
Für die SPD ist Merz als Gegner keine Überraschung
Bundeskanzler Olaf Scholz, der im kommenden Jahr selbst wieder für die SPD antreten will, reagierte auf die Merz-Kandidatur gelassen: „Es ist mir recht, wenn Herr Merz der Kanzlerkandidat der Union ist“, sagte er in Kasachstan.
Für die ostfriesischen SPD-Abgeordneten Anja Troff-Schaffarzyk (Uplengen) und Johann Saathoff (Pewsum) ist die erklärte Kanzlerkandidatur von Merz keine Überraschung. „Dass die Auswahl auf Merz hinauslaufen wird, war bereits lange absehbar“, teilt Troff-Schaffarzyk auf Nachfrage mit und betont: „Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass die Unionsparteien sich mit dem Kanzlerkandidaten Merz einen Gefallen getan haben. Merz steht als Politiker für rückwärtsgewandte Ideen statt für einen klaren inhaltlichen Aufbruch. Die politischen Unterschiede zur SPD und unserem Kanzler Olaf Scholz könnten kaum deutlicher sein. Ich freue mich auf den Wahlkampf mit meiner SPD.“
„Ob Söder die Füße stillhalten kann?“
Das sieht Saathoff ähnlich: „Trotz aller Lippenbekenntnisse sendet die CDU dadurch keine Aufbruchsignale aus, denn Friedrich Merz gilt selbst in der CDU nicht als besonders fortschrittlich.“
Die SPD habe sich in den vergangenen Wochen und Monaten bereits auf Merz als Kanzlerkandidaten eingestellt, sagte auch Parteichef Lars Klingbeil am Rande einer SPD-Landtagsfraktionssitzung in Düsseldorf. „Ich kann nur sagen, ich freue mich auf diesen Wahlkampf.“ Die Sozialdemokraten seien gut vorbereitet. Merz sei ein Gegner, „den ich gerne annehme“, so Klingbeil.
„Ob Markus Söder trotz aller Versprechen zwölf Monate die Füße Stillhalten kann, ist äußerst fraglich“, erklärt Saathoff. Söder wäre auch dieses Mal selbst gerne Kanzlerkandidat geworden.
Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Julian Pahlke (Leer) hat Friedrich Merz „kein Kanzlerpotenzial“. „Merz testet immer wieder öffentlich aus, wie weit er rechte Forderungen übernehmen kann. Er geht an die Grenze des Sagbaren, um sich dann für ein paar Tage geläutert zu geben. Er ist damit mitverantwortlich für die aufgeheizte Stimmung in der Gesellschaft. Das ist kein Kanzlerpotenzial.“
Mit Material von DPA