Sydney  Dieser 93-jährige Australier machte Trump zu dem, was er heute ist – und kaum jemand kennt ihn

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 18.09.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
„Fox vergiftet Amerika“ steht über dem Foto von Rupert Murdoch auf dem Plakat einer Demonstrantin. Die Aufnahme stammt aus dem Februar dieses Jahres. Foto: Imago images/ZUMA Press Wire
„Fox vergiftet Amerika“ steht über dem Foto von Rupert Murdoch auf dem Plakat einer Demonstrantin. Die Aufnahme stammt aus dem Februar dieses Jahres. Foto: Imago images/ZUMA Press Wire
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Der 93-jährige Rupert Murdoch hat ein gigantisches Medienimperium aufgebaut – nicht nur in seiner Heimat Australien, sondern auch in Großbritannien und den USA. Dabei schuf er mit dem US-Fernsehsender Fox News eine Propagandamaschine, die die Ära Trump befeuerte und Amerikas Demokratie auf die Probe stellt.

Rodney Tiffen, emeritierter Professor für Regierung und internationale Beziehungen an der University of Sydney, verglich Rupert Murdoch letztlich mit Dr. Frankenstein aus Mary Shelleys berühmten Roman. Dieser habe, wie Murdoch ein Monster erschaffen, das ein Eigenleben entwickelte, das er nicht mehr kontrollieren konnte.

Nochmal schlimmer – habe Murdoch sogar zwei solch unzähmbare Monster erschaffen, die nun beide drohen, der US-Demokratie großen Schaden zuzufügen: Das Publikum des US-Senders Fox News, das sich „nach langer Kultivierung“ durch das „Fantasieland“ des Senders weigere, Nachrichten zu glauben, die nicht seinen Vorurteilen entsprechen. Und eine von Donald Trump dominierte Republikanische Partei.

Letzteres habe Murdoch zuletzt rückgängig und so Trump zu einer „Unperson“ machen wollen. Doch da habe sich bereits gezeigt, dass dieser die Partei inzwischen so dominiere, wie kein anderer.

Dass Murdoch so viel Einfluss auf die US-amerikanische Politik hat, ist insofern erstaunlich, da der 93-Jährige nicht in den USA, sondern in Australien geboren wurde. Die Wurzeln seines Imperiums lassen sich ins Jahr 1952 zurückverfolgen. Damals erbte er eine Mehrheitsbeteiligung an News Limited, dem Herausgeber einer Zeitung im australischen Adelaide. Zunächst baute er seinen Einfluss dann auch in Australien und später in Großbritannien aus.

Den Grundstein für seinen Erfolg in den USA legte er im Jahr 1973, als er die „San Antonio Express-News“ kaufte. Ein Jahr später zog er bereits nach New York, von wo er systematisch den US-Markt ausbaute – ohne jedoch seine Medien in Australien und Großbritannien aufzugeben. Dafür wurde Murdoch sogar amerikanischer Staatsbürger.

Heute gehören zu dem Medienimperium, das inzwischen Murdochs ebenfalls erzkonservativer Sohn Lachlan leitet, neben Fox News, die Mediengruppe News Corp. Aber auch das „Wall Street Journal“ und die „New York Post“, und australische Zeitungen wie „The Australian“ oder die „Herald Sun“ und britische Blätter wie „The Sun“ und „The Times“.

„Es ist überwältigend“, sagte der frühere australische Premierminister Malcolm Turnbull im letzten Jahr im Interview mit dem Radiosender ABC Melbourne. Laut Turnbull habe es bisher keinen anderen Australier gegeben, „der weltweit so großen Einfluss hatte“. Die Murdoch-Medien seien nicht nur diejenigen, die die Realität der globalen Erwärmung geleugnet und Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung verzögert hätten, mit Fox News habe Murdoch auch „ein ‚Wut-tainment‘-Ökosystem in den Vereinigten Staaten geschaffen“.

Dieses habe die Amerikaner so sehr erzürnt und gespalten, wie dies seit dem Bürgerkrieg nie wieder der Fall gewesen sei. Mit dem Bürgerkrieg spielte Turnbull auf den Sezessionskrieg zwischen 1861 und 1865 an, als sich die südlichen Staaten in den USA wegen der Sklavenfrage abtrennten. Als Folge kämpften diese dann gegen die Nordstaaten.

Auch Tiffen schrieb in seiner akademischen Abhandlung zu Murdoch, dass Fox News nie nur ein Mainstream-Nachrichtendienst mit einem etwas konservativeren Schwerpunkt gewesen sei. „Von Anfang an war es eher eine Propagandamaschine, und dies wurde im Laufe der Jahre immer deutlicher.“ Das Programm zur Hauptsendezeit habe mehr und mehr aus Kommentaren und nicht aus Nachrichtensendungen bestanden.

Als Barack Obama US-Präsident wurde, erhielt Trump beispielsweise am Montagmorgen einen Call-In-Slot bei dem Fox News‘-Programm „Fox and Friends“: „Kühn, dreist und niemals schüchtern“, verkündete die Promo damals und: „Der Donald macht seine Stimme jetzt jeden Montag laut und deutlich.“ In diesem Slot propagierte Trump dann beispielsweise die Behauptung, dass Obama nicht in den USA geboren sei und daher nicht für das Präsidentenamt infrage käme.

Wie eng die Verbindungen zwischen dem Sender und Trump waren, zeigte sich dann auch, als Trump selbst die Wahl gewann. So identifizierte der Journalist Brian Stelter bei der Recherche zu seinem Buch „Hoax: Donald Trump, Fox News, and the Dangerous Distortion of Truth“ 20 Personen, die zwischen 2017 und 2020 von Fox News ins Weiße Haus wechselten.

Trump soll an den Sendungen selbst auch, wie ein Süchtiger gehangen haben. So soll er jeden Tag mehr Stunden geschaut haben – mehr als jeder andere Präsident. Und bei der Informationsbeschaffung verließ er sich dann wohl auch mehr auf Fox News als auf die Briefings seiner eigenen Untergebenen.

Ins gefährliche Milieu schwenkte Fox News dann nach Trumps Wahlniederlage im Jahr 2020 um, als dieser begann, von Wahlbetrug zu sprechen. Zwar habe die überwiegende Mehrheit der Hauptakteure bei Fox News und bei anderen Murdoch-Medien, laut Tiffen eigentlich geglaubt, dass die Wahl fair abgelaufen sei.

Murdochs „New York Post“ drängte Trump anfänglich sogar, die Ergebnisse zu akzeptieren. In einem Leitartikel schrieb die Boulevardzeitung Ende Dezember 2020: „Wenn Sie darauf bestehen, Ihre letzten Tage im Amt damit zu verbringen, alles niederzubrennen, werden Sie so in Erinnerung bleiben. Nicht als Revolutionär, sondern als Anarchist, der das Streichholz hält.“

Fox News sei dabei jedoch ziemlich rasch von einem Gefühl der Krise überkommen worden, schrieb Tiffen. Die Einschaltquoten zur Hauptsendezeit seien gesunken, und in mancher Hinsicht habe CNN die Nase vorn gehabt. „Fox‘ Krisengefühl führte das Unternehmen auf einen schicksalhaften Weg“, urteilte der Universitätsprofessor.

Bereits sechs Tage nach der Wahl, am 9. November 2020, verpflichteten Führungskräfte von Fox News den Sender laut Tiffen dazu, „Erzählungen zu verbreiten, die ihr Publikum zurücklocken würden“. Formuliert wurde dies offiziell mit einem positiven Spin: Man wolle das Publikum „respektieren“.

Gemeint war damit, man wolle Trumps Behauptungen des Wahlbetrugs Glauben schenken. „Dies führte zu einer Mammutwende“, schrieb Tiffen. Laut „Media Matters for America“ stellte Fox News die Wahlergebnisse innerhalb von zwei Wochen dann 774 Mal, infrage.

Tiffen vermutet, dass Murdoch selbst die politische Landschaft Amerikas, die er tatkräftig mitgestaltet hat, inzwischen eigentlich verabscheut. Er störe sich daran, dass die Legitimität des Wahlsystems angegriffen werde, sowie Verschwörungstheorien mehr Kraft als in den vergangenen Jahrzehnten hätten. Auch werde die Republikanische Partei von jemandem dominiert, den er selbst verabscheue und als Gefahr für die Demokratie ansieht, glaubt der Experte.

Ob er dabei jedoch erkenne, „wie sein eigenes Handeln Kräften Schwung gab, die jetzt gegen seine eigenen Werte laufen und diese bedrohten“, das glaube er nicht. Vielmehr würde sich Murdoch vermutlich auf die kommerzielle Notwendigkeit berufen, auch wenn er sicherlich wisse, welchen schlechten Dienst seine Medien der amerikanischen Demokratie erwiesen hätten.

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