Hafen 55 in Weener schließt  Noch ein Lokal dicht – Gastro aufm Land in der Krise?

Vera Vogt
|
Von Vera Vogt
| 18.09.2024 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Hilmar Bockhacker gab die Schließung des Lokals Hafen 55 bekannt. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Foto: Ortgies/Archiv
Hilmar Bockhacker gab die Schließung des Lokals Hafen 55 bekannt. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Foto: Ortgies/Archiv
Artikel teilen:

Das Lokal Hafen 55 in Weener wird ab Herbst auf unbestimmte Zeit schließen. Ein Blick ins Archiv zeigt: Nachfolgersuche und Schließungen gab es im Kreis Leer 2024 einige.

Weener - „Wir sind ein wenig müde und von der langen Saison geschafft und erholungsbedürftig“, mit diesen Worten beginnt Gastronom Hilmar Bockhacker sein Statement, das er bei Facebook veröffentlicht. In seinem Schreiben kündigt er seinen Entschluss an, das Lokal Hafen 55 am Historischen Hafen in Weener zu Ende Oktober zu schließen. „Auf unbestimmte Zeit“. Erstmals in der Geschichte habe er das Gefühl, an einem Etappenziel der Bekanntheit, der Wertschätzung und auch der Leistungsfähigkeit angekommen zu sein, so der Gastronom.

Die Rahmenbedingungen für den Betrieb seien im Winter schwierig, zahlreiche Dinge seien mit dem Behörden und der Verwaltung in diesem Winter zu klären. „Leider sind die Kronjuwelen, unser Team, das Herz und der Kreislauf von Hafen 55 erstmals für den Winter gekündigt“, so Bockhacker. „Leider musste das sein, da die Überschüsse des Sommers in der Vergangenheit durch die Defizite des Winters immer aufgezehrt wurden.“ Herauszufinden, wann und mit welchem Team und Betriebskonzept wieder geöffnet werde, sei „Aufgabe des Winters“.

Weener, Uplengen, Detern, Neermoor: Einige Betriebe geben auf oder suchen Nachfolge

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband warnte immer wieder vor weiteren Schließungen von gastronomischen Betrieben. Für Niedersachsen ist in der Branchenstatistik für 2023 zu lesen, dass „die Fluktuation der Betriebe im Gastgewerbe mit 24,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen“ sei. Ein Blick ins Archiv dieser Zeitung zeigt, dass sich auch 2024 in der Gastronomie einiges getan hat – unter anderem in Weener. Seit den 90er Jahren zählte das Restaurant „Sipan“ gastronomisch zu den beliebten Adressen. 25 Jahre lang hatte Gastronom Sukri Kemal Acar das Lokal mit seiner Familie betrieben, im Januar hatte er sich mit dieser Zeitung getroffen und die Gründe für die Schließung erklärt. „Der Umsatz stimmte einfach nicht mehr“, sagte der 65-Jährige.

Kostensteigerungen seien unter anderem ein Grund für die Schließung gewesen. Acar erklärte, seine Zeit an anderer Stelle investieren zu wollen. Seine Familie betreibt nicht nur die Pizza-Stübchen in Weener, Bunde und Leer, sondern seit sieben Jahren auch die beiden Leeraner Szene-Restaurants „Havnbar“ und „360 Grad“. In der Innenstadt von Leer sei mehr los. „In Weener ist das stark zurückgegangen.“

Nachfolger gesucht: „Zum grünen Jäger“ aus Altersgründen zum Verkauf

Seit dem Sommer dieses Jahres steht das Landgasthaus „Zum grünen Jäger“ in Jübberde zum Verkauf. Neben der Gaststätte mit Saal gehören eine Kegelbahn, eine überdachte Grillterrasse, ein Biergarten und eine Betriebswohnung zu der Immobilie. Verkauft werde der Gasthaus „aus reinen Altersgründen“, wie es der Verkaufsanzeige im Internet zu entnehmen ist. Der „Grüne Jäger“ werde mitsamt Inventar und vollen Auftragsbüchern veräußert, steht außerdem in der Annonce. In seiner mehr als 100 Jahre währenden Geschichte war das Gasthaus in den Händen der Wirtsfamilie.

Am 1. August 1921 hatte der Großvater des heutigen Wirtes an der Hollener Straße 24 in Jübberde eine Schankwirtschaft und einen Kolonialwarenladen eröffnet. 1969 wurde an der Hollener Straße 36 das heutige Landgasthaus „Zum Grünen Jäger“ gebaut.

Plötzliches Ende: Greek Taverne in Folmhusen dicht

Unerwartet kam die Nachricht im Frühjahr: Das griechische Restaurant Greek Taverne am Loogweg in Folmhusen direkt neben der Bundesstraße 70 wurde geschlossen. Am 31. Mai 2024 war der letzte Öffnungstag. „Wichtige Mitteilung! Aufgrund von unvorhergesehenen Ereignissen schließen wir den Restaurantbetrieb zum 31.05.2024.“ Mit diesen Informationen hatten die bisherigen Betreiber einige Tage vor dem offiziellen Aus die Schließung des Restaurants angekündigt.

Nachfolger gesucht: „Zur Koppel“ in Detern

Eine Nachfolge suchen nach mehr als 30 Jahren Michael und Ulla Malz für ihr Restaurant „Zur Koppel“ in Detern. Diese Zeitung sprach im Februar mit dem Ehepaar, aktuell ist die Suche nach einem Nachfolger noch immer auf ihrer Facebook-Seite angeheftet, mittlerweile mehr als 200 Mal geteilt.

Zum Jahresende läuft der Pachtvertrag für das Restaurant im Herzen von Stickhausen aus. Das Paar wollte ihn nicht verlängern. „Wir haben das lang genug gemacht und die Gesundheit macht auch nicht mehr mit“, sagt Michael Malz. „Wir wollen jetzt mehr Zeit für die Familie und Freunde haben“, sagt Ulla Malz. Deswegen haben sie sich auf die Suche nach neuen Betreibern für den Gasthof gemacht. Er übergebe ein wirtschaftlich gut laufendes Geschäft. „Wir hören nicht aus finanziellen Gründen auf“, betont Malz.

„Zu den Linden“ in Neermoor: Aus nach mehr als 27 Jahren

Mehr als 27 Jahre hatte die Familie Bangel die Gaststätte Zu den Linden in Neermoor betrieben. „Dauerhaft geschlossen.“ stand in roter Schrift auf einem Bild zu lesen, das die Gaststätte Zu den Linden aus Neermoor am 28. Juli 2024 auf der Social-Media-Plattform Facebook gepostet hat. Damit kehrte die Gaststätte aus den zuvor angekündigten Betriebsferien vom 15. bis zum 31. Juli 2024 nicht mehr zurück. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nehmen wir Abschied aufgrund unserer Geschäftsaufgabe“, hieß es weiter.

„Der Personalmangel und die wirtschaftliche Entwicklung zwingen uns nun zu diesem Schritt“, erklären die Inhaber ihre Entscheidung. Damit folgen sie einem traurigen Trend: Immer mehr Gaststätten in der Region schließen. „Wir suchen schon lange Personal. Aber die Jugendlichen, die sich in der Gastronomie ihr Taschengeld aufbessern wollen, gibt es anscheinend nicht mehr“, hatte Inhaberin Shirley Bangel im Juni gegenüber dem Sonntags-Report gesagt. Öffnungszeiten mussten eingeschränkt werden. „Als ich davon gehört habe, war ich ziemlich entsetzt“, sagte Neermoors Ortsbürgermeister Berthold Koch im August im Gespräch mit dieser Zeitung. Er habe geglaubt, dass die Gaststätte „Zu den Linden“ floriere. „Aber der Personalmangel war dann wohl doch zu viel“, sagt er. Die Geschäftsaufgabe sei seiner Ansicht nach nicht nur schade für die Familie Bangel, sondern auch schade für Neermoor.

Ähnliche Artikel