Berlin Generation Z: So ticken die neuen Bewerber – und das müssen Personaler wissen
Die Generation Z strömt auf den Arbeitsmarkt – doch ihre hohen Gehaltsforderungen und klaren Erwartungen stellt viele Arbeitgeber vor Herausforderungen. Eine neue Umfrage zeigt, worauf es den jungen Talenten ankommt und wie Unternehmen darauf reagieren sollten.
In vielen Bereichen herrscht bereits seit Langem Personalnot und Fachkräftemangel. Unternehmen stehen zunehmend in einem Wettbewerb um die jungen Menschen, die ihre Ausbildung beenden und auf den Arbeitsmarkt kommen, während die Babyboomer ihn langsam verlassen. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, sind Unternehmen auf die Generation Z oder auch bekannt als „Gen Z“ angewiesen.
Diese Generation umfasst alle Jahrgänge von Mitte der 1990er bis 2010 und zeichnet sich dadurch aus, dass sie vollständig in der digitalen Welt aufgewachsen ist. Eine Umfrage von der Karriere- und Recruiting-Plattform „Job Teaser“ und der französischen EDHEC Business School zeigt jedoch, dass die Gehaltsvorstellungen der Generation Z oft nicht mit den Erwartungen der Arbeitgeber übereinstimmen.
Befragt wurden 1220 Studierende und Berufsanfänger sowie 726 Personalverantwortliche. Ein Drittel der befragten Personalverantwortlichen gibt an, dass es in den letzten drei Jahren schwieriger geworden ist, Nachwuchskräfte einzustellen.
Rund 55 Prozent der Teilnehmer sagen, dass es nicht genügend qualifizierte Kandidaten gebe. 46 Prozent sagen außerdem, dass „zu hohe Gehaltsanforderungen“ ein Problem seien, 40 Prozent kritisieren einen Mangel an Flexibilität und 36 Prozent gar mangelnde Erfahrung.
Junge Menschen spielen eine zentrale Rolle für die Zukunft von Unternehmen. Acht von zehn Personalverantwortlichen halten es in diesem Jahr für ebenso wichtig oder sogar noch wichtiger als im Vorjahr, junge Talente zu gewinnen. „Das zeigt, dass das Bewusstsein für die Relevanz junger Fachkräfte wächst, auch wenn die verfügbaren finanziellen Mittel oft nicht angepasst werden“, sagt Eva Stock von der Tech-Agentur Comspace. Während erfahrene Mitarbeitende von außen oft als die beste Wahl erscheinen, sind junge Menschen entscheidend für den langfristigen Erfolg.
Um diese Talente anzuziehen, sollten Unternehmen laut Umfrage vor allem das Gehalt in den Stellenanzeigen transparent machen (49 Prozent) und einen schnellen Rekrutierungsprozess mit wenigen Vorstellungsgesprächen anbieten (43 Prozent). Diese beiden Aspekte sprechen die 18- bis 30-Jährigen besonders an.
Fast die Hälfte der Befragten brach den Bewerbungsprozess aufgrund „fehlender Nähe zum Rekrutierungsteam“ oder „mangelnder Transparenz bei der Vergütung“ ab. Auch eine lange Entscheidungsfindung wurde als negativ empfunden. Ab 21 Tagen finden junge Bewerber die Dauer des Einstellungsprozesses zu lang.
Über die Hälfte der Personalverantwortlichen gab zu, Bewerber bereits „geghostet“ zu haben, was rund drei Viertel der Studierenden und Berufsanfänger bestätigten. Solche negativen Erfahrungen können das Bild des Unternehmens schwächen, wie 69 Prozent der Bewerber bestätigen.
Von Mai bis Juni 2024 nahmen fast 2.000 Personen an der Befragung teil, darunter etwa 1.200 junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren und mehr als 700 Personalverantwortliche aus Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten.
Die Umfrage zeigt, dass sich etwa drei Viertel der jungen Bewerber über ihre Karriereziele und -interessen im Klaren sind. Knapp 70 Prozent kennen die Karriereperspektiven ihrer angestrebten Position. Schwierigkeiten haben sie jedoch bei der Gehaltsvorstellung: 41 Prozent der Studierenden und 34 Prozent der Hochschulabsolventen haben keine klare Gehaltsvorstellung.
Mehr als 60 Prozent der Bewerber wissen, wie sie ihre Bewerbungsunterlagen ansprechend gestalten können. Fast die Hälfte nutzt künstliche Intelligenz zur Optimierung ihrer Unterlagen, und über 40 Prozent verwenden KI, um sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten.
Auch Personalverantwortliche setzen zunehmend auf KI: 60 Prozent für E-Mail-Antworten, 50 Prozent für das Screening von Lebensläufen und 42 Prozent zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Trotzdem richten nur 22 Prozent der Unternehmen ihre Stellenausschreibungen gezielt auf die Generation Z aus. Christian Stefan Braun vom Versicherer Ergo empfiehlt, Stellenanzeigen kurz und prägnant zu halten und die Interessen der jungen Zielgruppe zu berücksichtigen.