Dielingen/Osnabrück Mögliche Stellenstreichung: So reagiert ZF auf die Aktion von Betriebsrat und IG Metall
„Zukunft oder Widerstand“ lautet das Motto von IG Metall und Betriebsrat, wenn es um die Verhandlungen mit ZF zur Sicherung der Dümmer-Werke geht. So reagiert das Werk auf die Aktion der Arbeitnehmervertreter vor den Werkstoren.
Mit der Informationspolitik der Arbeitgeberseite waren ZF-Beschäftigte nach der Betriebsversammlung am Dienstag gar nicht zufrieden. „Wischiwaschi“ nannte einer die Ausführungen, „war nicht anders zu erwarten“, war die Reaktion eines anderen. Fest steht: Der Automobilzulieferer steckt in der Krise, 14.000 Jobs sollen abgebaut werden. Nur wo, dazu gibt es bislang keine Details.
Um gegen den Stellenabbau mobil zu machen, hatten Betriebsrat und IG Metall im Anschluss an die Betriebsversammlung zu einer Aktion am Werkstor aufgerufen. Der Platz war voll, und das nicht nur, weil ein Eiswagen Gratis-Kugeln ausgab.
Einen konkreten Anhaltspunkt dazu, wie viele der angekündigten Stellenstreichungen möglicherweise rund um den Dümmer vorgenommen werden könnte, gab ZF nicht. An den Werken konzentriert sich der Automobilzulieferer vor allem auf alles rund um Fahrwerktechnik. „Am Multidivisionsstandort Lemförde hat ZF die Weichen in eine wettbewerbsfähige Zukunft bereits gestellt und wichtige Maßnahmen für einen zukunftsfähigen Standort unternommen“, betont Stanislava Plachá, Personalleiterin der ZF-Division Chassis Solutions.
Tatsächlich hat sich mit Blick auf ZF rund um den Dümmer im vergangenen Jahr viel verändert, nicht zuletzt wurde zum Monatswechsel das Werk in Damme endgültig geschlossen. Profitable Produktgruppe seien an andere Standorte verlagert worden, betont Plachá. Auch den Verkauf der „defizitären Produktlinie Electronic Interfaces“ nennt die Personalleiterin als eine Maßnahme zur Zukunftsfähigkeit des Standorts. Standort und Mitarbeiter wurden von der Industriegruppe Aequita übernommen.
Positiver fällt da die Ansiedlung der Kunststofftechnologie in Diepholz ins Gewicht – ein Bereich, den der Automobilzulieferer ausbauen will. Und auch die Etablierung eines ZF-weiten Pilotprojekts zur Digitalisierung von Produktionsprozessen in Diepholz führt die Personalleiterin an.
„Wir verstehen die Verunsicherung, die aktuell in der Belegschaft herrscht, und nehmen diese sehr ernst“, teilt Plachá mit Blick auf den Aktionstag der Arbeitnehmervertreter mit. Den anvisierten Personalabbau verteidigt sie allerdings. „Die Transformation wartet nicht auf uns. Wir müssen für wirtschaftlich gesunde Strukturen unserer deutschen Standorte sorgen und an diesen die Effizienz, Produktivität und Flexibilität verbessern, denn ein verlustreiches ,Weitermachen wie bisher‘ würde die deutschen Standorte in Summe gefährden.“
Dass die angekündigten Maßnahmen auf der Arbeitnehmerseite nicht für Beifall sorgen werden, dessen ist sich die Personalleiterin bewusst. „Aber es wird von der Belegschaft hoffentlich verstanden, denn es ist das Wahrnehmen unternehmerischer Verantwortung.“ Als Zulieferer ist ZF abhängig davon, wie viele Fahrzeuge Hersteller produzieren. Die Absatzzahlen allerdings gehen zurück; ob sich daran auf absehbarer Zeit etwas ändert, ist fraglich.
Aktuell sind rund 2600 Mitarbeiter am ZF-Multidivisionsstandort Lemförde beschäftigt. Früher waren es schon einmal rund 4000, so Betriebsratschef Rainer Berger. Zum Mitarbeiterschwund beigetragen haben nicht nur Personalabbau, sondern unter anderem auch der von Plachá genannte Verkauf der Produktlinie, ebenso wie ein neu gegründetes Joint-Venture zwischen ZF und Apple-Zulieferer Foxconn, das nun in Osnabrück angesiedelt ist.