Osnabrück Lust auf die Energiewende schwindet: Für private Haushalte muss es sich rechnen
Trotz positiver Trends: Viele deutsche Haushalte zögern, sich an der Energiewende zu beteiligen. Hohe Kosten und unsichere Förderprogramme lassen grüßen. Klimarettung ja – aber nicht um jeden Preis?
Das ist ja mal eine gute Nachricht, nicht nur für‘s Klima. Auch der grüne Bundesminister für Energie und Wirtschaft dürfte sich freuen: Ein knappes Drittel der Privathaushalte nutzt inzwischen mindestens eine der einschlägigen Technologien der Energiewende; das sind 12,9 Millionen Haushalte. Besonders verbreitet: Photovoltaik. Das zeigt eine Studie der staatlichen KfW-Bank.
Rund weitere sechs Prozent der Haushalte wollen demnächst eine Energiewendetechnologie anschaffen, also Wärmepumpen, Solarthermie, Batteriespeicher, Holzpelletheizungen oder Elektroautos. Ist der Positivtrend also Robert Habecks Freund? Leider nein.
Denn die Bereitschaft immer mehr Bürger an der Energiewende aktiv mitzuwirken sinkt. Das wundert nicht. Die Umstellung auf energieeffiziente Maßnahmen und die notwendige Infrastruktur sind teuer. Und in Zeiten massiv gestiegener Lebenshaltungskosten haben Familien deutlich weniger Geld für Extras. Gleichzeitig stiften immer neue regulatorische Änderungen Verwirrung und Unsicherheit.
Ähnliches gilt für Förderprogramme, deren Ausgestaltung betroffenen Bürgern als viel zu kompliziert gilt oder deren Einführung oder Wieder-Abschaffung wie im Fall der E-Autos als willkürlich wahrgenommen werden.
Zudem stößt der Bau von Windkraftanlagen, Stromtrassen und anderen Infrastrukturen für erneuerbare Energien oftmals auf lokalen Widerstand. Anwohner sorgen sich um die Lebensqualität, den Wert ihrer Immobilie und mögliche gesundheitliche Auswirkungen. Diese Skepsis der Menschen lässt sich nicht einfach vom Tisch wischen.
Wenn die Energiewende hierzulande ein Erfolg werden soll, wird die Politik also noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Das gilt nicht nur für die amtierende Ampel-Koalition, sondern auch für jede ihr nachfolgende Bundesregierung.
Mit Appellen und ideologischem Druck ist es nicht getan. Einsicht läuft über den Geldbeutel, über positive finanzielle Anreize also. Denn auch das hat die KfW-Studie gezeigt: Klimaschutz ist schön und gut – bei einer Investitionsentscheidung suchen die Menschen aber vor allem den persönlichen wirtschaftlichen Vorteil. Wer wollte es ihnen verübeln?! Es muss sich halt rechnen.