E-Autos in der Krise Ministerpräsident stärkt VW Emden den Rücken
Bei VW Emden ist die Wut über den Vorstand seit gut einer Woche riesig. Nun hat Ministerpräsident Weil ein wenig Hoffnung gespendet. Am Rande gab es dann noch eine für Emden wichtige Personalie.
Emden - Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat der Belegschaft von VW Emden Hoffnung gemacht, dass das ostfriesische Werk nicht geschlossen wird. Er verwies am Mittwoch bei einem Besuch in Emden auf die hohen Investitionen in den Umbau zu einem reinen E-Auto-Werk und sprach seine klare Erwartung an den Konzernvorstand aus, Alternativen zu den angedrohten Werksschließungen zu finden. Am Rande des hohen politischen Besuchs aus Hannover platzte dann noch die Nachricht von einem bevorstehenden Wechsel an der Spitze des VW-Werks in Emden.
„Die Investition von mehr als einer Milliarde Euro spricht dafür, dass man im Konzern von diesem Werk eine ganze Menge hält“, sagte Weil bei einem kurzen Presse-Statement nach einem längeren Gespräch mit Belegschaftsvertretern. Außerdem habe die Bundesregierung eine Sonderabschreibung für Flottenfahrzeuge ermöglicht. „Das ist insbesondere für Emden von Vorteil“, sagte Weil. Hintergrund: Der bis vor Kurzem in Emden produzierte Passat war insbesondere so erfolgreich, weil er von vielen Firmen als Dienstwagen geordert wurde. Ein ähnliches Resultat erhofft man sich in Wolfsburg und Emden nun von dem vollelektrischen Nachfolger ID.7 beziehungsweise ID.7 Tourer.
„Miteinander Klartext reden“
Ministerpräsident Weil fordert zudem die Kontrahenten im Streit um die Sparpläne auf, zügig an den Verhandlungstisch zu kommen. „Das ist die klare Erwartung, die das Land Niedersachsen jetzt hat, an das Management, auch an die Interessenvertretung der Arbeitnehmerschaft: Sehr schnell jetzt zu beginnen, miteinander Klartext zu reden“, sagte Weil. Das Land woll dabei gern unterstützen. „Wir sind sehr interessiert an einer positiven Weiterentwicklung von Volkswagen in Niedersachsen.“ Gemeinsames Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit von VW zu erhalten.
@ostfriesenzeitung Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat das VW-Werk Emden besucht . #vw #vwwerk #volkswagen #automobilindustrie #autos #politik #landesregierung #ostfriesland #wirfilmenostfriesland #ostfriesentv #ostfriesenzeitung ♬ Originalton - ostfriesenzeitung
Die Konzernspitze hatte am Montag vor einer Woche nicht mehr ausgeschlossen, einzelne Werk in Deutschland schließen und die Beschäftigungssicherung aufkündigen zu müssen. Am Dienstag folgte dann die tatsächliche Kündigung der tariflich vereinbarten Beschäftigungssicherung. VW-Betriebsräte und IG Metall laufen seit Anfang vergangener Woche Sturm gegen die Vorstandsbeschlüsse. Theoretisch ist es möglich, dass VW nun ab Mitte nächsten Jahres Kündigungen aussprechen kann. An den einzelnen Standorten herrscht dementsprechend Unruhe.
„Den Leuten jetzt die Ängste nehmen“
Herbert de Vries, stellvertretender Betriebsratschef in Emden, sagte nach dem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten: „Wir werden definitiv um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“ Es sei aber auch wichtig, wieder Ruhe in die Belegschaft zu bringen. Grund: Viele Familien seien in Schockstarre verfallen. „Wir müssen den Leuten jetzt die Ängste nehmen“, so de Vries.
Nach seiner Auskunft bespricht der Gesamtbetriebsausschuss (GBA) an diesem Mittwoch, also parallel zu Weils Besuch in Emden, wie in der verfahrenen Situation weiter vorzugehen ist. Ob es zu Streikmaßnahmen kommt, ist derzeit ungewiss. Möglich ist das, wenn die Arbeitgeberseite Teile eines Tarifvertrages kündigt. Und genau das ist am Dienstag geschehen.
Kein Kommentar vom Unternehmen
Veränderungen wird es im VW-Werk in Emden auch in personeller Hinsicht geben. Wie die „Wolfsburger Nachrichten“ schreiben, soll der Emder Werksleiter Uwe Schwartz Werksleiter in Wolfsburg werden. Schwartz ist seit Oktober 2019 Leiter von VW Emden. Bei Volkswagen gilt es als üblich, alle fünf Jahre den Managerposten zu wechseln. Für Schwartz bedeutet der Wechsel sicherlich einen beruflichen Aufstieg. In Emden sind knapp 8000 Menschen beschäftigt, in Wolfsburg mehr als 60.000. Er würde dort in Wolfsburg den Werksleiter Rainer Fessel ablösen.
Wolfgang Sebastian, Sprecher von VW Emden, wollte die Personalie gegenüber unserer Zeitung nicht kommentieren. VW in Wolfsburg lehnte gegenüber den „Wolfsburger Nachrichten“ ebenfalls eine Kommentierung ab. Wie zu erfahren war, soll es in der nächsten Woche eine offizielle Mitteilung geben. Wer auf Schwartz in Emden folgt, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen.
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