Osnabrück  Film der Woche: Cinema-Arthouse-Chef Christian Saßnick empfiehlt „Treasure“

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 11.09.2024 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ruth (Lena Dunham) ist mit ihrem Vater Edek (Stephen Fry) nach Polen gereist. „Treasure - Familie ist ein fremdes Land“. Ab Donnerstag, 12.09. neu in den Kinos. Foto: ©ANKE NEUGEBAUER / Seven Elephants GmbH
Ruth (Lena Dunham) ist mit ihrem Vater Edek (Stephen Fry) nach Polen gereist. „Treasure - Familie ist ein fremdes Land“. Ab Donnerstag, 12.09. neu in den Kinos. Foto: ©ANKE NEUGEBAUER / Seven Elephants GmbH
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„Beetlejuice Beetlejuice“ ist zwar der Blockbuster der Woche, aber Christian Saßnick, Chef vom Osnabrücker Kino Cinema Arthouse, empfiehlt „Treasure – Familie ist ein fremdes Land“ als Film der Woche.

Fünf neue Filme, darunter die Fortsetzung des Klassikers „Beetlejuice“ sowie ein Reboot des Kultfilms „The Crow“, sorgen in dieser Woche für jede Menge Abwechslung in den Kinos. Lesen Sie hier, wieso Christian Saßnick, Chef im Osnabrücker Cinema Arthouse, die Literaturverfilmung „Treasure – Familie ist ein fremdes Land“ empfiehlt.

Frage: Herr Saßnick, in Osnabrück starten in dieser Woche fünf neue Filme, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Welcher ist Ihr Favorit?

Antwort: Ich empfehle „Treasure – Familie ist ein fremdes Land“ von Julia von Heinz. Der Film wurde auf der Berlinale im Februar uraufgeführt und ist Heinz‘ erste internationale, englischsprachige Produktion.

Frage: Die beiden Hauptdarsteller Lena Dunham und Stephen Fry sind ja längst internationale Stars.

Antwort: Genau. Die vielseitige Schauspielerin, Regisseurin und noch viel mehr Lena Dunham ist ja gerade der jüngeren Generation durch die Serie „Girls“ bekannt. Und Stephen Fry ist sowieso ein Multikünstler. Man kennt ihn ja nicht nur als sehr guten Schauspieler, sondern auch als Schriftsteller, Regisseur, Autor, Comedian und mehr. Die beiden tragen den Film sehr stark.

Frage: Sie spielt die Tochter, er den Vater?

Antwort: Ja, es geht um eine Vater-Tochter-Beziehung. Die begeben sich 1991 auf eine Reise durch Polen in die jüdische Vergangenheit des Vaters. Das ist sehr sensibel und unaufdringlich erzählt. Diese Reise durch Polen ist von vielen Erinnerungen geprägt, aber auch von vielen Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen.

Frage: Die Rolle des Vaters ist so angelegt, dass er damals das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat?

Antwort: Ja, genau. Die Familie des Vaters musste damals auch ihr Haus aufgeben. Der Vater konnte damals fliehen. Aber das Erlebnis bleibt für ihn wie für alle Holocaust-Überlebenden traumatisierend. Seine Tochter hat ihn zu der Reise überredet. Dabei funktioniert der Film auf zwei Ebenen. Die eine spiegelt die Vater-Tochter-Beziehung wieder, mit all ihren mehr oder weniger üblichen Alltagskonflikten. Die zweite Ebene spiegelt die Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse wieder, die natürlich auch Jahrzehnte später noch ihre Wirkung zeigen. Für den Vater zum Beispiel, wenn er im Haus der Eltern, das heute von Fremden bewohnt wird, Spuren der eigenen Vergangenheit findet. Und natürlich der Weg in die Gedenkstätte Auschwitz. Die Verfolgung der Juden spielt immer auf dieser zweiten Ebene.

Frage: Auch wenn es um Trauer, Traumata und Auschwitz geht – der Film ist keine reine Tragödie, oder?

Antwort: Nein. Er hat auch viele komische Momente, die sich vor allen Dingen aus der Vater-Tochter-Beziehung ergeben.

Frage: Die Romanvorlage zu „Treasure“ hat ja den Titel „Zu viele Männer“ und stammt von der Australierin Lily Brett, deren Eltern ja tatsächlich die Vernichtungslager der Nazis überlebt haben.

Antwort: Ja, genau. Die Autorin Lily Brett hatte übrigens vor 18 Jahren hier bei uns im Blue Note eine Lesung gehabt!

Frage: Echt?

Antwort: Ja, und jetzt läuft bei uns der Film.

Frage: Und welche Note würden Sie dem Film geben?

Antwort: Eine Zwei. Mich hat vor allen Dingen seine leise, humorvolle, melancholische Art berührt.

Frage: Herr Saßnick, haben Sie vielen Dank!

Treasure – Familie ist ein fremdes Land. 110 Minuten. FSK ab 12. Filmtheater Hasetor.

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