Heißer Sommer an Ostfrieslands Küste  Rekordtemperaturen in der Nordsee

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 10.09.2024 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im zweiten Jahr in Folge liegen die Durchschnittstemperaturen in der südlichen Nordsee über dem langjährigen Schnitt. An Ostfrieslands Küste war das Wasser in den drei Sommermonaten um 1 Grad wärmer als sonst. Foto: Hanz
Im zweiten Jahr in Folge liegen die Durchschnittstemperaturen in der südlichen Nordsee über dem langjährigen Schnitt. An Ostfrieslands Küste war das Wasser in den drei Sommermonaten um 1 Grad wärmer als sonst. Foto: Hanz
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2023 war schon ein Rekordjahr bei den Temperaturen der Nordsee. 2024 wird offenbar ebenfalls ein Jahr der Temperaturrekorde: 14,9 Grad warm war das Nordseewasser im Sommer.

Ostfriesland/Hamburg - Auf ein überdurchschnittlich warmes Frühjahr folgte ein ebenso heißer Sommer: Das Wasser der deutschen Nordsee war im Juni, Juli und August 2024 im Mittel 14,9 Grad warm, die Wassertemperatur lag damit erneut über dem langjährigen Durchschnitt von 1997 bis 2021. Das hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg, Deutschlands Maritime Behörde, ermittelt.

In der südlichen Nordsee, im Bereich der ost- und westfriesischen Inseln, lag die Wassertemperatur in den drei Sommermonaten um etwa ein Grad höher als im langjährigen Schnitt, „was den Sommer in diesen Regionen zum drittwärmsten seit 1997 macht“, teilt das BSH mit. Auch westlich von Norwegen lagen die Temperaturen deutlich über dem Durchschnitt.

Satelliten, Stationen, Schiffe liefern Daten

Die Klimaexperten des BSH nutzen für die Temperatur-Auswertungen Satellitendaten, die mit Messungen von Stationen und Schiffen kombiniert werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren jede Woche die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee. Anhand der Wochenmittel im Juni, Juli und August berechneten sie das Sommermittel 2024 und verglichen es mit dem Sommermittel von 1997 bis 2021. Diese wöchentlichen Analysen bilden die Grundlage für saisonale und jährliche Langzeitvergleiche.

„Die Analyse der Oberflächentemperaturen in Nordsee und Ostsee liefert Einblicke in die regionalen Unterschiede und verdeutlicht die Erwärmung der Gewässer im Sommer 2024. Dies ist von großer Bedeutung für das Verständnis des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die Meeresumwelt“, erläutert BSH-Präsident Helge Heegewaldt.

An der „Helgoländer Straße“ läuft seit 1962 täglich die detaillierteste Langzeitüberwachung des Meeres. In den vergangenen 60 Jahren betrug die durchschnittliche Erwärmung des Wassers an der Helgoländer Straße 1,9°C, was etwa dem Doppelten der Erwärmung des globalen Ozeans entspricht. Foto: Esther Horvath/AWI
An der „Helgoländer Straße“ läuft seit 1962 täglich die detaillierteste Langzeitüberwachung des Meeres. In den vergangenen 60 Jahren betrug die durchschnittliche Erwärmung des Wassers an der Helgoländer Straße 1,9°C, was etwa dem Doppelten der Erwärmung des globalen Ozeans entspricht. Foto: Esther Horvath/AWI

Auch Ostsee-Wasser teilweise extrem warm

Insgesamt stuft das BSH den Sommer 2024 als den zehntwärmsten in der Nordsee ein und als den fünftwärmsten in der Ostsee seit 1997. In der Ostsee lagen die Temperaturen entlang der deutschen Küsten 0,5 bis 1,3 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Im Norden und Osten der Ostsee hingegen wurden teilweise extrem hohe Temperaturen von mehr als 2 Grad über dem langjährigen Durchschnitt gemessen. „Dabei handelt es sich teilweise um die höchsten Temperaturen, die in diesen Regionen jemals gemessen wurden“, so das BSH.

Seit den 1990er Jahren wird das Wasser immer wärmer

Dass die Nordsee zunehmend wärmer wird, belegen auch die Messreihen der Biologischen Anstalt Helgoland des Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Seit 1962 werden vor Helgoland nahezu täglich die Temperatur, der Salz- und Nährstoffgehalt sowie die Zusammensetzung des Planktons in der Deutschen Bucht bestimmt. „Die Deutsche Bucht hat insbesondere nach den 1990er Jahren einen erheblichen Temperaturanstieg erlebt“, sagt Prof. Karen Wiltshire, Direktorin der BAH. So zeigen die Daten neue Temperaturmuster: Im Sommer gibt es demnach deutlich mehr wärmere Tage und im Winter deutlich weniger extrem kalte Tage. Und höhere Temperaturen als erwartet treten nun auch früher im Jahr auf. „Die Nordsee erwärmt sich so schnell, weil sie ein Flachmeer ist, das von Landmassen umgeben ist wie eine große Pfütze“, so Wiltshire.

Auf Rekordjahr 2023 folgt Rekordjahr 2024

Tatsächlich war die Nordsee schon 2023 so warm wie nie. Im Schnitt war das Wasser der Nordsee knapp 11,9 Grad Celsius warm. Die höchste Wassertemperatur 2023 wurde am 12. September gemessen: 19,5 Grad. Und auch die ersten sechs Monate des Jahres 2024 gehörten im Mittel durchweg zu den „Top 10“ der jeweils wärmsten Monate seit 1962. Mehr noch: Der März 2024 war mit einer mittleren Wassertemperatur von 6,9 Grad sogar der wärmste März seit 1962. Bereits der Januar war mit Wassertemperaturen von rund 7,2 Grad der zweitwärmste gemessene Januar seit 1962.

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