Anwohner fühlen sich überrannt  Hat Greetsiel jetzt endgültig genug von den Touristen?

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 06.09.2024 11:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gut besucht und bei Touristen beliebt: das Fischerdorf Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv
Gut besucht und bei Touristen beliebt: das Fischerdorf Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv
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Der Tourismus belebt die Region, aber vielen Krummhörnern wird es zu viel. Besonders zwei Themen stoßen den Anwohnern bitter auf, wie eine Umfrage nun zeigt.

Krummhörn - Greetsiel ist beliebt, besonders bei auswärtigen Besuchern. Gerade in den Sommermonaten wimmelt das Fischerdorf von Urlaubsgästen und Tagestouristen. Vielen Krummhörnern ist das zu viel. Sie fordern von Touristikern und Verwaltung mehr Transparenz und Mitspracherecht bei der touristischen Entwicklung ihrer Region. Das geht aus einer gemeindeweiten Befragung hervor.

Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet einige der Touristen als störend, verlangt sogar, den Tourismus in der beliebten Ferienregion einzudämmen. Besonders die Greetsieler sind davon überzeugt, dass viel zu viele Touristen ins Dorf kommen. Sie haben viele Verbesserungsvorschläge für die Touristiker – die wollen nun daran arbeiten, passende Lösungen zu finden.

Veranstaltungen, wie hier das Weinfest, locken Urlauber und Einheimische gerade in den Sommermonaten nach Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv
Veranstaltungen, wie hier das Weinfest, locken Urlauber und Einheimische gerade in den Sommermonaten nach Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv

90 Prozent der Greetsieler klagen über zu viele Urlauber

Zur Erinnerung: Entsprechende Umfragekarten wurden im Frühjahr an alle Briefkästen in den 19 Ortschaften verteilt. Anwohner wurden gebeten, ihre Meinung zum Tourismus in der Region mitzuteilen. Anhand der Auswertung der Antworten von 798 Personen konnte die Masterstudentin Viviane Bouda von der Jade Hochschule Wilhelmshaven, die die Studie in Kooperation mit der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel durchführte, verschiedene eindeutige Erkenntnisse zur Stimmung der Krummhörner beim Thema Tourismus gewinnen. Die Umfrage ist dabei nicht repräsentativ, aber sie gibt Einblicke in die Haltung vieler Krummhörner zum Thema Tourismus. Die Ergebnisse liegen nun vor und sind wenig überraschend.

In der Krummhörn wird von rund 60 Prozent der Befragten die Menge der Touristen als zu hoch empfunden. Diese Zahl schießt in die Höhe, wenn man sich nur die Auswertung vom Touristenmagnet Greetsiel anschaut: Dort sind sich fast 90 Prozent der Befragten einig, dass zu viele Touristen in ihr Dorf kämen. Zum Vergleich: Im weniger von Touristen überrannten Pewsum gaben lediglich 17 Prozent der Befragten an, die Menge an Touristen als zu hoch zu empfinden. Fast die Hälfte der Befragten in Pewsum ist zufrieden mit der Anzahl an Touristen in ihrem Ort, rund 40 Prozent würden sogar noch mehr Touristen begrüßen wollen.

Touristen erschweren die Verkehrs- und Wohnsituation in der Krummhörn

Die große Überlast durch Touristen gerade in Greetsiel macht sich laut Angaben der Einwohner besonders in den Bereichen Wohnen und Verkehr bemerkbar. Vor allem das erhöhte Verkehrsaufkommen mit all seinen Folgen ist ein Thema bei den Krummhörnern. Der Mangel an Parkplätzen, gerade in der Hauptsaison, und auch das erhöhte Risiko für Staus auf den Straßen stößt auf Unmut bei vielen der Anwohner. Sie fordern, dass verschiedene Verbesserungsvorschläge, wie zum Beispiel Rabatte für Einheimische bei den Parkgebühren, von der Gemeinde umgesetzt werden. Auch eine bessere Steuerung und damit Entzerrung der Besucher sei wünschenswert, so die Befragten.

Ähnlich sieht es beim Thema Wohnen aus: Die Immobilienpreise seien zu hoch, Mietobjekte hingegen rar. Anwohner wünschen sich eine stärkere Kontrolle des Wohnungsmarktes sowie eine Steuerung von Bauprojekten. Auch ortstypischere Bebauungen für die Ferienregion fordern sie. Aber nicht nur die Preisanstiege für Einheimische durch die Touristen empfinden viele Krummhörner als negativ, auch einige der Touristen selbst werden von 60 Prozent der Befragten als störend wahrgenommen. Die Liste wird dabei angeführt von Tagestouristen und Besuchern mit Wohnmobil – jeder fünfte Krummhörner fühlt sich laut Umfrage durch diese Gruppen der Urlauber gestört, besonders in den Sommermonaten.

Krummhörner leben trotzdem gerne in ihrer Region

Aber es ist nicht alles schlecht: Denn gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass viele Menschen in der Krummhörn, besonders in Greetsiel, auch stark direkt oder indirekt vom Tourismus profitieren. Ferienwohnungen, Hotels, Gastronomie: Urlaubsgäste schaffen Arbeitsplätze. Das wissen auch die Krummhörner - fast alle der Befragten stimmen zu, dass der Tourismus wichtig für die regionale Wirtschaft sei. Gleichzeitig aber wünschen sie sich eine bessere Verteilung der Einnahmen: Das Geld wandere zu viel in andere Taschen, vornehmlich in die der Hoteliers und Gastronomen, finden 724 der 798 Befragten.

Drei Menschen aus Greetsiel gaben zwar an, sehr ungerne dort zu wohnen. Aber die Befragung macht auch deutlich, dass es den Krummhörnern allgemein sehr gut gefällt in ihrer Gemeinde. Fast 95 Prozent von ihnen lebt gerne dort. Auch die Aufwertung vom Image des Wohnortes durch die vielen Besucher wird von einigen Befragten als positive Konsequenz vom Tourismus hervorgehoben. Insgesamt gaben etwa dreiviertel der Befragten an, dass der Tourismus im Allgemeinen positiv für die Gemeinde sei.

Viele Verbesserungsvorschläge aus der Bevölkerung

Verbesserungsvorschläge haben die Einwohner trotzdem: Sie wünschen sich einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder auch die Sanierung der Radwege in der Region. Auch eine Erhöhung der Zweitwohnsteuer oder der Tourismussteuer wurde genannt. Und fast die Hälfte der Befragten wünscht sich insgesamt mehr Transparenz und auch Informationen über die Pläne der Gemeinde zum Thema Tourismus, sowie Lösungsansätze für die genannten negativen Effekte durch die vielen Besucher.

Nun liegt es an der Verwaltung und an den Touristikern, diese Lösungsansätze zu liefern. Angesprochen auf die Sorgen und auch Verbesserungsvorschläge der Krummhörner, betont Benjamin Buserath, Geschäftsführer der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel, dass man sich nun intern zusammensetzen wolle, um zu schauen, welche Themen die Krummhörner beschäftigen und welche Lösungen man finden könne. „Es war ja auch nicht das Ziel dieser Studie, sie jetzt einfach wieder in eine Schublade zu stecken“, so Buserath. „Stattdessen wollen wir jetzt, auch gemeinsam mit der Verwaltung, schauen, wo was geht und wo nicht.“ Außerdem sollen die Ergebnisse der Studie in der kommenden Woche für alle einsehbar auf der Webseite der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel erscheinen.

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