Hamburg Kokain-Handel: Ein starker Staat reicht im Kampf gegen Drogen nicht aus
Besonders der illegale Drogenhandel nimmt in Deutschland und Europa seit Jahren zu. Kartelle und Staat befinden sich im klassischen Katz- und Maus-Spiel. Doch ein Akteur des Milliardengeschäftes wird gerne vergessen: der Konsument.
BKA-Kontaktleute in Südamerika, Hafen-Allianzen, internationale Operationen: Deutschland und andere europäische Staaten fahren viel auf, um den illegalen Drogenhandel zu bekämpfen. Der Rauschgifthandel in Deutschland ist brutal, komplex – und für die Kriminellen lohnenswert.
Es gibt nicht die eine Kernorganisation, gegen die man vorgehen kann. In Europa und Deutschland verdienen Banden und kriminelle Clans kräftig an den Kokain-Milliarden mit. Der „nordamerikanische Markt ist gesättigt”, wie BKA-Chef Holger Münch sagt. Das große Kokain-Geld lässt sich in Europa verdienen. Die hohen Summen lassen Banden besonders brutal werden. Und die Behörden? Müssen jede einzelne Struktur kompliziert auseinandernehmen. Ja, die Ermittler müssen sich noch besser vernetzen und brauchen mehr Befugnisse, um den Kriminellen Paroli bieten zu können.
Doch das allein reicht nicht, solange Kokain hier auch in Mengen konsumiert wird. Es ist längst keine Reichen-Droge mehr. Es wird in den Clubs der großen und kleineren Städte konsumiert, es ist erschwinglich – doch der genaue Konsum bleibt ein Dunkelfeld. Selbst Abwasser-Analysen für die Ermittlungen von Drogenrückständen können laut der europäischen Drogenagentur EMCDDA nur einen Trend zeigen. Selbst die Analysen gibt es nicht flächendeckend, weil die Durchführung freiwillig ist und sich auch große deutsche Städte dabei gerne mal zurückhalten.
Im Privatbereich fehlen die großen Aufklärungskampagnen für Eltern und Kinder gleichermaßen. Offenbar ist es für viele immer noch unvorstellbar, wie einfach es selbst für Jugendliche dank Messenger-Diensten wie Telegram mittlerweile ist, auch an harte Drogen zu kommen.
Diese Ignoranz der Präventionsmaßnahmen lockt Menschen allen Alters in die Abhängigkeitsfalle – und bringt der Organisierten Kriminalität eben jenen Markt, den die Behörden an anderer Stelle so gerne ausrotten wollen.