Osnabrück China lässt Europäer zunehmend alt aussehen – auch in Afrika
Pekings Machthaber stocken ihre Investitionen in Afrika massiv auf. Chinas unaufhaltsamer Weg zur wirtschaftlichen Weltmacht führt auch über die Vormachtstellung im globalen Süden. Verliert der Westen den Anschluss?
Für europäische Ohren mag es befremdlich klingen, unverfroren gar, wenn Chinas Staatspräsident Xi Jinping dem Westen die Schuld für die marode Lage weiter Teile Afrikas gibt: „Der Prozess westlicher Modernisierung hat tiefes Leid über viele Entwicklungsländer gebracht“, sagte Xi zur Eröffnung des China-Afrika-Forums vor Staatsgästen aus rund 50 afrikanischen Ländern.
Tatsächlich ist alle Entwicklungshilfe, sind alle politischen und wirtschaftlichen Kooperationen des Westens in Afrika nie frei von Interessen gewesen – bis heute nicht. Nicht selten wurden afrikanische Partner übervorteilt. Droht der Kontinent nach Jahrhunderten der Ausbeutung nun aber nicht vom Regen in die Traufe zu geraten?
China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner Afrikas. Doch milliardenschwere Investitionen in große Infrastrukturprojekte – oft von chinesischen Firmen gebaut – gibt es nicht ohne Gegenleistung, da mag Präsident Xi noch sooft betonen, man agiere auf Augenhöhe und zum Wohle aller. Tatsächlich sichert sich Peking die Versorgung mit dringend benötigten Rohstoffen aus Afrika.
Und die wachsende Mittelschicht rückt als Absatzmarkt für Billigwaren aus China in den Fokus. Darunter leiden schon heute heimische afrikanische Unternehmen. Zudem setzt Peking auf den Rückhalt der Staaten auf internationaler Ebene, um so ein Gegengewicht zu den großen westlichen Wirtschaftsmächten aufzubauen.
In den nächsten drei Jahren will die Volksrepublik rund 50,7 Milliarden Dollar an Darlehen an afrikanische Staaten ausgeben. Auch die gibt es nicht umsonst. Manch betroffenes Land hat es inzwischen schwer, der von den chinesischen Gläubigern in Gang gesetzten Schuldenspirale zu entkommen. Chinesische Investitionen in Produktion oder Technologietransfer aber gibt es kaum.
Was Xi also gern als Win-Win-Austausch verkauft, erinnert zunehmend an einen Neokolonialismus chinesischer Prägung. Dem Westen ist mit der Volksrepublik in Afrika ein geopolitischer Konkurrent erwachsen, wie es vor Jahrzehnten kaum möglich schien.