Kolumne „Klare Kante“  Augenhöhe würde Söder schon reichen

Dieter Weirich
|
Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 05.09.2024 08:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Dieter Weirich
Dieter Weirich
Artikel teilen:

Droht in der Union ein Kampf um die Kanzlerkandidatur? Nein, glaubt unser Kolumnist – und erklärt, warum aus seiner Sicht an Friedrich Merz kein Weg vorbeiführt.

Personalpolitik findet immer die größte Aufmerksamkeit. Bevor zur Entscheidung der Unionsparteien für die Kanzlerkandidatur für die 2025 anstehende Bundestagswahl gepflegte Langeweile aufkommt, versucht die Mediendramaturgie, mit einem Spin eine Kontroverse zwischen CDU-Chef Friedrich Merz und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder herbeizuschreiben.

Nahrung für solche Spekulationen gibt freilich Söder selbst, wenn er betont, das Amt des Regierungschefs in Bayern sei zwar das schönste überhaupt, um aber gleichzeitig zu betonen, er würde sich auch vor einer Kanzlerkandidatur nicht drücken, wenn er von der CDU gerufen werde. Ja, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre...

Die CDU denkt nicht daran, Söder zu rufen. Noch ist die destruktive Schlacht bei der letzten Wahl mit Armin Laschet, den Söder heute „als den schlicht und ergreifend falschen Kandidaten“ bezeichnet, unvergessen. Der narzisstische Franke weiß das genau, ihm geht es nur darum, bei der Nominierung des Kanzlerkandidaten Augenhöhe zu demonstrieren. Wenn er schon nicht selbst Bewerber für dieses Staatsamt sein kann, will er wenigstens als Königsmacher wahrgenommen werden.

Die Wahrheit ist: An Merz, dessen Sympathiewerte freilich bescheiden sind, führt kein Weg mehr vorbei. Die „Krönungsmesse“ für den Partei und Bundestagsfraktion führenden Sauerländer ist für die Zeit nach der Landtagswahl am 22. September in Brandenburg vorgesehen.

Die landespolitischen Entscheidungen in Thüringen und Sachsen werden die Union zwar in schwierige Debatten über Brandmauern und Unvereinbarkeitsbeschlüsse bringen, Merz im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer aber nicht den politischen K.-o. versetzen. Er wird die Landesparteien an der langen Leine führen und erst eingreifen, wenn der Union ein schwerer Vertrauensverlust drohen sollte. Grundlegend veränderte politische Zeiten verlangen, über alte Schatten zu springen und Regierungsfähigkeit zu sichern.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Zur Person

Dieter Weirich (79), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.

Ähnliche Artikel