Umschlag von Kriegsgerät Emdens Bedeutung für Bundeswehr und Nato
Der Emder Hafen ist ein wichtiger Umschlagplatz für Militärfahrzeuge – nicht nur bei Nato-Übungen. Ein Blick auf die Geschichte und aktuelle Entwicklungen.
Emden/Ostfriesland - Militärfahrzeuge in großer Zahl trifft man in Deutschland nicht ganz so häufig auf der Straße. Dennoch rollen vor allem auch die Fahrzeuge ausländischer Armeen immer wieder durch Ostfriesland. Der Grund: der Emder Hafen. Auch in den kommenden Septembertagen werden in zwei Zeiträumen bis zu 70 britische Militärkonvois vom Hafen aus zu ihrem Ziel starten.
Im April gab es ein ähnliches Bild: Wegen der Nato-Übung „Steadfast Defender“ kamen rund 1000 britische Jeeps, Lastwagen und Panzer in Emden an. Gleichzeitig steuerte die Bundeswehr den ostfriesischen Hafen an, um ihre Übungsteilnehmer mit dem erforderlichen Gerät in Richtung Norwegen zu verschiffen. Im Juni dieses Jahres erfolgte dann die Rückverlegung von Teilen der britischen „Steadfast Defender“-Teilnehmer, erneut teilweise über Emden.
Emden nicht nur bei Übungen gefragt
Ein paar weitere Beispiele: 2018 wurde Emden als Umschlagsplatz für die Nato-Übung „Trident Junction“ genutzt. Aber nicht nur für Übungszwecke wird Emden als Umschlagplatz genutzt. Im Februar 2022 wurde militärisches Gerät der Briten in Emden umgeschlagen. Hintergrund war die Nato-Operation „Iron Surge“. Das Vereinigte Königreich brachte dafür Gerät nach Deutschland und verlagerte gleichzeitig Fahrzeuge und Mannschaft über Emden nach Estland.
In der Imagebroschüre für den Emder Hafen wirbt Hafenbetreiber N-Ports sogar mit „sicheren Bereichen für den Umschlag von Gefahr- und Militärgütern“. 2003, während des Irak-Kriegs, nutzte die britische Armee den Emder Hafen beispielsweise als Umschlagsplatz.
Emden: Rolle im Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan
Auch beim Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan spielte Emden eine Rolle. So kamen im August 2013 beispielsweise 127 Bundeswehr-Fahrzeuge in Emden an. Das Transportschiff kam aus der türkischen Hafenstadt Trabzon. „Der Heimtransport von Fahrzeugen und Ausrüstung per Schiff von der Türkei aus ist wesentlich billiger als ein Lufttransport von Afghanistan direkt nach Deutschland.
Waffen werden nicht über die Türkei in die Bundesrepublik transportiert; Panzerhaubitzen und anderes Kriegsgerät gehen direkt per Flugzeug nach Deutschland“, berichtete damals die Nachrichtenagentur AP.
Militärtransporte über Emden im Zweiten Golfkrieg
Die frühesten Einträge zu militärischem Umschlag in Emden finden sich bei der Deutschen Presseagentur (DPA) im Jahr 1990: „Die britischen Streitkräfte am Persischen Golf werden weiter verstärkt: Bei den in Ostwestfalen stationierten Einheiten der Rheinarmee laufen die Vorbereitungen für den Einsatz am Golf auf Hochtouren. Ein Teil der Soldaten der ‚16/5 The Queen’s Royal Lancers‘ in Herford hat bereits den Marschbefehl in der Tasche. Am Mittwoch soll es auf die Reise gehen – per Bahn zum Nordseehafen Emden und von da aus in Richtung Saudi-Arabien“, so die DPA am 27. November 1990.
Ein weiterer Militärtransport ging Anfang des Jahres 1990 an Emden vorbei: Der Abtransport amerikanischer chemischer Waffen erfolgte über Nordenham im Landkreis Wesermarsch.
Der Zweite Golfkrieg beschäftigte Emden 1991 wieder: „Ein Teil des Landeshafens in Emden steht vorläufig unter NATO-Hoheit. Grund ist der Umschlag von Militärgütern für die US-Streitkräfte am Golf“, berichtete die DPA am 7. Februar 1991. Da hier nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Munition verladen wurde, gab es Protest: „Rund 500 Menschen haben am Samstag in Emden gegen die Verladung von Munition im Emder Binnenhafen für die Streitkräfte am Golf protestiert. Dabei kam es nach Polizeiangaben zu einigen gewalttätigen Aktionen von Autonomen. Sie hätten aus dem Demonstrationszug heraus mit Zwillen Fensterscheiben zerstört und Gebäude sowie Polizeifahrzeuge mit Farbbeuteln beworfen, berichteten die Beamten“, berichtete die DPA am 16. Februar 1991.
NVA-Panzer und Schiffe der BRD-Marine
Aber nicht nur logistisch spielt und spielte Kriegsgerät in Emden eine Rolle. Nicht nur war die Stadt von 1962 bis 1997 Marinestützpunkt. Die Thyssen Nordseewerke, in ihrer Hochzeit eine der größten deutschen Marinewerften, versuchte vor rund 30 Jahren, sich auch um landgebundenes Kriegsgerät zu kümmern. 1991/92 wollte man zusammen mit der Verwertungsfirma Evert Heeren aus Leer in das Entmilitarisierungs-Geschäft einsteigen und Kampf- sowie Schützenpanzer sowjetischer Fertigung aus den Beständen der ehemaligen „Nationalen Volksarmee“ (NVA) der DDR abrüsten. Ende Januar 1992 wurde zu Testzwecken ein DDR-Kampfpanzer des Typs „T 55“ entmilitarisiert, also unbrauchbar gemacht, berichtete die DPA. Ob die Nordseewerke den Auftrag schlussendlich bekamen, ließ sich aktuell nicht mehr nachvollziehen.
Bevor die Nordseewerke nach mehreren Besitzer- und auch Namenswechseln 2022 endgültig insolvent gingen, blieb man dem Militär treu. 2008 wurden beispielsweise zwei U-Boote der Marine hier repariert – nachdem sie rund 30 Jahre zuvor auch in Emden von den Nordseewerken gebaut wurden.
Für die Marine bleibt Emden als Werftstandort weiter wichtig: Die Emder Werft EWD repariert schon länger regelmäßig Fregatten der Bundesmarine in Emden.
Weitere Meldungen der DPA aus der Vergangenheit
- März 1991: Alliierte bringen technisches Gerät aus der Golfregion zurück
- Februar 1994: Deutsche Blauhelmsoldaten beenden Einsatz im somalischen Belet Uen; vier zivile Transportschiffe bringen Material nach Emden
- Juni: 1995: Britische Brückenlegepanzer und Minenräumgerät wird über Emden nach Bosnien verschifft (UN-Mandat)
- Juli 1995: Bundeswehr verschifft Lazarett für Bosnien-Truppen über Emden
- Dezember 1995: Briten bringen Militärfahrzeuge von Emden nach Bosnien
- Juli 1996: Britisches Militärgerät aus Bosnien in Emden entladen
- Dezember 1996: Bundeswehrfahrzeuge für SFOR-Einsatz in Emden verladen
- Februar 1999: Britische Streitkräfte entsenden 200 Soldaten in den Kosovo; technisches Gerät über Emden verschifft
- September 1999: Großübung britischer Streitkräfte in Emden und Lingen