Osnabrück Analysten: Neue EU-Emissionsziele treffen VW härter als andere
2025 müssen Europas Autobauer den CO₂-Ausstoß ihrer Flotten senken, ansonsten drohen Strafen. Die Schweizer Großbank UBS sieht vor allem VW schwer in der Bredouille – und erwartet einen Preiskrieg bei E-Autos.
Wenn im kommenden Jahr die EU-Flottengrenzwerte für den CO₂-Ausstoß von Pkw und Transportern sinken, könnte es für Autobauer sehr teuer werden. Wie teuer, hat die Schweizer Großbank UBS in einer Analyse errechnet. Insbesondere Volkswagen stehen demnach noch härtere Zeiten bevor.
Gelinge es dem zweitgrößten Autobauer der Welt nicht, europaweit seinen E-Auto-Anteil auf 25 Prozent nahezu zu verdoppeln, wird er den Emissionsgrenzwert nicht erreichen, heißt es dort. Und selbst wenn es – etwa durch Rabatte – gelingen sollte, den Absatz von E-Autos so zu steigern, dass die EU-Vorgabe erreicht werde, komme dies VW teuer zu stehen, schreiben die UBS-Analysten. Die Einbußen taxieren sie auf rund 10 Prozent des operativen Ergebnisses, etwa 2,1 Milliarden Euro. Dies käme den Konzern allerdings immer noch günstiger zu stehen als die bis zu 6 Milliarden Euro, die an Strafe drohen, sollte die Flottenemission der Wolfsburger auf dem Niveau von 2023 verharren.
Auch andere europäische Autobauer müssten ihre Verkaufszahlen bei Elektroautos steigern, wenn auch weniger dramatisch als VW, heißt es in der Analyse. So müssten BMW und Opel-Mutter Stellantis 3 Prozent mehr Stromer absetzen, Mercedes 6 Prozent. Klassenprimus ist in Europa Volvo – die Schweden könnten sich, zumindest was die Emissionswerte betrifft, demnach sogar einen Absatzknick von 12 Prozent leisten.
Während die UBS-Experten bei BMW eine Modellstrategie erkennen, die die Einhaltung des Grenzwerts erreichbar machen, habe VW als einzigen möglichen Absatztreiber den ID.7 zu bieten. Eine Alternative zur Erreichung der Flottenziele sehen die Analysten für Volkswagen darin, Flotten-Pools mit anderen Herstellern zu bilden – allerdings seien nur Volvo oder Tesla groß genug, um die große Lücke zwischen den aktuellen und den nötigen Emissionswerten zu schließen.
Da die Hersteller mithin also gezwungen sind, ihre Abverkäufe schnell zu steigern, erwarten die UBS-Analysten bereits im kommenden Jahr einen „Preiskrieg 2.0“ auf dem E-Auto-Markt. Insbesondere VW müsse seine Modelle „aggressiv“ auf den Markt bringen, heißt es. Anlegern rät die Großbank allerdings, VW-Anteile eher zu verkaufen.