Witzige Reaktionen  Stadt Emden will von Bürgern wissen, wo die Ratten hausen

Mona Hanssen
|
Von Mona Hanssen
| 31.08.2024 08:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Ratte lässt sich am Delft in der Nähe der Blauen Brücke nur wenig von den Spaziergängerinnen einschüchtern. Foto: Hanssen
Die Ratte lässt sich am Delft in der Nähe der Blauen Brücke nur wenig von den Spaziergängerinnen einschüchtern. Foto: Hanssen
Artikel teilen:

Auf Facebook und Instagram fragt die Stadt Emden, wer wo eine Ratte gesehen hat. Die Leute sollen sich beim Ordnungsamt melden. Viele Kommentatoren liefern aber direkt witzigste Antworten.

Emden - „Ratte gesehen? Wir sagen euch, was zu tun ist“, heißt es auf einem Foto der Stadt Emden, das am 29. August 2024 bei Facebook gepostet wurde. Die Emderinnen und Emder werden in dem Beitrag dazu aufgerufen, sich bei Rattensichtungen - insbesondere am Tag - beim Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt zu melden. „Um die Rattenpopulation in Emden weiterhin eindämmen zu können, sind wir auf eure Meldungen angewiesen“, heißt es dort weiter.

Eine Ratte schaut bei der Straße „Am Hundepfad“ aus einem Guckloch. Foto: Privat
Eine Ratte schaut bei der Straße „Am Hundepfad“ aus einem Guckloch. Foto: Privat

Man soll dafür eine Telefonnummer (04921/872156) anrufen. Doch erwartungsgemäß suchen Facebook-Nutzer den direkten Draht - über die Kommentarfunktion. Und ebenso erwartbar sind die Kommentare teilweise sehr unterhaltsam. Ratten werden demnach von Kindern schon zum Streicheln angelockt, laufen die Mauern hoch und erfreuen sich in Emden insgesamt ihres Luxuslebens. Selbst bei Instagram, wo gewöhnlich wenig kommentiert wird, fühlen sich viele zum Antworten gezwungen. Aber lesen Sie selbst.

Dreistes Rattentier in Barenburg?

Der Stadtteil Barenburg scheint ein beliebter Ratten-Wohnort zu sein. Zumindest schreibt eine Nutzerin: „Pauschal gesagt, halb Barenburg! Die hüpfen hier fröhlich aus den Gullis raus!“ Ein anderer Nutzer antwortet direkt: „Pauschal gesagt ganz Emden.“ In der Ludwig-Uhland-Straße in Barenburg sollen die Tierchen einer Nutzerin zufolge schon die Mauern hochlaufen. In der Hermann-Allmers-Straße nisten sie offenbar unter Treppen und auch auf dem Parkplatz vom Edeka scheinen sie gerne zu verkehren.

„Massenhaft am Blumenpavillion und am Spielplatz gegenüber“, schreibt eine Nutzerin bei Instagram. „Alles voll, am helllichten Tag laufen die dir über die Füße und fressen das Katzenfutter, was die alte Dame dort 2 mal am Tag verteilt“, ergänzt eine andere zum Blumenpavillon.

Zwei Ratten tummeln sich am helllichten Tag in der Nähe beim Blumenpavillon in Barenburg. Foto: Hanssen/Archiv
Zwei Ratten tummeln sich am helllichten Tag in der Nähe beim Blumenpavillon in Barenburg. Foto: Hanssen/Archiv

Beliebter Ratten-Treffpunkt: Wall

Aber auch Port Arthur/Transvaal und Borssum scheinen beliebte Ratten-Wohnorte zu sein. „Traansvaal alle Straßen vorm Arbeitsamt. Laufen auch am Tag durch die Straßen“, schreibt eine Nutzerin bei Facebook. In der Innenstadt leben dann aber die wahren Ratten-Rebellen.

„Auf dem Wall mehrfach den Weg gekreuzt, tagsüber Höhe Tennisplatz und Höhe Festspielhaus/Hinter Tief“, kommentiert ein Nutzer bei Instagram. „Auf dem Wall! Von der Johannamühle bis zur Ampel Auricher Str. Laufen da einfach rum und wenn man mit dem Rad angefahren kommt, bleiben sie stehen und gucken einen noch frech an“, ergänzt eine Nutzerin.

Bentinkshof: Ziel für Ratten-Tagesausflüge

„Vielleicht einfach mal über den Bentinkshof spazieren. Da winken die Viecher schon ein freundliches Moin zu!“, meint eine andere. „Mittlerweile kommen die Viecher an den Händen vereint vom Wall rüber und machen Tagesausflüge durch die Gärten. Mit tollen Pausenstopps bei den Glaascontainern und Mülleimern“, heißt es von einer anderen ebenfalls zum Bentinkshof.

Ups, schnell eine Stufe höher: Am Delft läuft eine Ratte vor den OZ-Redakteurinnen Lotta Groenendaal (links) und Hannah Weiden entlang. Foto: Hanssen
Ups, schnell eine Stufe höher: Am Delft läuft eine Ratte vor den OZ-Redakteurinnen Lotta Groenendaal (links) und Hannah Weiden entlang. Foto: Hanssen

Bei der Lookvenne in der Innenstadt schauen die Ratten offenbar aus den Containern und „freuen sich ihres Lebens“, schreibt eine weitere. „Spielplatz Stephansplatz! Da haben neulich sogar Kinder versucht, die anzulocken und zu streicheln!“, hat eine Facebook-Nutzerin beobachtet.

Emden schlimmer als Hameln?

„Wenn ich lese, wo es in Emden überall Ratten gibt, scheint Emden Hameln zu übertreffen“, schreibt eine Nutzerin und liefert direkt die Erklärung: „Wenn ich sehe, wo überall Essensreste und Müll hingeworfen wird, wundert mich das nicht. Ich würde als Ratte auch dahin ziehen, wo gutes Futter auf der Straße, im Gebüsch oder auf der Wiese liegt.“

Klar ist: Das „Rattenproblem“ ist menschengemacht. Am Wall beispielsweise werden oft verbotenerweise Enten gefüttert - etwa beim Mühlenspielplatz. Das lockt Ratten an. Bei den Mülleimern am Wall wird oftmals Hausmüll entsorgt und das mitunter tütenweise neben den Eimern, ebenso bei Altglascontainern. In Barenburg haben viele große Mehrparteienhäuser einen gemeinsamen Müllcontainer, das sorgt mitunter für Vermüllung drumherum.

„Wie wäre es, wenn wir, statt die Ratten zu bekämpfen, unseren Abfall sinnvoll und fachgerecht entsorgen würden? Die Stadt könnte das z.B. fördern, in dem sie endlich die vollkommen unsinnigen gelben Säcke abschaffen und durch Nagetier- und Vogel-sichere Tonnen ersetzt“, schreibt auch ein Instagram-Nutzer. Regelmäßig bekämpft die Stadt die Nager mit Giftködern etwa in der Kanalisation. Das Gift sorgt für einen qualvollen Tod, bekämpft aber die Ursache nicht. Die Stadt weist deswegen bei Social Media auch daraufhin, dass Müll ordnungsgemäß in Behältern gelagert werden soll. Auf den Komposthaufen kommen nur Gartenabfälle, keine Speisereste. Auch über die Toilette werden keine Speisereste entsorgt.

Ähnliche Artikel