Fragen nach Vereinsauflösung Tierheim Stapelmoor – wie geht es dort nun weiter?
Der Tierschutzverein Rheiderland löst sich auf. Wie geht es beim Tierheim weiter? Wer leitet es? Wer kümmert sich? Das sind die Antworten auf die drängendsten Fragen.
Weener - Die Nachricht, dass der Tierschutzverein Rheiderland sich auflösen wird, schlug ein. Die Sorge um die Tiere machte in den sozialen Netzwerken sofort die Runde. Wie soll es mit ihnen weitergehen? Direkt nachdem die Nachricht publik wurde, haben die Verantwortlichen zu einem Pressetermin eingeladen. Die scheidende Vereins-Vorsitzende und Tierheimleiterin Iris Holzapfel, Xenia Nording von der Stadt Weener und Matthias Matthias Heyen von der Stadt Papenburg erklären, wie es für die Tiere weitergeht und andere wichtige Fragen.
Wieso wird der Tierschutzverein aufgelöst?
Es hatte sich seit mehreren Monaten angekündigt, nun ist es beschlossene Sache: Bei der Mitgliederversammlung am 28. August 2024 fiel die Entscheidung bei einer Enthaltung einstimmig für die Auflösung. Es hatte sich niemand für einen Vorstandsposten gefunden, erklärt Holzapfel. Von den rund 170 Mitgliedern waren 23 bei der Versammlung.
Ende des Vereins: Wie empfindet die Vorsitzende diesen Schritt?
Positiv. „Eigentlich bin ich froh und dankbar, dass diese Lösung herbeigeführt worden ist. Wir haben erlebt, wie sich Vorstände gebildet und nach kurzer Zeit wieder aufgelöst haben. Es muss Kontinuität rein, das ist auch für die Tiere gut“, sagt Holzapfel. Sie ist seit 1998 Vorsitzende des Vereins. Ab dem 1. Oktober ist sie nun „offiziell Rentnerin“, so die 66-Jährige. Aber: „Zum Glück hat sie angeboten, uns mit ihrem Rat zur Seite zu stehen, wenn dies nötig wird“, so Heyen. „Und das wird es sicherlich so kommen.“
Wie geht es mit der Leitung des Tierheimes weiter?
Es sieht gut aus: „Wir sind in Gesprächen mit einer designierten Tierheimleitung. Wir sind zuversichtlich, dass der Tierheimbetrieb somit ab dem 1. Oktober nahtlos weitergeführt wird“, erklärt Matthias Heyen von der Stadt Papenburg. Er und Xenia Nording von der Stadt Weener sind als sogenannte „Liquidatoren“ bestellt. Das heißt, dass sie sich um die Auflösung des Vereines und den verwalterischen Aufwand, der damit einhergeht, kümmern werden. Mindestens zwölf Monate wird die Phase der Auflösung andauern. „In dieser Zeit wird die neue Tierheimleitung aus Vereinsmitteln weiter bezahlt“, so Heyen.
Gesetzliche Vorgabe ist allerdings, dass der Betrieb sukzessive auf „Null“ gefahren und das Vereinsvermögen verwertet wird, teilen die Verantwortlichen mit.
Wie geht es mit der Aufnahme von Tieren weiter?
Im Grunde wie bisher, denn „Abgabetiere konnten wir schon länger nicht mehr aufnehmen“, erklärt Holzapfel. Die Kapazitäten seien nicht da. „Ähnlich wie bei allen Tierheimen. Teilweise bekommen wir Anrufe aus Bayern von Personen, die ihren Hund abgeben wollen“, sagt sie. Die derzeitige Katzenschwemme komme noch hinzu.
Wegen der Auflösung des Vereines ist es jetzt allerdings gesetzlich so geregelt, dass keine Abgabetiere mehr aufgenommen werden dürfen. Lediglich Fundtiere der Städte Weener und Papenburg sowie der Gemeinden Bunde und Jemgum werden weiterhin im Tierheim versorgt.
Soll es wieder einen Tierschutzverein geben?
Ja. Generell ist es so: Vier Kommunen – Weener, Bunde, Jemgum und Papenburg – haben Verträge mit dem Tierschutzverein zur Unterbringung und Versorgung der Fundtiere. Das bleibt auch erstmal so. Da der Verein in der Liquidationsphase weiter besteht, tun dies auch die Verträge. Der Plan sieht dann so aus, dass die vier Kommunen das Tierheim als Gemeinschaftsaufgabe weiterführen. Parallel werden Gespräche mit den Landkreisen Leer und Emsland geführt. Diese sind die Ansprechpartner für den Tierschutz.
Aber: Die Vertragskommunen sind „nur“ für die Unterbringung der Fundtiere zuständig, also bleibe es sinnvoll, eine neue Vereinsstruktur aufzubauen. „Ohne eine ehrenamtliche Struktur geht es nicht. Dem wollen wir natürlich einen Raum geben“, erklärt Xenia Nording. Allerdings solle – wenn der genaue Ablauf natürlich noch nicht klar sei – der Verein vom Tierheimbetrieb getrennt werden. „Es ist eine kaum zu bewältigende Herkulesaufgabe, solch einen Betrieb zu stemmen“, so Nording.
Wie sind die nächsten Schritte?
„Erstmal müssen wir uns einen Überblick verschaffen“, da sind sich Heyen und Nording einig. Wichtig sei aber, die Nachricht zu verbreiten, dass alles daran gesetzt werde, dass es weitergehe. „In diesem Jahr müssen wir verwalten, im nächsten Jahr wollen wir gestalten“, fasst es Nording zusammen.
Alle Pläne, wie es weitergehen werde, hingen natürlich zunächst einmal von den politischen Entscheidungen in den vier Kommunen ab. Aber: „Es ist nicht der Tod des Tierschutzes vor Ort“, beruhigt Heyen. Natürlich sei nichts – und damit auch eine Schließung des Tierheimes unmöglich – „aber wir werden alles tun, um es ‚am Netz‘ zu halten“, sagt er. Dabei sei man für jede Hilfe dankbar. „Ehrenamtliches Engagement war in der Vergangenheit wichtig und wird es bleiben. Auf der Homepage wird es in Kürze ein entsprechendes Formular geben, über das man mitteilen kann, wie man helfen möchte.“
Ab Mitte September wollen Heyen und Nording dann regelmäßig als Ansprechpartner im Tierheim anzutreffen sein. Infos darüber und über alle weiteren Schritte sollen ebenfalls auf der Homepage des Tierheims zu sehen sein – ebenso in den sozialen Netzwerken.