Nach Angriffen aus Gruppen  Wie sicher ist Emden?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 28.08.2024 13:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Polizei musste in den vergangenen Wochen zu mehreren Vorfällen von Gewalt aus Gruppen ausrücken. Die Wählergemeinschaft GfE will nun wissen, wie sicher ist Emden? Symbolfoto: Pixabay
Die Polizei musste in den vergangenen Wochen zu mehreren Vorfällen von Gewalt aus Gruppen ausrücken. Die Wählergemeinschaft GfE will nun wissen, wie sicher ist Emden? Symbolfoto: Pixabay
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Nach drei Vorfällen mit Gewalt aus Gruppen scheint das Sicherheitsempfinden in Emden gestört. Die Wählergemeinschaft GfE fordert Antworten von der Stadt. Wir haben uns die Kriminalstatistik angesehen.

Emden - In Emden dreht sich die Frage erneut oder weiterhin um die öffentliche Sicherheit in der Stadt. Nach einigen politischen Diskussionen und vielen Stadtgesprächen nach einer Ballung von Gewalttaten im Sommer 2023 nimmt das Thema jetzt wieder neue Fahrt auf. Die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE), die im Rat sitzt, hat am Dienstag, 27. August, einen Antrag bei der Stadtverwaltung gestellt. Darin fordern sie „aufgrund der Ereignisse ein verbessertes Sicherheitskonzept für den öffentlichen Raum“. Hintergrund der Forderung seien „die seit Wochen stattfindenden Gewalttaten von Gruppen gegen einzelne Personen in unserer Stadt“, schreibt Michael Martens für die GfE.

Im Park am Burgplatz wurde ein 57-Jähriger von Jugendlichen angegriffen. Foto: Hanssen/Archiv
Im Park am Burgplatz wurde ein 57-Jähriger von Jugendlichen angegriffen. Foto: Hanssen/Archiv

In dem Schreiben, das auch an diese Zeitung geschickt wurde, bezieht er sich auf den Vorfall mit etwa 30 Personen, die sich Ende Juli nachts auf dem Neuen Markt getroffen hatten - augenscheinlich mit dem Ziel eine Person aus einem nahegelegenen Mehrparteienhaus zu konfrontieren. Gegen die Männer wird wegen Landfriedensbruchs ermittelt. Am 17. August war außerdem ein 57-jähriger Mann von Jugendlichen im Burgplatz-Park angegriffen worden. Die Polizei sucht hierzu Zeugen. Zuletzt nennt er den Vorfall mit einem 29-Jährigen, der aus einer Gruppe von 20 Jugendlichen heraus beim Jugendzentrum Alten Post und am Bahnhofsplatz angegriffen wurde.

Der Blick von der Nottreppe des Bunkermuseums auf die abendliche Stadt. Foto: Hanssen
Der Blick von der Nottreppe des Bunkermuseums auf die abendliche Stadt. Foto: Hanssen

GfE zweifelt Wirksamkeit der City-Streife an

Diese Taten seien „nicht hinnehmbar und zeigen gleichzeitig, dass das bisherige Sicherheitskonzept mit der Citystreife so nicht greift und unbedingt überarbeitet werden muss“, schreibt Martens. Erst seit dem 1. März ist eine neue Firma mit der City-Streife in Emden beauftragt. Die Stadt hatte sich von dem vorigen Unternehmen getrennt, weil es mehrfach Kritik an der Arbeitsweise gab. Die Stadt hatte eine private City-Streife im Jahr 2013 als Modellversuch eingeführt und später verstetigt. Zunächst waren die Einsätze auf das Frühjahr und den Sommer beschränkt, seit 2017 sind die Patrouillen ganzjährig an Wochenenden und an bestimmten Feiertagen abends und nachts in der Innenstadt unterwegs.

Ein privates Sicherheitsunternehmen ist bei einem Konzert am Neuen Markt in Emden im Einsatz. Die GfE kritisiert die City-Streife. Foto: Hanssen/Archiv
Ein privates Sicherheitsunternehmen ist bei einem Konzert am Neuen Markt in Emden im Einsatz. Die GfE kritisiert die City-Streife. Foto: Hanssen/Archiv

„Wir fordern daher Herrn Oberbürgermeister Kruithoff auf, mit der Polizei und anderen öffentlichen Organisationen nach wirksameren Lösungen zu suchen“, schreibt die GfE. Die Fraktion will wissen: Was wird die Stadt Emden unternehmen um die Sicherheitslage in Emden zu verbessern? Ist das bisherige Sicherheitskonzept auf Gruppenkriminalität ausgelegt? Außerdem wolle man im zuständigen Ratsausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice einen detaillierte Sachstandsberichte zur aktuellen Sicherheitslage in Emden und der Arbeit der Citystreife. Der Ausschuss kommt erst am 23. Oktober zusammen. Naheliegend ist, dass dann Frida Sander, seit diesem Jahr Leiterin des Polizeikommissariats Emden und beratendes Mitglied in dem Ausschuss, etwas sagen wird. Im vergangenen Jahr hatte sich noch Arno Peper, damaliger Polizeichef, zu der Sicherheitsfrage in dem Ausschuss geäußert.

Zahl der Körperverletzungs-Delikte schwankt

Als im vergangenen Sommer die Diskussion um die Sicherheitslage aufkam, war diese auch im zuständigen Ratsausschuss besprochen worden. Denn: Innerhalb von rund zwei Monaten war das Van-Ameren-Bad angezündet und in Schulen eingebrochen worden. Ein Ehepaar wurde nachts in der Innenstadt durch einen Angreifer schwer verletzt. Ein Mann hatte mit einem Messer an einem Sonntagnachmittag in der Innenstadt hantiert, so dass Polizeibeamte Warnschüsse abgaben. An der Herrentorschule war ein Schüler durch ein Messer verletzt worden. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hatte sich in einem Video an die Emderinnen und Emder gewandt und davon gesprochen, dass das subjektive Sicherheitsgefühl gestört worden sei.

Wenn man sich die Anzahl der Körperverletzungsdelikte, die bei der Polizei angezeigt wurden, anschaut, dann fällt auf: Es gibt starke Schwankungen. Das hatte auch schon der damalige Polizeichef Arno Peper im Ausschuss gesagt. Die Tendenz sei aber nicht, dass es stetig schlechter werde. Er sprach davon, dass objektiv betrachtet die Stadt nicht unsicherer sei als sonst. Im Jahr 2021 hatte es 323 Fälle von Körperverletzung in Emden gegeben, lässt sich der Kriminalstatistik entnehmen. 2022 waren es 416 Fälle und 2023 dann 516 Fälle. Steigt also, möchte man argumentieren. Allerdings: 2016 gab es 577 Fälle von Körperverletzung, 2017 dann 442, 2018 waren es 436 und 2019 dann 393 Fälle. Es gibt also ein stetes Auf und Ab.

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