Hamburg Wann spricht man von Attentat, Anschlag, Amok oder Terror?
Immer wieder gibt es Berichte über Angriffe, bei denen Menschen verletzt oder sogar getötet werden. Bei der Einordnung solcher Vorfälle stößt man oft auf verschiedene Begriffe: Mal ist von einem Attentat die Rede, mal von einem Anschlag. Wo liegt der Unterschied?
Wenn es zu einem ungeheuren Angriff wie zuletzt die tödliche Messerattacke in Solingen kommt, schwirren viele Schlagworte wie Attentat, Anschlag oder Amoktat durch die Medienwelt und die sozialen Netzwerke. Hin und wieder werden sie sogar als Synonyme verwendet. Auch wenn die Übergänge manchmal fließend sind, gibt es auch Faktoren, mit denen sich die Begriffe voneinander abgrenzen lassen.
Nach Definition der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sind bei einem Attentat oft eine oder mehrere prominente Personen beziehungsweise Personen der Öffentlichkeit das Angriffsziel. Hinter einem Attentat kann ein Einzeltäter stehen, aber auch eine Gruppe oder eine Organisation.
Das Wort stammt vom lateinischen Wort „attentatum“ ab, was „versuchtes Verbrechen“ bedeutet. Zwar ist in der Regel die Tötung eines Menschen das Ziel, aber der Wortherkunft entsprechend muss der Angriff aus Sicht des Täters nicht erfolgreich verlaufen, um als Attentat bezeichnet werden zu können.
Das jüngste Beispiel ist das Attentat auf Ex-US-Präsident Donald Trump, der Anfang Juli bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Pennsylvania durch Schüsse eines 20-jährigen Mannes am Ohr verletzt wurde. Ein anderes Beispiel ist das Münchner Olympia-Attentat aus dem Jahr 1972, als von der israelischen Mannschaft elf der 14 Teilnehmer ermordet wurden.
Ein Anschlag umfasst eine solche Tat etwas allgemeiner. Hier spielt die Bekanntheit der angegriffenen Menschen keine Rolle, generell muss ein Anschlag nicht zielgerichtet sein, wie zuletzt der Anschlag in Solingen zeigte. Dort wählte der mutmaßliche Täter seine Opfer zufällig aus.
Anders als bei einem Attentat sind bei einem Anschlag auch nicht nur Menschen im Visier. Ein Anschlag kann auch die Zerstörung von Gebäuden oder anderen Dingen zum Ziel haben, wie beispielsweise kürzlich der Brandanschlag auf eine Synagoge in Oldenburg zeigte.
Hat der Anschlag einen terroristischen Hintergrund, spricht man auch von einem Terroranschlag. Der Begriff Terrorismus geht auf das lateinische Wort „terror“ zurück, das mit „Schrecken“ übersetzt werden kann. Bei Terroranschlägen versuchen Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen also, Angst und Schrecken unter der Zivilbevölkerung zu verbreiten, um ihre meist politischen oder religiösen Ziele durchzusetzen. Da der Tatverdächtige zum Fall in Solingen mutmaßlich eine Verbindung zur Terrormiliz IS hat, ist hier inzwischen auch von einem Terroranschlag die Rede.
Das Wort Amok kommt aus dem Malaiischen und wird mit „wütend“ oder „rasend“ übersetzt. Hier ist das Ziel eines meist einzelnen Täters, mehrere Menschen mit großer Brutalität zu töten. Die WHO beschreibt eine solche Tat als „eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich (fremd-)zerstörerischen Verhaltens“.
Laut bpb hängt die Tat häufig mit Depressionen, Verfolgungswahn oder anderen psychischen Erkrankungen zusammen. Nach der Tat seien die Täter oft erschöpft und haben Erinnerungslücken. Auch Selbstverletzung oder Selbstmord werden von ihnen in Kauf genommen.
Die geläufigen Worterweiterungen Amoklauf und Amokfahrt beschreiben, ob die Tat fußläufig oder beispielsweise mit einem Auto begangen wird.
Laut der aktuellen polizeilichen Kriminalitätsstatistik haben die Straftaten in Deutschland im vergangenen Jahr zugenommen. Die Fallzahlen stiegen um 5,5 Prozent auf nun rund 5,9 Millionen Fälle an.
Bei den politisch motivierten Straftaten stieg die Zahl ebenfalls an. Im Jahr 2023 wurden 60.028 Fälle registriert. Damit hat sich die Zahl laut Bundeskriminalamt innerhalb von zehn Jahren verdoppelt.