Osnabrück Redewendung: Wie kommen wir endlich auf den springenden Punkt?
Wir sind dankbar, wenn ein Redner nicht so lange drumherum redet, sondern auf den springenden Punkt seiner Darlegung kommt. Schön gesagt. Aber woher kommt die Redewendung?
Mit dem hüpfenden Komma habe ich es nicht so Dafür umso mehr mit dem springenden Punkt. Sie haben gelacht? Ich auch – als ich diesen Scherz von Heinz Erhardt, diesem geistreichen Beobachter der Sprache und ihrer Feinheiten. Warum soll das Komma nicht hüpfen können, wenn ein Punkt springen kann? Dabei ist der doch bei aller Winzigkeit kreisrund, also Zeichen der Unbeweglichkeit.
Bin damit in meiner Kolumne schon auf den Punkt gekommen oder habe ich mich am Semikolon verheddert? Der Punkt gibt es nicht neutral. Wer auf die Redensarten schaut, die um diesen Winzling kreisen, kann nur zu einem Schluss kommen: Der Punkt hat die Eigenart, ausgesprochen neuralgisch zu sein.
Kommt er deshalb ins Hüpfen, pardon, springen? Diese Redewendung soll übrigens auf den antiken Philosophen Aristoteles zurückgehen. Der Denker glaubte, dass in einem Vogelei das Herz des künftigen gefiederten Tiers als dunkler Fleck erkennbar sei. Für die Richtigkeit dieser Erkenntnis möchte ich nicht die Hand ins Feuer legen. Immerhin ist die Formel vom „punctum saliens“ aus der lateinischen Version seines Textes als springender Punkt übersetzt worden.
Der Punkt, von dem das Leben ausgeht: Von diesem kulturgeschichtlich gut bebrüteten Nukleus aus trat die Redewendung vom springenden Punkt ihren Siegeszug mitten in unseren Wortschatz an. Ich wäre bisweilen glücklich, wenn mancher Gesprächspartner auf den Punkt kommen würde Zugleich staune ich über eine Redewendung, die ihren Bedeutungskern aus der Antike herleitet und heute immer noch problemlos verstanden wird
Bevor ich hier ohne Punkt und Komma einfach weiterrede, sei wenigstens betont, dass der Punkt eines der Präzisionsinstrumente der deutschen Sprache ist. Bevor ich hier wirklich mal einen Punkt mache, möchte immerhin noch betonen, dass der Punkt im Reich der Redewendungen nicht nur wund sein, sondern auch auf dem „i“ thronen kann.
Ganz gleich, in welchem Zustand der Punkt uns begegnen mag – wenn er im Spiel ist, steht die Sache Spitz auf Knopf. Woher diese Redewendung nun wieder kommt? Das wäre ein ganz anderes Thema. Für diesen „Wortklauber“ gilt: Punkt aus, Feierabend!