Papenburg  Krise auf der Meyer Werft: „Bernard Meyer nimmt das alles sehr mit“

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 23.08.2024 05:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Andreas Hensen ist Betriebsratschef auf der Meyer Werft in Papenburg. Das Unternehmen steckt in einer existenziellen Krise. Foto: Lars Schroer
Andreas Hensen ist Betriebsratschef auf der Meyer Werft in Papenburg. Das Unternehmen steckt in einer existenziellen Krise. Foto: Lars Schroer
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Bundeskanzler Olaf Scholz hat der existenzbedrohten Meyer Werft Unterstützung zugesagt. Der Untergang der Werft scheint abgewendet, oder? Betriebsratschef Andreas Hensen im Kurzinterview.

So eine Betriebsversammlung hat es in der langen Geschichte der Meyer Werft in Papenburg noch nicht gegeben. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach zur Belegschaft des kriselnden Unternehmens und sagte der Meyer-Belegschaft Unterstützung in der aktuellen Krise zu. 

Der Bund und das Land Niedersachsen wollen die Werft und die Tausenden Jobs retten. Aber noch fehlen hier und da Aspekte, damit das staatliche Rettungspaket, bei dem der Staat zum Werftenbesitzer wird, auch greifen kann. Im Interview berichtet Betriebsratschef Andreas Hensen, wie der Kanzler-Auftritt ankam und wie es Noch-Werftbesitzer Bernard Meyer in der aktuellen Krise geht.

Frage: Herr Hensen, die Krise der Meyer Werft ist noch nicht abgewendet. Aber der Besuch von Kanzler Olaf Scholz und Ministerpräsident Stephan Weil lassen wenig Zweifel daran aufkommen, dass das Ganze vorläufig ein gutes Ende nehmen wird. Wie ist die Stimmung in der Belegschaft?

Antwort: Die Stimmung hat sich bedeutend aufgehellt. Das waren richtig gute Zeichen aus Berlin und Hannover in die Belegschaft. In den nächsten Tagen können wir alle hier wieder etwas beruhigter schlafen gehen. Es ist noch nicht alles zu 100 Prozent in trockenen Tücher, aber es sieht richtig gut aus.

Frage: Was fehlt denn noch?

Antwort: Klar, die Zustimmung von Bundestag und Landtag. Und auch die Banken müssen am Ende mitspielen. Bei uns auf der Werft laufen noch Verhandlungen um Betriebsvereinbarungen. Aber da sind wir auf einem guten Weg. Ich rechne mit einem Abschluss in den kommenden anderthalb Wochen.

Frage: Wann wurde Ihnen klar, welche Dimension die aktuelle Krise hat? Dass es nicht um einige Hundert Arbeitsplätze, sondern um die Werft als solche geht?

Antwort: Dass es so schlimm um die Werft steht, wurde mir in dem Moment klar, als der Sanierer Ralf Schmitz ins Haus kam. Da wusste man: Diese Krise ist größer als alle, die wir bisher durchgestanden haben. Kurz vorher hatten wir ja noch eine Betriebsversammlung mit Geschäftsführer Bernd Eikens, auf der er sagte, es müsse keiner um seine Arbeitsplätze fürchten. Nun ja… es sollte anders kommen. Jetzt müssen wir uns von 340 Kollegen trennen.

Frage: Dabei bleibt es? Es sind ja seitdem zahlreiche Aufträge hinzugekommen.

Antwort: Es bleibt dabei.

Frage: Und wird noch mehr auf die Belegschaft zukommen?

Antwort: Der Arbeitsplatzabbau ist schon ein harter Schlag für uns alle! Ich hoffe nicht, dass wir noch weitere Kröten schlucken müssen.

Frage: Sie waren auf der Betriebsversammlung in der Nähe von Bernard Meyer. Er selbst wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Was glauben Sie, wie geht es ihm?

Antwort: Ich glaube, Bernard Meyer nimmt das alles sehr mit. Er lebt für den Schiffbau, er lebt für die Werft. Dass er diese Krise mit durchstehen muss, ist sicher ein harter Schlag für ihn. Aber ich denke, die Reaktion auf der Betriebsversammlung mit langem Applaus war eindeutig: Die Belegschaft steht hinter Bernard Meyer. Er gehört weiter zur Werft.

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