Fahrrad statt Auto Die Fahrradstadt Emden – so geht’s weiter
Emden soll eine Fahrradstadt sein. Zweiräder sollen 40 Prozent des Gesamtverkehrs ausmachen. Derzeit gibt es dazu Messungen. Außerdem laufen zwei andere Projekte, die in der Stadt sichtbar werden.
Emden - Wer schnell durch die Emder Innenstadt fahren will, kann am besten das Rad nehmen. Mit dem Auto sorgt eine Fahrt oft eher für Frust als Lust. Das ist zum Teil auch so gewollt, damit die City für Fußgänger und Radfahrer mehr Aufenthaltsqualität und Sicherheit bietet. Das ehrgeizige Ziel der Stadt: Der Anteil der Fahrräder am Stadtverkehr soll bis 2030/35 auf 40 Prozent gesteigert werden.
Obwohl? Ganz so ehrgeizig ist das gar nicht. Schon 2021 lag der Anteil bei rund 28 Prozent. Nach Angaben der Stadt Emden sind es derzeit 32 Prozent (Stand: Juli 2023). Zum Vergleich: In den meisten Kommunen machen Radfahrer nur 15 Prozent der Verkehrsteilnehmer aus.
Warum wird der Fahrradverkehr gemessen?
Um die kontinuierliche Entwicklung besser zu verfolgen, gibt es regelmäßig Verkehrszählungen des Radverkehrs im Stadtgebiet, erklärt Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage dieser Zeitung. Wir hatten angefragt, weil uns aufgefallen war, dass im Abschnitt der Neutorstraße zwischen Agterum und Rathausvorplatz Zählvorrichtungen angebracht waren. Der Abschnitt soll noch zu einem sogenannten verkehrsberuhigten Geschäftsbereich umgebaut werden. Einen aktuellen konkreten Zeitplan hat die Stadt aber noch nicht kommuniziert.
Damit hatte die Messung aber nichts zu tun. Denn: Auch an der Harsweger Ziegelei und der Brücke in Verlängerung des Früchteburger Weges wird der Fahrradverkehr gemessen, so Dinkela. In dieser Woche werden die Geräte dann auch noch beim Radweg der Larrelter Straße sowie beim Wallübergang Lindenhof eingesetzt.
Warum wird jetzt gemessen?
Der aktuelle Mess-Zeitraum, also 1. August bis 2. September, sei bewusst gewählt worden, da er nach den Schulferien und vor dem Stadtradeln liegt, so Dinkela. Da die Zählungen noch laufen, liege noch keine aktuelle Auswertung vor, schreibt der Sprecher. Die Auswertung erfolge zu einem späteren Zeitpunkt. Anhand der erhobenen Zahlen lasse sich dann aber gegebenenfalls die Auswirkung einer Maßnahme auf den Radverkehr evaluieren. „Sie dienen der eigenen Qualitätskontrolle und stellen als Datengrundlage, die Basis für weitere Infrastrukturmaßnahmen dar“, erklärt Dinkela weiter.
Die Zählung erfolge dabei stets mit Zählgeräten, die mit Druckluftschläuchen arbeiten und von der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen (AGFK) unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. 2021 und 2022 wurden bereits an den aktuellen Stellen etwa in der Neutorstraße Zahlen erhoben. In dem Abschnitt war während sogenannter Verkehrsexperimente eine Zeit lang eine Vorfahrtsstraße für Radfahrer eingerichtet.
Welche Maßnahmen sind geplant?
Um den Masterplan „40 Prozent Radverkehr“ weiter voranzutreiben, setzt die Stadt auf unterschiedliche Maßnahmen. Unter anderem sind das bauliche Veränderungen: In diesem Jahr wurde bereits der Radweg am Frisia-Schlot, der insbesondere als Verbindung zum VW-Werk genutzt wird, fertig saniert. Für dieses Jahr ist außerdem geplant, dass die Jahnstraße und im Anschluss die Braunsberger Straße im Herrentor-Viertel zu Fahrradstraßen umgebaut werden. Nach Abschluss dessen gibt es in Emden zwölf Fahrradstraßen. Durch Markierungsarbeiten sollen die Radwege auch sichtbarer werden - beispielsweise an der Lindenhof-Kreuzung und beim „Doppel-Zebra“ auf der Nordertorstraße. Beides ist rot eingefärbt.
Es gibt außerdem zwei besondere Kampagnen. Zum einen geht es um den Abstand von motorisierten Verkehrsteilnehmern zu Radfahrern beim Überholvorgang. „Seit der Straßenverkehrs-Reform im Jahr 2020 gilt innerorts für Autofahrende beim Überholen von Radfahrenden ein Mindestabstand von 1,50 Metern“, schreibt die Stadt dazu. „Die meisten Emderinnen und Emder halten dies ein und tragen so zu einem positiven Sicherheitsempfinden der Radfahrenden bei“, so Dinkela. Um die übrigen Autofahrer an die Regelung zu erinnern, fahren nach den Schulferien rechtzeitig vor dem Zeitraum des diesjährigen Stadtradelns vom 1. bis 21. September zwei Busanhänger der Firma Reiter’s Busverkehrs GmbH/ Stadtverkehr Emden mit einer entsprechenden Beklebung durch Emden, erklärt er.
Das genannte Stadtradeln ist die weitere Kampagne. Dafür kann man sich auf www.stadtradeln.de/emden registrieren und Kilometer sammeln. Für Einzelpersonen und Teams gibt es Preise als Ansporn. „Wer umsattelt und regelmäßig Alltagswege mit dem Fahrrad zurücklegt, schützt nicht nur das Klima, sondern lebt auch gesünder, ist kreativer und fühlt sich besser“, heißt es dazu von der Stadt in einer Mitteilung.