Hamburg Mpox: Das müssen Sie jetzt über das Affenpocken-Virus wissen
In Schweden ist der erste Mpox-Fall außerhalb des afrikanischen Kontinents aufgetreten, bei dem jemand mit der neuen Variante infiziert ist. Nun machen sich viele Menschen Sorgen, dass uns eine neue Pandemie drohen könnte. Wir beantworten alle Fragen rund um die Affenpocken.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen mehrerer Mpox-Ausbrüche in Afrika und der neuen womöglich gefährlicheren Variante der Affenpocken die höchste Alarmstufe ausgerufen. Nach Beobachtung von Experten dürfte die Variante „Klade I“ ansteckender sein als bisherige Varianten und eine schwerere Infektion auslösen. 2024 wurden bisher mehr als 14.000 Mpox-Verdachtsfälle und mehr als 500 Todesfälle aus der Demokratischen Republik Kongo und anderen Ländern Afrikas gemeldet.
In Schweden ist vor einigen Tagen der erste Fall außerhalb des afrikanischen Kontinents aufgetreten. Das versetzt viele in Sorge. In Deutschland gibt es bisher noch keine Fälle der neuen Variante.
Seit dem vorigen Ausbruch im Jahr 2022 zirkuliert das Virus in Europa allerdings bereits in Form der Klade II. Davon treten nach Angaben des WHO-Regionaldirektors in Europa wöchentlich derzeit rund 100 Fälle auf.
Wir beantworten Fragen, die sich derzeit viele in Bezug auf Mpox und die neue Variante stellen.
In den Gebieten, in denen das Virus gehäuft auftritt, stecken sich Menschen zum einen an Tieren an – etwa durch den Kontakt mit Blut oder Ausscheidungen infizierter Tiere oder dadurch, dass sie deren Fleisch essen.
Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Gefährlich ist vor allem der Kontakt mit Speichel, Bläschen und Schorf von Infizierten. Auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr kann man sich anstecken. „Die bislang bekannten Fälle von Infektionen mit Klade Ib, fast ausschließlich bei Erwachsenen, scheinen vor allem sexuell übertragen worden zu sein“, sagt Christina Frank, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Epidemiologin des Fachgebiets für Gastrointestinale Infektionen, Zoonosen und tropische Infektionen am Robert Koch-Institut.
Besonders hoch ist die Virus-Konzentration in den pockenartigen Hautveränderungen. Doch schon bei ersten unspezifischen Symptomen sind die Erkrankten ansteckend.
Dass sich jemand über die Atemwege bei Kontakt mit einem Erkrankten infiziert hat, ist bisher nicht zweifelsfrei belegt worden. Das Robert-Koch-Institut hält eine Übertragung durch Aerosole für unwahrscheinlich.
Eine Ansteckung über kontaminierte Gegenstände oder durch Oberflächen wurde bisher vor allem in Endemiegebieten beobachtet.
Eine Mpox-Infektion äußert sich häufig durch Auftreten eines oder mehrerer unspezifischer Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Fatique oder Gelenkschmerzen.
Bei mehr als der Hälfte der Fälle schwellen die Lymphknoten an, was mit Schmerzen verbunden sein kann. Auch zu Entzündung im Rachenraum und Schluckbeschwerden kann es kommen. Typisch für Mpox-Infektionen ist auch ein pockenähnlicher Ausschlag, der aber nicht bei allen Fällen auftreten muss.
Der Ausschlag beginnt oft im Gesicht und breitet sich von dort weiter aus. Er findet sich auch auf Handflächen und Fußsohlen, außerdem im Mund und an den Augen, häufig sind auch der Genital- und Anal-Bereich betroffen.
Die meisten an Affenpocken Erkrankten erholen sich innerhalb von mehreren Wochen. In seltenen Fällen kann die Erkrankung aber tödlich verlaufen: Bei unbehandelten Fällen stirbt etwa einer von zehn Erkrankten.
In Deutschland wurden seit 2022 insgesamt etwa 3.800 Fälle (Stand: 9.8.2024) an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt. Todesfälle durch Mpox gab es in Deutschland nicht.
Anders ist die Situation in Afrika. Bei Kindern und immungeschwächten Personen kann es zu einem tödlichen Organversagen kommen. An Viren der Klade I sterben in Afrika ungefähr 1 bis 5 von 100 erkrankten Erwachsenen und bis zu 10 von 100 infizierten Kindern.
In der Regel heilt die Krankheit innerhalb von zwei bis vier Wochen von alleine aus. Bei Bedarf können Symptome wie Fieber und Schmerzen behandelt oder gelindert werden.
Das einzige in der EU zugelassene Medikament zur Behandlung von Mpox heißt Tecovirimat. Es ist allerdings nur begrenzt verfügbar und wird nur bei Risikogruppen eigesetzt. Dazu gehören zum Beispiel immungeschwächte Menschen, die beispielsweise eine HIV-Infektion haben.
Ja. Die Impfung gegen das klassische Pockenvirus ist auch für den Schutz vor einer Infektion mit dem Mpox-Virus zugelassen und wird vom Robert-Koch-Institut in Deutschland für Personen mit Risikofaktoren empfohlen. Die STIKO empfiehlt den Impfstoff Imvanex.
Empfohlen ist die Impfung für folgende Gruppen:
Auch nach dem Kontakt mit einer mit Mpox infizierten Person kann eine Impfung das Erkrankungsrisiko verringern – sie sollte dann innerhalb von vier Tagen nach dem Kontakt erfolgen, heißt es beim RKI.
Laut RKI ist noch nicht eindeutig geklärt, ob nach durchgemachter Mpox-/Affenpockeninfektion eine lebenslange Immunität besteht. Man könne dies jedoch vermuten, da dies bei den heute ausgerotteten Pocken, die mit Mpox verwandt sind, der Fall war.
Die Pockenimpfung war bis in die 1970/1980er Jahre eine Pflichtimpfung in Deutschland. Experten gehen davon aus, dass Personen, die in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurden, aufgrund einer Kreuzimmunität auch einen Schutz gegen Affenpocken aufweisen.
Trotz der mit der Zeit nachlassenden Wirkung der Pockenimpfung, schätzt man auf der Basis von Studienergebnissen, dass eine vorangegangene Pockenimpfung einen Schutz von 85 Prozent gegenüber Mpox vermittelt. Vor schweren Krankheitsverläufen ist man noch besser geschützt.
Nein. WHO-Europa-Direktor Hans Kluge sagte, die Antwort auf die Frage, ob Lockdown-Maßnahmen wie während der Corona-Pandemie notwendig seien, laute „eindeutig nein“.
China hat allerdings für die kommenden Monaten die Kontrollen bei Einreisen auf Flughäfen verschärft. Die Maßnahmen sind vorerst auf sechs Monate ausgelegt und gelten für Menschen aus betroffenen Ländern.