Hamburg  Drogenkriege in Deutschland? Dafür hätte es keine Cannabis-Legalisierung gebraucht

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 21.08.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sprengstoff-Anschläge wie dieser in Solingen sollen Teil einer blutigen Fehde zwischen der „Mocro-Mafia“ und einem deutschen Clan sein Foto: Gianni Gattus/dpa
Sprengstoff-Anschläge wie dieser in Solingen sollen Teil einer blutigen Fehde zwischen der „Mocro-Mafia“ und einem deutschen Clan sein Foto: Gianni Gattus/dpa
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Nur wenige Monate nach der Cannabis-Legalisierung scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten. Kriminelle Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft. Die Ampel muss nachsteuern.

Ein erwartbares Horror-Szenario ist eingetroffen. Weil Cannabis in Deutschland entkriminalisiert ist, aber kein wirklicher legaler Markt entstehen durfte, füllen kriminelle Banden nun die Lücke. Ein deutscher Clan und die sogenannte Mocro-Mafia aus den Niederlanden sollen schon jetzt brutal mit Sprengstoffanschlägen und Entführungen um die Vorherrschaft im Drogen-Milieu kämpfen. Das zeigt vor allem eines: Deutschland braucht dringend lizenzierte Verkaufsstellen für Marihuana in Deutschland.

Der moralische Anspruch der Ampel, dass sich bitte niemand am Drogenverkauf bereichern dürfte, war von Beginn an lächerlich. Tabakkonzerne und Brauereien arbeiten sicher nicht nur kostendeckend. Und die einzigen, die sich an Marihuana bereichern, sind dann eben doch wieder die Kriminellen.

Aber die Gründe hierfür liegen nicht allein in der verkorksten Cannabis-Entkriminalisierung. Die Brutalität krimineller Banden in Europa nimmt aufgrund der hohen Gewinnmargen, vor allem für das weiterhin illegale Kokain, zu. Der Schwarzmarkt für Marihuana wird sich wohl ohnehin nie ganz ausmerzen lassen. Illegales Gras wird sich dank des höheren THC-Gehaltes und des im Zweifel günstigeren Preises immer irgendwie halten.

Die Gleichung, dass die Legalisierung die Nachfrage erhöht hat und das Feld durch Banden besetzt wird, ist schief. Denn auch in den Vorjahren ging der Cannabis-Konsum, also die Nachfrage, kontinuierlich nach oben.

Und dennoch hat die Ampel ihren Anteil an der Eskalation, die offenbar sehr schnell vor allem den Westen Deutschlands erreichte. „Schaut in die Niederlande”, riefen Forscher und Kriminalbeamte vor der Cannabis-Legalisierung. Doch der Jahrzehnte alte Fehler aus dem Nachbarland, zu lange keinen Markt für die Drogen zuzulassen, wurde in Deutschland dennoch wiederholt.

Dabei gibt es Beispiele, bei denen der Schwarzmarkt bei Cannabis wirklich zurückgedrängt wurde. Kanada ist das gelungen – hier gibt es lizensierte Verkaufsstellen. Der Bundesregierung muss es jetzt schnellstmöglich gelingen, das eigene Prestigeprojekt vollumfänglich zu überarbeiten. Sonst wird das Gesetz, das bislang vor allem peinlich wirkte, zu einer echten Gefahr.

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