Vom Emsland bis nach Ostfriesland  Lieferservice Biobote jetzt auch in Ostfriesland

Rilana Kubassa
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Von Rilana Kubassa
| 21.08.2024 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Sebastian Bosse ist Geschäftsführer bei Biobote Ostfriesland. Foto: Ortgies
Sebastian Bosse ist Geschäftsführer bei Biobote Ostfriesland. Foto: Ortgies
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Bio-Lebensmittel nach Hause liefern lassen ist bequem, aber es fehlt der persönliche Kontakt. Das Unternehmen Biobote aus dem Emsland expandiert nach Neermoor. Was sagt der regionale Handel dazu?

Ostfriesland - In der Lagerhalle in Haren an der Ems ist es – verglichen mit den sommerlichen Temperaturen draußen – angenehm kühl. Zwischen Regalen voller frischem Obst und Gemüse packen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Lieferservice Biobote Produkte in grüne Kunststoffkisten – etwa 450 Kisten sind es heute.

Regale voller Produkte, aber kein Supermarkt: die Halle, in der Biobote die Kisten verpackt. Foto: Ortgies
Regale voller Produkte, aber kein Supermarkt: die Halle, in der Biobote die Kisten verpackt. Foto: Ortgies

In anderen Regalen stehen Wein und Spirituosen, Trockenwaren, Kosmetikartikel und Haushaltsmittel bereit. Auf Online-Bestellung wird alles hier zusammengestellt und zu den Kunden gebracht. Das Konzept funktioniert offenbar, denn jetzt expandiert das Unternehmen nach Ostfriesland.

Eine Halle in Neermoor ist bereits vorhanden und werde derzeit ausgebaut, teilt Sebastian Bosse mit, Co.-Gründer und Geschäftsführer von Biobote Ostfriesland. „Im Moment wird die Küche gebaut. Sobald die Halle schön ist, wird auch das Team dort vor Ort sein“, sagt er.

Bereits 9000 Kunden im Emsland

Das Unternehmen Biobote gründeten Lisa und Ivan Lubas 2016, laut Sebastian Bosse aus der Motivation heraus, dass sie während einer zweijährigen Reise Erfahrungen in der Landwirtschaft machten. Sie entschieden, Bio-Produkte stärker in die Region zu bringen und mit regionalen Produzenten zusammenzuarbeiten. Ziel sei es, „Bio-Lebensmittel in den Alltag zu integrieren, auch wenn wenig Zeit zum Einkaufen ist“, sagt Sebastian Bosse. Der 38-Jährige stieg 2020 in das Team ein.

Das Unternehmen mit heute rund 40 Beschäftigten beliefert laut eigenen Angaben im Emsland und in der Grafschaft Bad Bentheim etwa 9000 Kunden. Rund 2000 Kisten werden pro Woche gepackt, so Bosse. Dafür fahren zwölf Wagen zu den Zielen, zwei davon sind in Ostfriesland unterwegs.

Bosse rechnet damit, dass sich der Kundenstamm in den nächsten zwei Jahren langsam aufbauen wird. „Organisches Wachstum“ nennt er als Stichwort. „In Ostfriesland setzen wir auch auf Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt er.

Bis zur Lieferung dauert es mehrere Tage

Auf der Internet-Seite von Biobote sind Beispielbilder von Holzkisten voller Gemüse und gesunder Lebensmittel abgebildet. Man kann eine Kiste davon auswählen, dann Produkte entfernen, hinzufügen und angeben, ob man die Kisten regelmäßig oder einmalig erhalten möchte. Der Mindestbestellwert beträgt laut Webseite 15 Euro.

Die Belieferung mit frischen, kleinen Portionen könnte an abgelegeneren Orten vor allem für Menschen, die nicht oder nicht mehr Auto fahren oder einkaufen gehen können, eine Erleichterung sein. Vor dem Kauf muss man sich allerdings registrieren, und es wird geprüft, ob die Kiste überhaupt an den Wohnort geliefert werden kann.

Hier wird ein Unterschied zum direkten Einkauf im Laden deutlich: Gibt man bei Biobote Ostfriesland etwa eine Adresse im Ort Dollart in der Gemeinde Bunde ein, ist es bis zum ersten möglichen Liefertermin noch eine knappe Woche hin.

Kommissioniererin Eugenia Menschikow ist seit fünf Jahren im Unternehmen beschäftigt. Foto: Ortgies
Kommissioniererin Eugenia Menschikow ist seit fünf Jahren im Unternehmen beschäftigt. Foto: Ortgies

Passende Rezepte werden zu den Produkten mitgeliefert

Auf der Webseite verspricht das Unternehmen auch für Ostfriesland: „Regional First, das Beste von den Bio-Erzeugern der Umgebung“, „saisonal und erntefrisch“, „praktisch im Kühlfahrzeug geliefert“, „im Abo oder nach deinem Bedarf bestellt“, „unverpackt und plastikfrei“.

Ein besonderer Service sind die Rezepte, die passend zu den Produkten in den Kisten enthalten sind. Sie werden in der Biobote-Küche von einem Koch entwickelt. „Mit Chicorée oder Mangold kann vielleicht nicht jeder etwas anfangen“, so Bosse. Die Rezepte sollen Ideen liefern für Gemüse, das eher selten verwendet wird.

Regionale Produzenten werden auf der Webseite vorgestellt

Außerdem werden die etwa 25 regionalen Produzenten in kurzen Videos auf der Internet-Seite vorgestellt. In Ostfriesland sind das zum Beispiel der Johannshof aus Großefehn-Fiebing oder der Grafthof aus Neuharlingersiel, aber auch Produzenten aus Papenburg und Hude. Mit weiteren sei man im Gespräch, so Bosse. „Das sind unsere regionalen Biohelden. Es sind alles Leute, die aus voller Überzeugung handeln“, sagt er. „Durch diese Geschichten unterscheidet sich unser Angebot von Discountern“, sagt er.

Doch laut Sebastian Bosse geht es Biobote vor allem um Wertschätzung. „Unser Sortiment ist 100 Prozent Bio. Für regionale Produkte haben wir uns eigene Standards gesetzt, zum Beispiel in der Tierhaltung“, sagt er.

Käsesommelier Andreas Arling kümmert sich um die 90 bis 120 Käsesorten bei Biobote. Foto: Ortgies
Käsesommelier Andreas Arling kümmert sich um die 90 bis 120 Käsesorten bei Biobote. Foto: Ortgies

Regional und Bio in Ostfriesland nur eingeschränkt möglich

Thorben Kück, Gründer der Kücks Bioläden in Emden und Leer, sieht den geplanten Ausbau der Lieferleistungen vorerst gelassen. „Angst vor einer Konkurrenz habe ich nicht“, sagt er. Die Lieferung von gepackten Kisten gebe es ja schon länger – und „die Möglichkeit zu bestellen gab es auch schon vorher durch das Internet“, sagt er. Auch bei Kücks könne man Lebensmittel bestellen.

Kück bezieht ebenfalls Produkte vom Johannshof. In der Region Ostfriesland sei das Angebot an Bio-Produzenten für den Einzelhandel aber eher gering, sagt er. „Viele Produkte werden schon aus Witterungsgründen nicht hier angebaut“, weiß er. Damit meint er nicht nur Avocados, Zitrusfrüchte oder Bananen, die, auch wenn sie Bio sind, in der Regel importiert werden müssen. Sondern zum Beispiel auch Gurken und Tomaten. „Ich kenne keinen Gurkenbauern in Ostfriesland“, so Kück.

Kunden schätzen den persönlichen Kontakt

Was den Einzelhandel ausmacht, ist für Thorben Kück vor allem der persönliche Kontakt. „Wir sind ein stationärer Einzelhandel. Wir haben Stammkunden, kennen viele mit Namen. Die lieben die persönliche Nähe.“ Außerdem seien die Produkte sofort verfügbar. „Wenn man Lust auf ein Produkt hat, kann man einfach in den Laden kommen und es kaufen. Wenn man es erst bestellen muss, kommt es eben nicht sofort“, sagt er. Seit 2014 gibt es den Kücks Markt in Leer, seit 2022 in Emden.

Aber der Unternehmer sieht auch die Veränderungen im Einzelhandel. „Jemand, der die gleichen Produkte anbietet wie wir, ist natürlich auch ein Mitbewerber“, sagt er. „Das werden die Zahlen zeigen. Im schlimmsten Fall werden dann Läden wie dieser nicht mehr da sein“, sagt er. „Der Kunde muss entscheiden.“

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