Unwetter in Niedersachsen Starkregenschäden – wie ist die Lage im Ammerland?
Das benachbarte Ammerland war von dem Unwetter in der vergangenen Woche schwer betroffen. Besonders schlimm war die Lage in der Gemeinde Apen. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen.
Ammerland - In der vergangenen Woche ist über weite Teile Niedersachsens ein heftiges Unwetter gezogen. Während Ostfriesland schon schwer betroffen war, hat es vor allem den benachbarten Landkreis Ammerland getroffen. Die Gemeinde Apen wäre fast zu einem Katastrophenfall geworden.
Noch mitten in der Nacht musste ein Zug evakuiert werden, zahlreiche Straßen wurden überschwemmt und viele Häuser durch den Hagel beschädigt. Wie ist die Lage eine Woche nach dem Unwetter? Wir haben bei der Gemeinde, betroffenen Unternehmen und der Versicherung nachgefragt.
Autohaus Gnieser durch Hagel betroffen
Besonders betroffen von dem Unwetter ist das Autohaus Gnieser in Apen. „Unsere Fahrzeige stehen alle draußen, ohne Überdachung“, erklärt Werkstattleiterin Nicole Börchers. Durch den massiven Hagel und die Größe der Hagelkörner seien die Autos schwer beschädigt worden, heißt es auf Anfrage. Wie groß der Schaden letztendlich ist, sei laut Börchers noch nicht abzusehen. Da die ganze Gemeinde von den Auswirkungen des Unwetters betroffen ist, dauere es auch bei den Versicherungen etwas länger.
Das Verkaufsgeschäft läuft trotz der Schäden weiter, sagt Börchers. Die beschädigten Fahrzeuge seien aus dem Verkehr gezogen worden. Die Hagelschäden beschäftigen das Autohaus aber auch anderweitig: In der Werkstatt gebe es durch die große Anzahl an Fahrzeugschäden laut Börchers sogar ein erhöhtes Arbeitsaufkommen.
Friseurin Britta Peters kämpfte mit massiven Abwasserproblemen
Ein besonders unangenehmes Problem hatte der Friseursalon Britta Peters in Apen. Durch die Nähe zur Kläranlage und die massiven Regenmasse standen die Toiletten bis zum Rand voll mit Wasser, erklärt Geschäftsführerin Peters im Gespräch. Ungefähr einen Tag lang war es den Mitarbeitern und Kunden nicht möglich, im Salon die Toiletten zu nutzen. „Mein Mann ist Handwerker, der kann alles und hat sich dann gekümmert“, sagt Peters. Die Feuerwehr hätte angegeben, erst zu kommen, wenn das Wasser im Haus steht. Mit einer Pumpe hätten sie den Schacht freigepumpt und das Wasser auf den Parkplatz geleitet.
Peters wagt im Gespräch auch einen Blick in die Zukunft. Denn die Nähe zur Kläranlage wird sich nicht ändern. Um Unterstützung zu bekommen, habe Peters bei der Gemeinde um eine Begehung gebeten. Gemeldet habe sich bei ihr noch niemand. „Aber hier war auch Ausnahmezustand, alle waren überfordert“, erklärt Peters. Kritik übt die Saloninhaberin an der vermehrten Versiegelung der Flächen: „Das Wasser sucht sich dann halt seinen Weg“.
Gärtnerei Klefer verzeichnet überschaubaren Schaden
Einen nicht ganz so massiven Schaden hat die Gärtnerei Klefer in Augustfehn davongetragen. Auf Anfrage bestätigen Mitarbeiterinnen, dass es zwar einen Schaden gebe, die Gärtnerei bei diesem Unwetter aber noch Glück gehabt hätte.
Im Gegensatz zu einem vergangenen Unwetter, bei dem die Scheiben des Gewächshauses zerstört wurden, sei das Team beruhigt, dass sich solch ein Schaden nicht wiederholt hat.
Auf der Freifläche des Geschäfts seien bei vielen Pflanzen die Blätter durchgeschlagen, konnten aber teilweise recht schnell vom Team ins Trockene gestellt und bereinigt werden. Im Verkaufsraum habe den Mitarbeitern allerdings das Wasser bis zu den Knöcheln gestanden. Dadurch seien einige Korb- und Verkaufsprodukte beschädigt worden, so die Mitarbeiterin im Gespräch. Einzelne Artikel seien noch in der Trocknungsphase, andere seien längst als Schaden abgestempelt.
Versicherungen haben viel Arbeit
Die vielen entstandenen Schäden machen sich auch bei Thomas Möller bemerkbar. Als Bereichsleiter der DEVK Versicherung in Westerstede sitzt er genau an der Stelle, wo die Schadensmeldungen nach einem Unwetter eingehen. Auf Anfrage bestätigt Möller, dass seit vergangener Woche besonders viele Meldungen eingehen. Überwiegend würden die Bewohner laut Möller Schäden an Gewächshäusern, Vordächern oder Garagen und Kellern melden. „Es gibt auch bestimmt 50 oder 60 beschädigte Autos, die uns gemeldet wurden“, sagt Möller.
Als Ursache dafür nennt der Bereichsleiter vor allem den Hagel. Trotz des hohen Aufkommens bei der Versicherung sei als Kunde nicht unbedingt mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Allerdings sei es laut Möller aufgrund des hohen Schadenaufkommens nicht möglich, die Gutachter zu allen Personen nach Hause zu schicken. Für beschädigte Autos solle es deshalb eine Sammelstelle geben, an der die Schäden vorgestellt werden können.
Gemeinde sieht dringenden Handlungsbedarf
Auf Anfrage bestätigt Matthias Huber, Bürgermeister der Gemeinde Apen, dass mitunter schon Termine mit Anliegern laufen würden. Gemeinsam mit dem Bauamtsleiter solle ergründet werden, wieso Gullys, Schächte und Regenrückhaltebecken übergelaufen sind und wie das künftig verhindert werden kann. Huber verweist auch auf das Starkregenereignis Anfang August, dass die Gemeinde ebenfalls betraf. Auch da sei das Netz schon überlaufen gewesen.
Infolge dieses Extremwetters habe es laut Huber bereits am 12. August eine umfassende Lagebesprechung gegeben, bei der zwei Herangehensweisen für die Gemeinde festgelegt wurden. Die Feuerwehrprüfung werde überprüfen, welche weitere technische Ausstattung es für Starkregenereignisse benötigt und die Warn-App BIWAPP solle weiter in den Fokus gerückt werden, so Huber. Der Bürgermeister macht deutlich: „Es muss der öffentlichen Hand gelingen, die Bevölkerung im Vorfeld noch besser zu warnen.“ Auch bei der Öffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses Mitte September sollen die Klimaveränderungen, samt der häufigeren Extremwetterereignisse, eine entscheidende Rolle spielen.